Dieter Wedel: „Ich führe keinen Rachefeldzug”

So richtig lustig klingt der Titel seines Dreiteilers nicht, der ab Januar 2011 im ZDF zu sehen sein soll: „Die letzten Tage von Mallorca”. Um Korruption und Spekulation geht es, sagt Regisseur Dieter Wedel. Sein Film werde das Mallorca-Bild der Deutschen nachhaltig prägen, Im MM-Gespräch erzählt er Anekdoten aus Andratx - und warum Tragödie und Komödie oft nahe beieinander

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Der Stoff, aus dem sein neuestes Werk gemacht ist, verspricht Dramatik und liegt voll im Trend der Zeit: Geldgier, Korruption, Spekulation. „Auch auf Mallorca ist der Schein oft anders als das Sein”, sagt Dieter Wedel bei seinem MM-Besuch Anfang der Woche, um für seine Film-Recherchen auch die inselinternen Ein- und Ansichten der Redaktion einzuholen: „Da wird die innere Persönlichkeit schnell mal über die Größe der Immobilie definiert.” An seiner Liebe zur Insel lässt der 65-Jährige indes keinen Zweifel: Nicht umsonst habe er seit neun Jahren seinen Zweitwohnsitz in der Cala Llamp und sei mit seiner Mutter - die auch schon eine Mallorca-Liebhaberin war - bereits Anfang der 70er Jahre auf die Insel gekommen. Trotzdem: „Ich habe gesehen, wie die Insel in einem rasenden Tempo auch verloren hat. Und wie vor lauter Gier eine wunderschöne Bucht fast kaputt gegangen ist.”

Als Resident der Gemeinde Andratx wurde Dieter Wedel hautnah Zeuge des Korruptionsskandals um den früheren Bürgermeister Eugenio Hidalgo - und dem mehr als zweifelhaften Prozedere bei der Vergabe von Baugenehmigungen: „Was hätte alles verhindert werden können, wenn Herr Hidalgo nicht ganz so geschmiert worden wäre.” Auch seine gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Bauunternehmen, das er wegen Lärmbelästigung und „Verstöße gegen verschiedene Bauvorschriften”verklagte, wird thematisiert. Eines möchte Dieter Wedel indes klarstellen: „Ich benutze meine Filme nicht für Rachefeldzüge.” Nun verdankt Dieter Wedel seinen Ruf nicht umsonst auch seinen akribisch recherchierten Gegenwartsstoffen. Auch sein Mallorca-Film wird von Insider-Wissen nur so strotzen. So weiß er so erquickliche Details zu berichten, dass „man” in Andratx schon mal Opel-Fahrer sein musste, um überhaupt irgendwie ans Ziel zu kommen: „Hidalgos Bruder war im Opel-Geschäft.” Das Einzige, worauf er noch keine Antwort gefunden hat: „Wieso wurde über die Korruption so unverhohlen gesprochen und nichts unternommen, derselbe Mensch aber, nachdem er öffentlich demontiert war, mit ähnlicher Gleichgültigkeit von allen fallen gelassen?”

Vielleicht wird sein Film ja auch diese Fragen beantworten. Fest steht für Wedel schon jetzt, dass sein Dreiteiler „das Mallorca-Bild der Deutschen über Jahre mitprägen” wird, ähnlich wie der „Ballermann 6”-Film von Tom Gerhardt Ende der 90er Jahre, der Mallorcas Image allerdings sehr geschadet habe. Auch wenn sein Mallorca-Porträt sicherlich kritisch ausfallen werde, glaubt der Regisseur fest an einen sicheren Werbeeffekt für die Insel. Dabei erinnere er nur an den erfundenen Urlaubsort „Oertzl” in seinem Film „Alle Jahre wieder” (1976) - „Ein fiktiver Name, gemixt aus St. Moritz, Igls, Pontresina und Seefeld” -, den die TV-Familie Semmeling als Ferienziel auserkoren hatte: „Die Reisebüros konnten sich damals nicht mehr retten vor Anfragen: Alle Welt wollte nach Oertzl.” Mit der Materie Urlaubsdomizil kennt sich Dieter Wedel schon deshalb gut aus, weil seine Eltern ein großes Hotel in Bad Nauheim hatten. Aber: Wie kommt man nun nach Mallorca? Und: Wie können Spanier und Deutsche miteinander auskommen, wenn die „einen um 21 Uhr anfangen zu essen, die anderen um 20 Uhr fernsehen und um 22 Uhr schlafen gehen?” In zweifellos amüsanten „Parallelgeschichten” wird sein Film auch solche Kleinkriege zeigen. Im Hintergrund jedoch immer auch die Frage, „wie man der Profitgier der Spekulanten Einhalt gebieten kann”, damit aus Mallorca kein „zweites Torremolinos” werde. Kroatien sei ja auch ganz schön: „Und billiger.” Etwas Problembewusstsein müsse schon sein, findet Dieter Wedel: „Sonst sind es die letzten Tage von Mallorca.”

Noch aber ist es nicht soweit, und das das deutsch-mallorquinische Miteinander durchaus funktionieren kann, hat der Tierfreund gerade mal wieder erfahren, als er einen Mischlingshund aus der Tötungsstation Inca rettete: „Der kleine Mallorquiner und unser deutscher Pudel vertragen sich prima.” Und einen raffinierten Plan, wie man dem Elend der Vierbeiner auf der Insel ein Ende setzen kann, hat er auch schon: „Jeder, der eine Rolle bei mir will, muss vorher ein Tier adoptieren.”

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