Al Di Meola: "Komponieren war mir immer wichtig"

| | Palma, Mallorca |
Al Di Meola: "Im Grunde meines Herzens bin ich ein frustrierter Percussionist."

Al Di Meola: "Im Grunde meines Herzens bin ich ein frustrierter Percussionist."

Al Di Meola: "Im Grunde meines Herzens bin ich ein frustrierter Percussionist."Al Di Meola tritt in Palma beim Jazz Voyeur Festival auf. Über Paco de Lucía sagt er: "Das Leben wäre für mich nicht dasselbe, w

Im MM-Interview sprach er über seine Musik und erzählte, warum Paco de Lucía bei der ersten Begegnung Gras rauchen musste.

Mallorca Magazin: Herr Di Meola, auf Mallorca werden Sie neben eigenen Stücken Musik von Astor Piazzolla sowie von John Lennon und Paul McCartney spielen. Was bedeutet Ihnen deren Musik?

Al Di Meola: Sie bedeutet mir viel. Wissen Sie, als ich jung war und begann, Gitarre zu spielen, erschienen gerade die Beatles auf der Bildfläche. Die 60er Jahre waren sehr inspirierend. Mit den Beatles und all der Explosion von Musik in London, New York und L.A. gab es ganz schön viel zu entdecken. Dann hatte ich vor etwa fünf Jahren die Gelegenheit, im Abbey Road Studio Songs der Beatles aufzunehmen. Das erwies sich als eines der befriedigendsten Projekte meiner Karriere.

MM: Und Piazzolla?

Di Meola: Piazzolla war für mich eine große Inspiration. Als ich ihn kennenlernte, veränderte das meine Einstellung zur Musik. Tatsächlich wurden wir in den 80ern ziemlich gute Freunde. Ich glaube, ich lernte ihn 1983 kennen. Er war damals schon ein Fan meiner Musik, aber ich kannte seine Musik nur vom Hörensagen. Deshalb schickte er mir viele seiner Noten, darunter die Tango-Suite, die er für mich geschrieben hatte. Er schrieb mir dann noch andere Stücke. Wir blieben in Kontakt und trafen uns immer, wenn der eine in der Stadt des anderen auftrat.

MM: Inwiefern veränderte Piazzolla Ihre Einstellung zur Musik?

Di Meola: Die Jazz- und Fusionmusik drehte sich immer mehr im Kreis. Piazzollas Musik hatte dagegen eine ganze Bandbreite von Gefühlen und Empfindsamkeiten und war zugleich komplex und harmonisch. Genau in diese Richtung wollte ich mehr gehen. Das ebnete mir den Weg zu dem Klang, den meine Kompositionen haben.

MM: Sie haben mal gesagt: "Jazz ist intellektuell, er zielt auf das Gehirn, aber rührt nicht das Herz." Sehen Sie das immer noch so?

Di Meola: Ich meinte damit die Überbetonung von Improvisation in manch anderer Fusionmusik, nicht unbedingt in meiner. Aber die Richtung, die das Genre Fusionjazz nahm, stimulierte mehr das Hirn als das Herz.

MM: Vor genau 40 Jahren kam Ihr Album "Elegant Gypsy" heraus, heute ein Klassiker des Fusionjazz. Was bedeutet Ihnen dieses Album?

Di Meola: Nun, es war das erste Album, bei dem ich wirklich merkte, dass ich mehr oder weniger meinen Sound gefunden hatte. Das war der Beweis für mich, dass ich ein Komponist bin. Bei meinem ersten Solo-Album "Land of the Midnight Sun" sah ich noch, dass ich tatsächlich Stücke schreiben konnte. Aber bei "Elegant Gypsy" war ich selbstsicherer. Und die Aufnahme mit Paco de Lucía ("Mediterranean Sundance", d. Red) wurde eines der beiden großen Radiostücke. "Elegant Gypsy" war wohl meine berühmteste Platte, in einer Zeit, in der die Schallplattenindustrie noch florierte.

MM: Hat Sie der Erfolg dieses Albums überrascht?

Di Meola: Auf der einen Seite war ich überrascht, weil ich noch ziemlich jung war. Aber nachdem ich bei "Return To For-ever" (Jazz-Rock-Gruppe um Chick Corea, d. Red.) mitmachte, die mein Sprungbrett war, hatte ich alle Mittel. Ich musste dann nur noch herausfinden, ob ich wirklich die Fähigkeit hatte, Musik zu komponieren. Das ist etwas ganz anderes, als ein bekannter oder technisch versierter Gitarrist zu sein. Und als ich entdeckte, dass ich auch komponieren kann, war das die eigentliche Überraschung.

MM: Was überraschte Sie daran?

Di Meola: Diese Fähigkeit ist noch wichtiger als die Tatsache, Gitarre spielen zu können. Wissen Sie, großartige Gitarristen gibt es heute fast wie Sand am Meer, aber nicht alle von ihnen können auch komponieren. Und ich denke, dass sich meine Kompositionen seit den alten "Elegant Gypsy"-Tagen weiterentwickelt haben, weil ich immer inspiriert war. Sonst stünde ich immer noch an derselben Stelle. Aber ich habe inzwischen 30 Alben veröffentlicht.

MM: Trotz all dieser Alben werden Sie immer wieder auf "Elegant Gypsy" angesprochen. Stört Sie das?

