Die Peseta kehrt zurück

Geschäft in Manacor akzeptiert noch bis 31. Mai die alte Währung: Eine Aktion, die sich auszahlt

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Haben Sie sie auch noch zu Hause? Gülden, silbern oder in Bronze – mit dem noch sehr jungen Konterfei von Juan Carlos, dem spanischen Wappen oder dem schnörkeligen Krönchen? Im Wert von 1'8 Milliarden Euro, so schätzt jedenfalls die Banca de España, stecken sie seit sechs Jahren noch verstaubt in Spar-schweinen oder poliert in Münzalben: die spanischen Pesetas.

2002 wurde die Pesete vom Euro überholt, jetzt kommt sie in Manacor zu neuen Ehren. In der mallorquinischen Niederlassung der Geschenk- und Haushaltsartikel-Kette „Crack” aus Barcelona können Kunden den ganzen Mai ausnahmsweise auch mit Pesetas bezahlen.

Eine Marketingidee, die sich auzahlt: „Jeden Tag gehen neben den regulären Einkäufen in Euro durchschnittlich noch Waren im Wert von 300 Euro über den Tisch”, berichtet Geschäftsführer Albert Martinez. Weil er schon im Vorlauf so oft von Kunden auf die Aktion angesprochen worden war, akzeptierte er bereits zwei Wochen vor dem offiziellem Start die alte Währung: „Da haben mir die Kunden schon um die 120.000 Pesetas gebracht.”

Per Computerprogramm bekommt der Kunde beim Zahlen derzeit den Preis in Pesetas und Euro angezeigt: Das erleichtert das Rechnen, wenn ein Artikel in einer Mischung aus beiden Währungen beglichen wird. Nur das Zählen geht von Hand – und das ist zeitaufwendig. „Sobald jemand mit Pesetas kommt, muss ich eine Kollegin abstellen und zum Zählen bitten.” Denn die meisten Kunden bringen sehr viel Kleingeld anstelle von Scheinen. „Die meisten schleppen viele sehr kleine Münzen an, die sie in Plastiktüten verpackt haben”, sagt er mit einem Lachen. „Als ich die erste Geldfuhre auf die Banca de España brachte, um sie dort umzutauschen, hatte ich es anschließend im Kreuz, so habe ich mich abgeschleppt: Allein um die 2500 Fünf-Peseten-Stücke hatte ich dabei.” Die Banca de España ist das einzige spanische Geldinstitut, in dem die alte Währung noch gegen Euro eingetauscht werden kann. Allerdings auch nicht jede Pesete: Während bei Scheinen noch alle gelten, die nicht vor 1939 gedruckt wurden, ist beim Münzgeld nur noch die letzte Edition zu neuem Geld zu machen.

Die Gründe, warum überhaupt noch so viele Pesetas im Umlauf sind, scheinen vielfältig: Während ein Teil wohl sicher deswegen nie umgetauscht wurde, weil es sich dabei um Schwarzgeld handelte, vermutet Martinez, dass viele einfach zu bequem waren, wegen kleiner Beträge extra die Banca de España aufzusuchen. Und auch Sentimentalität mag eine Rolle spielen: „Es ist interessant”, sagt der 36-Jährige, „von allen, die kommen, bekommen wir das Gleiche zu hören: Dass die Zeit der geliebten Pesete eine goldene war und dass der Euro uns nur geschadet habe.” Gleichzeitig sei er überrascht, wie sehr sich mittlerweile – und trotz langem Widerstand – der Euro im Bewusstsein verfestigt habe. „Lange haben ja alle noch weiterhin in Pesetas gerechnet. Aber nun scheinen wir doch den Chip gewechselt zu haben. Jetzt wo die Leute bei uns im Laden wirklich mit Pesetas rechnen müssen, merken sie oft erst, wie fremd das doch mittlerweile geworden ist.” Vor ein paar Tagen hätten ihm Jugendliche vier 5000-Pesetas-Scheine gebracht: In acht Teile zerfallen und schon so zersetzt, dass sie unter seinen Fingern zerbröselten. Jetzt will Martinez für sie bei der Bank anfragen, ob solche Scheine noch angenommen werden.

Auch viele Touristen und ausländische Residenten seien unter den Pesetas-Käufern, erzählt er. Fündig werden dürfte in dem Laden auch jener, der nur noch über wenige Münzen verfügt. Über die Hälfte der Artikel kosten nicht mehr als 2'18 Euro und den günstigsten Artikel gibt es bereits ab 78 Cent: Das sind 130 Pesetas.

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