Nicki Franz (21), BWL-Student aus Thüringen, macht derzeit an
der Playa de Palma Urlaub mit Bruder René Franz (14) und Freund
Steve Wächter (24). Er leitete die Fragerunde mit einem Kompliment
an die Insel ein: ,,Ich bin sehr überrascht von Mallorca, der
Schönheit außerhalb von El Arenal. Man hörte ja viel in den Medien.
Ich hatte kein gutes Bild von der Insel. Doch jetzt genieße ich den
Urlaub.”
Antich:,,Es ist eine Genugtuung, solche Worte zu hören. Man hat
manchmal den Eindruck, dass gerade junge Menschen wie Sie nur
herkommen, um sich zu amüsieren. Aber offensichtlich sehen sie auch
etwas anderes. Wir müssen uns alle bemühen, das echte Bild der
Insel zu vermitteln. Es gibt ja nicht nur die Küste, die für uns
äußerst wichtig ist. Mallorca ist für uns viel mehr: ein kleines
Universum. Ich will ihnen versichern, dass unsere Regierung alles
tun wird, um dieses Bild zu erhalten.”
Klaus Middelhoff (59) aus Freiburg, der Urlaub an der Playa de
Palma macht (auf Spanisch): ,,Ich komme schon seit zehn Jahren im
Sommer und zur Weihnachtszeit nach Mallorca. Ich muss sagen, der
Service und die Küche in meinem Hotel sind sehr gut. Es gibt dort
auch keine Radaubrüder.”
Antich (auf Catalán): ,,Die Hotelbranche hat in den letzten
Jahren mit Un– terstützung der öffentlichen Institutionen große
Anstrengungen unternommen, um die Hotels zu verbessern. Wir sind in
die richtige Richtung gegangen. Jetzt müssen wir sehen, dass wir
die Umwelt, die Landschaft schützen, und dass notfalls dort, wo die
Bebauung zu massiv ist, alte Hotels abgerissen und Grünzonen
geschaffen werden. Meine Regierung hat ganz klar das Ziel, dass auf
Mallorca sowohl die jungen Leute, die Amusement suchen, als auch
die Familien, die Ruhe suchen, den richtigen Platz finden können.
Bundeskanzler Schröder war ja vor kurzem hier. Er hat darauf
hingewiesen, dass die jungen Leute eines Tages als Familienväter
wiederkehren würden. Es ist wichtig, dass wir Besucher haben, die
zufrieden sind und die immer wieder kommen.”
Hilbert Werner (58), macht Urlaub in Son Vida: ,,Eine Sache, die
sehr störend wirkt, ist der Müll an den Straßen.”
Antich: ,,Der Müll ist eines unserer großen Probleme. Aber in
den letzten vier Jahren haben wir sehr große Anstrengungen
unternommen. Wir haben eine Müllverbrennungsanlage in Betrieb
genommen und in Deutschland viele solcher Anlagen besichtigt. Nicht
nur Verbrennungsanlagen, sondern auch Methoden der Trennung und
selektiven Abholung des Mülls. Wir sind dabei einen Plan zu
erstellen, der wahrscheinlich der modernste in ganz Spanien oder
sogar Europa sein wird. In Palma zum Beispiel ist ein System
installiert worden, das den Müll künftig per Luftdruck
transportiert. Durch die vielen Touristen haben wir sehr hohe
Spitzen mit einem sehr großen Müllanfall.”
MM: ,,Die Frage war, was gegen den Müll am Straßenrand getan
wird.”
Antich: ,,Es ist in der Tat so, dass es besonders schlimm ist,
wenn an den Straßen alte Kühlschränke entsorgt werden. Auch für
Sperrmüll wird ein Plan für die ganze Insel mit einem einzigen
Konzessionär erstellt. Schon jetzt gibt es vielerorts
Sammelstellen, an denen man verschiedene Müllsorten wie Sperrmüll,
Flaschen, Batterien und Papier, getrennt abgeben kann. Teilweise
sind Dienste wie die Abholung von Sperrmüll bereits vorhandenden,
aber sie werden von den Bürgern nicht in Anspruch genommen, weil
die Menschen sich der Notwendigkeit nicht bewusst sind."
Werner: ,,War Herr Schröder als Deutscher auch am Ballermann 6?"
(Gelächter)
Antich: ,,Sowohl der Bundeskanzler als auch ich sind mehr für
Familienurlaub und deshalb nicht am Ballermann 6."
Nicole Weich (30), macht Urlaub in Paguera: ,,Ich bin zum
fünften Mal hier und ich finde, es wird immer deutscher. In Paguera
werden wir nur auf Deutsch angesprochen. Ich frage mich, ob das
nicht auch für die Einwohner hier ein Ärgernis ist."
