Busfahrer lassen Muskeln spielen.

Die Transporteure der Touristen von und zum Flughafen drohen mit Streik am Wochenende der Regionalwahl. Kommt es nicht noch zu einer Einigung, droht ein Horrorszenario wie 2001. Damals mussten eine halbe Million Fluggäste Verspätungen von bis zu 24 Stunden hinnehmen. Das wollen selbst die Busfahrer nicht. So hoffen alle Beteiligten auf eine gütliche Einigung

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Auf Mallorca geht ein Schreckgespenst um: Mit der Streikankündigung der Fahrer der Touristenbusse steht der Insel möglicherweise ein heißes Pfingstwochenende bevor: Nicht nur, dass am Sonntag, 27. Mai, die balearischen Regionalwahlen stattfinden. Just für dieses Wochenende, das allgemein auch als erster Höhepunkt der touristischen Saison gilt, wollen die Busfahrer die Arbeit niederlegen, wenn es bis dahin nicht zu einer Einigung kommt.

Das bedeutet, dass Pauschaltouristen und Reisegruppen nicht wie gewohnt von und zum Flughafen, Hotel oder dem gebuchten Ausflugsziel befördert werden können. Aus den Erfahrungen früherer Streiks wissen alle Beteiligten, dass der Airport Palma wegen des hohen Passagieraufkommens innerhalb weniger Stunden im absoluten Chaos versinkt.

Beim jüngsten Streikwochenende Ende Juni 2001 mussten eine halbe Millionen Fluggäste am Airport Verspätungen von bis zu 24 Stunden hinnehmen. Die Menschen campierten auf Luftmatratzen in Wartehallen, Grünanlagen und auf Parkplätzen. Ankömmlinge ergatterten nach Stunden ein Taxi. Flugpläne in Europa gerieten durcheinander.

Angesichts der Horrorszenarien wollen selbst die Gewerkschaften es nur ungern zum Äußersten kommen lassen. „Wir hoffen auf die Vernunft aller Beteiligten. Wir wollen nicht, dass die Urlauber die Leidtragenden sind. Denn auch wir leben vom Tourismus”, sagte Gewerkschaftssprecher Juan Gallardo im Namen der drei Arbeitnehmerorganisationen UGT, CC.OO und SITB.

Offiziell haben die drei Gewerkschaften, die die Interessen der rund 2500 Beschäftigen im Busgewerbe vertreten, Streiks für Freitag und Samstag, 25. und 26. Mai, sowie für das erste Wochenende im Juni (1. bis 3. Juni) angekündigt. Allerdings steht an diesem Donnerstag, 10. Mai, eine Vermittlungsrunde im Arbeitsgericht an.

Gleichwohl haben sich die Balearen-Regierung und die Arbeitgeberseite besorgt über die Aussichten eines Arbeitskampfes geäußert. Ministerpräsident Jaume Matas (PP) erbot sich unverzüglich, zwischen den Tarifpartnern zu vermitteln. Er appellierte an beide Lager, verantwortungsbewusst zu handeln und Auswirkungen samt den Imageschäden im Ausland zu bedenken.

Der balearische Tourismusminister Jaume Flaquer kritisiert den Zeitpunkt des Arbeitskampfes. „Es ist nicht korrekt, die Regionalwahlen bei Tarifverhandlungen als Kampfmittel einzusetzen”, sagte Flaquer.

Gewerkschaftssprecher Gallardo sprach einen Bezug des Streiks zu den Wahlen ab. Die Arbeitnehmer hätten die Streiktermine bewusst so weit wie möglich vorgezogen, damit sie nicht mit dem hohen Reiseaufkommen im Juli und August kollidierten.

Gar nicht erfreut zeigte sich der Verband der Busunternehmer vom drohenden Streik. Ihr Sprecher Carlos Sedano warf den Gewerkschaften vor, die im Januar begonnenen Verhandlungen gezielt verschleppt zu haben, um dann pünktlich zu den Wahlen einen Streik auszurufen. Zunächst hätten sich die drei Einzelgewerkschaften untereinander nicht auf eine gemeinsame Position einigen können, so dass an die Adresse der Arbeitgeber unterschiedliche Forderungen gestellt wurden. Später, so Sedano, hätten die Arbeitnehmervertreter schließlich doch einen gemeinsamen Forderungskatalog aufgestellt, um ihn an einem Wochenende durchzuboxen. „Da waren wir dann nicht einverstanden.” Die Gewerkschaften fordern 5'7 Prozent Lohnerhöhungen (Inflationsausgleich plus drei Prozentpunkte), einen Arbeitstag von sieben Stunden, eine Erhöhung des Tagegeldes auf zwölf Euro sowie eine zweijährige Laufzeit des Tarifvertrages. Die Arbeitgeber – rund 70 Firmen mit einer Flotte von 1500 Bussen – haben vorerst Lohnsteigerungen in Höhe des Inflationsausgleichs angeboten.

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