Di Meola: Nein, das ist eher ein Kompliment. In einem Interview mit Paul McCartney würde man ja auch nicht über die Wings sprechen (Gruppe von Paul McCartney nach den Beatles, bis 1981, d. Red.) sondern über "Sgt. Pepper's" (Kult-Album der Beatles, eines der ersten Konzeptalben der Popmusik, d. Red.).

MM: Wie haben Sie eigentlich Paco de Lucía kennengelernt?

Di Meola: 1974 war ich mit Chick Corea und Return To Forever auf Tournee. Als wir nach Spanien kamen, wurde viel über einen neuen Flamenco-Gitarristen gesprochen. Er war der Hit, und das interessierte mich sehr. Deshalb ging ich in Madrid ins Kaufhaus El Corte Inglés und kaufte verschiedene seiner Platten. Als ich sie dann zu Hause hörte, hat mich dieser Sound und seine Technik förmlich durchbohrt. Er übertraf weit alle Flamenco-Spieler, die ich zuvor gehört hatte. Und in seiner Art zu spielen war etwas, das in mir den Gedanken erweckte, dass wir etwas zusammen machen könnten. Das geschah dann mit "Elegant Gypsy". Der Rest ist Geschichte.

MM: Sprach er denn englisch?

Di Meola: Nein, meine Plattenfirma rief seine Plattenfirma an. Und weil ich damals in den Staaten ziemlich populär war und er in Spanien, fanden sie, das sei eine gute Gelegenheit, Paco einem größeren Publikum außerhalb Spaniens bekannt zu machen. Sie flogen ihn nach New York rüber, und glücklicherweise hatte er einen Freund dabei, der spanisch und englisch sprach und übersetzte.

MM: Wie war das erste Treffen?

Di Meola: Am ersten Tag war Paco so nervös, dass er nichts hinbekam, er traute sich nicht, etwas anderes als seine Flamenco-Musik zu spielen. Deshalb hatte er die Idee, etwas Gras zu rauchen, um sich zu beruhigen. Das haben wir ihm besorgt. Am zweiten Tag rauchte er etwas, und die erste Aufnahme war total zauberhaft. Dieses Stück ("Mediterranean Sundance", d. Red.) ist auf der Platte "Elegant Gypsy".

MM: Warum griffen Sie in den 80ern und 90ern vornehmlich zur Akustik-Gitarre und wandten sich der World- und Latinmusic zu?

Di Meola: Schon bevor ich zu Return To Forever kam, ging ich in New York viel in Latin-Clubs. Ich war ein großer Fan von Salsa-Musik. Im Grunde meines Herzens bin ein frustrierter Percussionist. Tatsächlich spiele ich auf meinen Alben viel Percussion und sogar die Musik, die ich schreibe, ist in erster Linie sehr rhythmisch. Und ich glaube, das ist das vorrangige Element. Der Rhythmus ist das, was das Publikum erfasst. Und Paco hatte im Flamenco eine große Sensibilität dafür. Ich glaube, wir haben da sehr gut einer vom anderen abgeguckt. Das war eine großartige Verbindung. Das Leben wäre für mich nicht dasselbe, wenn wir uns nicht begegnet wären.

MM: Wie war es für Sie, als Sie auch wieder die E-Gitarre in die Hand nahmen?

Di Meola: Es klang sehr angenehm, wie nach Hause zu kommen. Ich schreckte lange davor zurück, weil es eine starke Akustikpräsenz vor allem aus Europa gab. Aber die tiefer gehende, in gewissem Sinne sogar esoterischere Musik - da kann man meiner Meinung nach weit mehr mit akustischer Musik machen. Aber bei meiner neuen Platte habe ich wieder beide gemacht, halb elektrisch, halb akustisch.

MM: Und auf Mallorca?

Di Meola: Da werde ich hauptsächlich akustische Gitarre spielen.

MM: Mit Band?

Di Meola: Ich werde mit Duo auftreten.

MM: Früher galten Sie als einer der schnellsten, wenn nicht als der schnellste Gitarrist der Welt. Ärgert Sie die Reduzierung auf die Geschwindigkeit?

Di Meola: Naja, die Technik war ein sehr wichtiger Aspekt der frühen Jazzfusion. Die Musik erforderte das. Und damals gab es eben wenige Typen, die diese Fähigkeit hatten. Heute haben viele Gitarristen eine gute Artikulation. Aber eigentlich war mir immer das Komponieren wichtig und dass die Leute ihr Augenmerk darauf richten.

MM: Was wäre für Sie das Leben ohne Gitarre?

Di Meola: Ohne Gitarre wäre das Leben der Grund, warum ich mehr meditieren oder zum Psychologen gehen müsste. Denn das Leben mit Gitarre führt mich völlig weg von den äußeren Themen und Problemen, die es im Leben geben kann.

Die Fragen stellte Martin Breuninger

ZUR PERSON: AL DI MEOLA

Al Di Meola zählt seit Mitte der 70er zu den bekanntesten und beliebtesten Jazz- und Fusion-Gitarristen. Geboren 1954 in Jersey City, New Jersey, holte ihn der Pianist Chick Corea 1974 in seine Band Return To Forever. 1976 startete er eine erfolgreiche Solo-Karriere mit bis heute 30 Alben, darunter der Millionen-Seller "Friday Night in San Francisco" mit Paco de Lucía und John McLaughlin. Seine Bandbreite reicht von Jazz bis Worldmusic. Er arbeitete mit so unterschiedlichen Musikern wie Luciano Pavarotti, Frank Zappa, Paul Simon und Santana.

Al Di Meola tritt am Mittwoch, 15. November, ab 21 Uhr im Trui Teatre in Palma auf.

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