Antich: ,,Das ist eine wichtige Frage. Es wäre notwendig, dass
wir mehr dafür sorgen, dass unsere Besucher wissen, dass sie in ein
Land kommen, das nicht nur Sonne und Strand ist, sondern das auch
eine eigene Kultur und Sprache besitzt. Es geht darum, dass sich
die Touristen hier einerseits wohl fühlen, und dazu gehört auch,
dass wir sie in ihrer Sprache ansprechen. Aber wir wollen
andererseits unsere eigene Persönlichkeit aufrecht erhalten, damit
unser Land nicht verdorben wird. Die übergroße Mehrheit unserer
Bevölkerung ist sich bewusst, dass wir vom Tourismus leben. Wenn
eine kleine, radikale Minderheit sich anders ausdrückt, hat das mit
dem Empfinden der Mallorquiner nichts zu tun. Eine Sache ist
allerdings der Tourismus, eine andere sind die Residenten. Wer hier
leben will, soll unsere Kultur und Sprache kennen lernen und
respektieren. Dazu muss von den Institutionen der Insel eine große
Arbeit geleistet werden. Optimal wäre es, wenn die Leute bei der
Anmeldung im Rathaus eine Informationsbroschüre über unsere Sitten
und Gebräuche bekommen. Was wir auf gar keinen Fall wollen, ist
eine Ghettoisierung. Wir brauchen mehr Zusammenhalt in der
Gesellschaft."
Werner: ,,Das Problem auf Mallorca liegt aber auch daran, dass
der Tourist, egal ob Engländer, Deutscher oder Spanier, einer
sozialen Schicht angehört, die sich auch im Heimatland nicht
benehmen kann."
Christiane Gräfin Schwerin, die in Son Vida Urlaub macht: ,,Ich
würde gerne wissen, ob es ein echtes Problem mit der
Trinkwasserversorgung gibt."
Antich: ,,Momentan gibt es keine Probleme, weil die notwendigen
Investitionen getätigt worden sind. Es wurden vier Milliarden
Pesetas investiert, um Entsalzungsanlagen zu bauen, die schon in
Betrieb sind. Ab September wird hoffentlich in Madrid der
Nationalplan für die Wasserversorgung beschlossen. Danach kann man
die weiteren notwendigen Investitionen in Angriff nehmen. So soll
zum Beispiel das Wasser, das direkt aus einer Quelle ins Meer
fließt, nach Palma geleitet werden. Das erfordert hohe
Investitionen. Aber für diesen Sommer ist das Problem auf jeden
Fall gelöst."
Nicki Franz: ,,Ich finde, auf Mallorca sollte nicht alles
vermarktet und den Touristen zugänglich gemacht werden, damit der
Charakter der Insel nicht verloren geht."
Antich: ,,Die Stärkung unserer Sprache und Kultur ist nicht
gegen jemanden gerichtet, sondern zu unserer Verteidigung gedacht.
Wir müssen bedenken, dass auf 700.000 Einwohner jedes Jahr elf
Millionen Touristen kommen. Viele Menschen kommen zum Arbeiten und
Leben. Deshalb sind Anstrengungen notwendig, die Kultur und Sprache
zu schützen."
Nicki Franz: ,,Mir ist aufgefallen, dass es an den Landstraßen
zu wenige Haltebuchten gibt und dass das Halten wegen schmalen
Straßen gefährlich wirkt."
Alomar: ,,In der Tat gibt es in dieser Hinsicht noch einiges zu
tun. Die Entstehung des Tourismus auf Mallorca ist ja an Strand und
Sonne gebunden. Deswegen ist die Zugänglichkeit zu den schönen
Gegenden im Inselinneren vernachlässigt worden. Wir müssen etwas
machen, um das Inselinnere aufzuwerten.
René Franz: ,,Was mich stört, ist der Lärm durch die
Mopedfahrer."
Alomar: ,,Der Lärm überhaupt ist eines der größten Probleme in
den touristischen Zonen. Wir wollen eine Regelung ausarbeiten, die
für alle Gemeinden verbindlich ist und erreichen, dass man härter
durchgreift als bisher."
Volker Weich (28), macht Urlaub in Paguera: ,,Hat Mallorca jetzt
den Höhepunkt der Urlauberzahlen erreicht oder werden sie in den
nächsten Jahren weiter steigen? Und wie will man das dann noch
bewerkstelligen?"
Alomar: ,,In den letzten vier Jahren sind die Besucherzahlen von
sieben auf elf Millionen pro Jahr gestiegen. Wir sind der Meinung,
dass wir in den Sommermonaten die Spitze erreicht haben. Wir nehmen
an, dass die anderen Urlaubsziele im Mittelmeerraum sich wieder
normalisieren und dass die Spitze im Hochsommer abgeflacht wird,
was wir begrüßen würden. Auch unsere Hoteliers investieren in
anderen Ländern. Trotzdem wird Mallorca vor allem als Ziel für
Familienurlauber unersetzlich bleiben, weil Sie nirgendwo im
Mittelmeer ähnliche Bedingungen in Punkto Sicherheit, Sauberkeit
und schneller Erreichbarkeit vorfinden."
