Balearen-PP: Ende der Nettigkeiten

Der Kampf um die Führung in der Balearen-PP verschärft sich. Der Bürgermeister von Calvià, Pedro Delgado, will auf dem Parteitag im Juli gegen die designierte Parteichefin Rosa Estaràs antreten. Derweil stellen immer neue Skandale die Glaubwürdigkeit der Konservativen infrage

In der konservativen Volkspartei (PP) auf den Balearen geht es weiter drunter und drüber. Nicht nur immer neue Skandale erschüttern die Partei, die vor einem Jahr die Regierungsmacht auf den Balearen verlor, jetzt droht auch noch ein interner Machtkampf um die Nachfolge des Ex-Ministerpräsidenten Jaume Matas. Der hatte seine politische Laufbahn nach der Wahlschlappe im Mai 2007 beendet und seine Stellvertreterin als designierte Nachfolgerin im Amt des balearischen Parteivorsitzenden hinterlassen.

Tatsächlich galt Rosa Estaràs lange Zeit als unumstrittene Kandidatin bei der Wahl, die im Rahmen des Parteitags am 5. Juli stattfindet. Seit dem vergangenen Freitag aber ist klar, dass auch Carlos Delgado antreten wird. Der Bürgermeister der wohlhabenden und bei ausländischen Residenten beliebten Küstengemeinde Calvià macht ihr den Parteivorsitz streitig.

Bei einer Pressekonferenz im Rathaus der Gemeinde nannte er unterschiedliche Vorstellungen in der Sprachenpolitik als Hauptgrund für seine Gegenkandidatur. Anfang April hatte Delgado mit der Veröffentlichung eines Manifests mit dem Titel "Für die Balearen" für Aufsehen gesorgt, in dem er eine Änderung des Autonomie-Status fordert: Statt von Catalán solle dort von der "balearischen Sprache" die Rede sein. Estaràs, die das Statut maßgeblich mitformuliert hat, schloss diese Änderung kategorisch aus. Delgado zeigt sich überzeugt, die Wahl gewinnen zu können. Er erfahre immensen Zuspruch von der Parteibasis und glaubt, 80 Prozent der balearischen PP-Mitglieder hinter sich zu haben.

Selbst das allerdings könnte zu wenig sein. Denn auf dem Parteitag sind die 2040 Delegierten entscheidend - und unter denen zeichnet sich eine Mehrheit für Estaràs ab. Denn jeder Kandidat muss vor dem Parteitag die Unterstützung von mindestens 20 Prozent der Wahlleute nachweisen. Also sammeln die beiden Kandidaten nun fleißig Unterschriften. Die 42-jährige Estaràs dürfte der Marke von 408 Stimmen schon recht nahe kommen und kann sich auch der Unterstützung der Führungsriege der Partei sicher sein. Delgado kann dagegen noch keine Unterstützung eines politischen Schwergewichts vorweisen.

Bis zum Parteitag dürfte es aber dennoch hoch hergehen in der balearischen PP. Denn um die Stimmen der Wahlleute ist ein heftiger Streit entbrannt. Carlos Delgado drohte gar mit einer Klage, sollte Estaràs nicht die Stimmen herausgeben, "die ihr nicht zustehen", wie er sagte. Estaràs hatte mit dem Unterschriftensammeln schon begonnen, bevor die Kandidatur ihres Widersachers feststand. Um Delgado zu beschwichtigen versicherte Estaràs, jeder, der ihr seine Unterstützung bereits schriftlich versichert habe, könne sich nun unter den geänderten Vorzeichen "selbstverständlich" neu entscheiden. (jm)

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