Jahrestag des Terrors: „Das ist eine große Tragödie für die USA und die Welt”

Am 11. September 2001 hielt die Welt den Atem an. Fünf Jahre nach den verheerenden Attentaten erinnert MM daran, wie Mallorca die Tage des Terrors erlebte

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Am 11. September, 8.46 Uhr Ortszeit New York, erstarrte die Welt in Angst und Schrecken. Die Maschine des Flugs American Airlines AA11 schlug in den Nordturm des World Trade Centers (WTC) im Herzen von Manhatten ein. Zuerst dachte man an einen tragischen Unfall. 17 Minuten später war klar, dass es sich um einen der ausgeklügelsten Terroranschläge in der Geschichte der Menscheit gehandelt hatte. Denn um 9.03 Uhr flog ein zweites Flugzeug (United Airlines 175) in den Südturm des WTC. 9.37 Uhr stürzte sich ein weiteres Selbstmordkommando mit einem Passagierflugzeug auf das Pentagon. Ein vierter entführter Flieger erreichte sein Ziel nicht. Den Vereinigten Staaten von Amerika wurde unmissverständlich von Al Kaida der Krieg erklärt.

Fassungslos saßen viele hundert Millionen Menschen rund um den Globus vor den Fernsehapparaten. Die meisten konnten nicht glauben, was sie sahen. Aber dieses Mal war der Film blutige Realität. Knapp 3000 Menschen wurden von der Wucht der Explosionen in Stücke gerissen oder unter den Trümmern der einstürzenden Türme begraben. Einige sprangen vor den laufenden Kameras aus dem 90. Stock in den sicheren Tod.

Für die Welt wurde mit den Anschlägen eine neue Zeitrechnung eingeläutet: Vor oder nach dem 9/11.
Die beispiellosen Terroranschläge haben auch die Menschen auf Mallorca mit Abscheu, Empörung und Angst erfüllt. Die Medien kamen mit der Verbreitung der aktuellen Nachrichten auf der Insel kaum nach. Zeitungen druckten Sonderausgaben. Radio und Fernsehen berichteten ohne Unterbrechung. Manche Betriebe stellten ihre Arbeit ein. Die Mitarbeiter waren zu sehr beängstigt. Die Sorge um die Familie ging vor.

Auch die mallorquinischen Behörden waren nervös, die Stimmung gereizt. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden binnen Minuten drastisch verschärft. Vor der amerikanischen Vertretung in Palma zogen schwerbewaffnete Polizisten auf. Passanten gedachten mit Blumen der Opfer.

„Das ist eine große Tragödie für die USA und die Welt”, sagte der Konsularagent der Vereinigten Staaten auf Mallorca, „Tumy” Bestard, völlig fassungslos.

In einem Solidaritätstelegramm an die US-Botschaft in Madrid bezeichnete der damalige balearische Ministerpräsident, Francesc Antich, das Attentat als den „größten terroristischen Akt in der Geschichte”.

Unmittelbar nach den Attentaten sagte der mallorquinische Inselrat alle Feierlichkeiten anlässlich des Gedenktages „Diada de Mallorca”, der am 12. September zelebriert werden sollte, ab.

Am Donnerstag, 13. September, beteiligten sich 500 Menschen an einer Schweigekundgebung vor dem balearischen Regierungssitz.
Flugangst machte sich breit. Wer nicht dringend die Insel verlassen musste, blieb oder nahm das Schiff. Bis zu 20 Prozent weniger Passagiere wurden an dem ersten Wochenende nach den islamistisch gesteuerten Anschlägen auf Mallorcas Flughafen Son Sant Joan abgefertigt.

Wer flog, brauchte viel Geduld. Kaum eine Maschine, die pünktlich starten konnte. Lange Schlangen bildeten sich vor den Sicherheitsschleusen. Noch nie zuvor wurden die Passagiere so penibel gefilzt wie an diesem Wochenende. 141.000 Fluggäste mussten sich einem 150-prozentigen Check unterziehen und drei Sicherheitsabschnitte passieren, ehe die Maschine betreten werden durfte.

Jedes Hand-Gepäckstück wurde eindringlich auf das Mitführen spitzer oder gefährlicher Gegenstände durchleuchtet. „Wir waren angewiesen, auf Messer, Rasierklingen, Scheren und alles, was uns verdächtig erschien, zu achten”, sagte ein Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma, die mit der Verstärkung des Airportpersonals beauftragt worden war. Stichprobenartig wurden auch Ausweispapiere verlangt.

Anschließend wurde das Gepäck noch einmal manuell kontrolliert, bevor in der dritten Stufe Hunde nach versteckten Sprengstoffen schnüffelten. Auch kam kein Koffer in den Flugzeugbauch, der nicht mehrfach untersucht worden war.

Auf Mallorcas höchstem Berg herrschte Alarmbereitschaft. Der amerikanische Horchposten auf dem Puig Major überwacht den kompletten Mittelmeerraum. Im Falle eines amerikanischen Gegenschlags gegen Terroristen in Afghanistan oder dem Irak hätte die Station eine strategische Bedeutung in der Koordination der Angriffe gehabt.

Wenngleich auf Mallorca-Flügen keine sogenannten Luft-Marshalls zum Einsatz kamen, sind noch heute viele der damals eingeführten Kontrollen in Kraft und neue hinzugekommen.

Die Angst fliegt immer noch mit. Einen absoluten Schutz vor Terrorakten gibt es nicht, das haben die vielen Attentate nach dem 11. September 2001 bewiesen. Zuletzt am Montag in Jordanien. Daran wird sich auch mit noch so viele Kontrollen, Ausweisen mit biometrischen Daten und Rasterfahndung nichts ändern. Bürgerrechte und Antiterrorgesetze liegen weiter miteinander im Clinch.

Da wundert ein sich mehr und mehr breitmachender Fatalismus nicht. Manche brauchen für ihre persönliche Abgestumpftheit lediglich länger.

Während in Deutschland die Attentate von New York über Wochen den Alltag beeinflussten, gingen die Spanier schneller wieder zur Tagesordung über. Bereits einen Tag nach dem WTC-Schock flimmerten die üblichen Soaps und Corridas über die Bildschirme. Spanien ist den USA nur geografisch näher als Deutschland.

Erst als am 11. März 2004 in Madrider Vorortzügen 191 Menschen durch mehrere Bomben radikaler Islamisten zerfetzt worden waren, erwachte das Land endgültig. In einer noch niemals da gewesenen Solidaritätswelle sprach sich die Bevölkerung des Landes gegen den Terror aus. Auch Spanien wurde mit dem Massaker der Krieg erklärt, aber einen militärischer Gegenschlag hätten die Menschen hierzulande ihrer Regierung niemals verziehen, so groß die Wut und Trauer auch gewesen war.

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