Gräfin Schwerin: ,,In Deutschland hat man das Negativimage im
Kopf, dass die Deutschen ganz Mallorca aufkaufen. Sind die
Mallorquiner gezwungen, Land zu verkaufen?”
Alomar: ,,Natürlich gibt es Immobilienmakler, die viel Geld
verdient haben in den letzten Jahren. Man muss aber bedenken, dass
in diesen Jahren in Europa überhaupt viel Schwarzgeld in Umlauf
war, das vor Einführung des Euro verschwinden musste. Andererseits
stehen die Balearen im Kreuzweg der Kulturen. Unsere Geschichte
zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Fähigkeit entwickelt haben,
neue Kulturen zu integrieren, ohne unsere eigene Persönlichkeit
aufzugeben. Wir glauben, dass wir das auch diesmal schaffen
werden.”
Nicki Franz: ,,Warum gibt es auf Mallorca denn so wenige
öffentliche Toiletten. Jedesmal, wenn ich mal muss, muss ich einen
Kaffee trinken gehen.”
Alomar: ,,Genau das müssen auch wir Mallorquiner tun. Früher
hatten alle spanischen Städte öffentliche Toiletten. Das ist eine
Tradition, die in den letzten 15 bis 20 Jahren mehr und mehr
verschwunden ist. Mein Problem ist, dass ich hohen Blutdruck habe
und keinen Kaffee trinken darf.” (lacht)
MM: ,,Uns würde zum Schluss noch interessieren, was Sie als
Urlauber von der Ökosteuer für Touristen halten, die die Regierung
einführen will.”
Werner: ,,Die Zahlung der Ökosteuer tut uns ja nicht wirklich
weh. Was ich ungerecht finde ist, dass Unterschiede gemacht werden
sollen und Gäste in Fünf-Sterne-Häusern mehr bezahlen müssen.”
Alomar: ,,Ich möchte betonen, wir brauchen die Ökosteuer nicht,
um die aktuellen Probleme wie Wasser–, Müll- und Energieversogung
zu lösen. Wir brauchen sie, um die Probleme zu lösen, die auch für
Sie Urlauber sehr wichtig sind – die Erhaltung und
Wiederherstellung der Landschaft. Ich persönlich bin dafür, dass
die Steuer für alle gleich ist. Unser Finanzminister aber nicht.
Das wird aber im Laufe der Parlamentsdebatte geklärt werden.”gen,
Land zu verkaufen?”
Alomar: ,,Natürlich gibt es Immobilienmakler, die viel Geld
verdient haben in den letzten Jahren. Man muss aber bedenken, dass
in diesen Jahren in Europa überhaupt viel Schwarzgeld in Umlauf
war, das vor Einführung des Euro verschwinden musste. Andererseits
stehen die Balearen im Kreuzweg der Kulturen. Unsere Geschichte
zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Fähigkeit entwickelt haben,
neue Kulturen zu integrieren, ohne unsere eigene Persönlichkeit
aufzugeben. Wir glauben, dass wir das auch diesmal schaffen
werden.”
Nicki Franz: ,,Warum gibt es auf Mallorca denn so wenige
öffentliche Toiletten. Jedesmal, wenn ich mal muss, muss ich einen
Kaffee trinken gehen.”
Alomar: ,,Genau das müssen auch wir Mallorquiner tun. Früher
hatten alle spanischen Städte öffentliche Toiletten. Das ist eine
Tradition, die in den letzten 15 bis 20 Jahren mehr und mehr
verschwunden ist. Mein Problem ist, dass ich hohen Blutdruck habe
und keinen Kaffee trinken darf.” (lacht)
MM: ,,Uns würde zum Schluss noch interessieren, was Sie als
Urlauber von der Ökosteuer für Touristen halten, die die Regierung
einführen will.”
Werner: ,,Die Zahlung der Ökosteuer tut uns ja nicht wirklich
weh. Was ich ungerecht finde ist, dass Unterschiede gemacht werden
sollen und Gäste in Fünf-Sterne-Häusern mehr bezahlen müssen.”
Alomar: ,,Ich möchte betonen, wir brauchen die Ökosteuer nicht,
um die aktuellen Probleme wie Wasser–, Müll- und Energieversogung
zu lösen. Wir brauchen sie, um die Probleme zu lösen, die auch für
Sie Urlauber sehr wichtig sind – die Erhaltung und
Wiederherstellung der Landschaft. Ich persönlich bin dafür, dass
die Steuer für alle gleich ist. Unser Finanzminister aber nicht.
Das wird aber im Laufe der Parlamentsdebatte geklärt werden.”
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