Der "edle Wilde" im Auditorium

Spanisches Musical gastiert in Palma

| Auditorium de Palma de Mallorca |
Der "wilde" Tarzan verliebt sich in Jane, die Tochter eines Forschers.

Der "wilde" Tarzan verliebt sich in Jane, die Tochter eines Forschers.

Der Herr des Dschungels kommt nach Mallorca. Zweieinhalb Monate lang wurde das Musical Tarzan in Madrid gespielt. Jetzt geht es auf Tournee, und seine erste Station heißt Palma de Mallorca. Am Samstag, 31. Januar, und am Sonntag, 1. Februar, wird es im Auditorium aufgeführt.

"Tarzan. El músical" hat nichts mit dem Disney-Musical Tarzan zu tun, das 2006 am Broadway aufgeführt wurde. Vielmehr handelt es sich um eine rein spanische Produktion mit ausschließlich spanischen Darstellern. Die Regie führt Ricard Reguant. Für das Musical "Chicago" erhielt der Katalane mit dem Premio Max Spaniens bedeutendsten Preis für darstellende Künste, und seine Musical-Inszenierung von Grease sahen landesweit mehr als eineinhalb Millionen Menschen.

Für die Musik - am Broadway erklang Musik von Phil Collins - zeichnet der Schauspieler, Texter und Komponist Ferrán González verantwortlich. Für sein Musical "Pegados" wurde er gar mit zwei Premios Max ausgezeichnet.

Auch die Handlung unterscheidet sich von der Disney-Version. Der Schauspieler Fedor de Pablos spielt den Multimillionär Tobey Carlton. Der überredet den Wissenschaftler Joseph Bishop, dargestellt von dem argentinischen Musical-Veteran Raúl Cassinero, ihn in den Urwald nach Afrika zu begleiten, um dort einen bedeutenden Elefantenfriedhof zu finden. Tatsächlich will er sich jedoch eines Schatzes bemächtigen, der auf dem Friedhof versteckt ist. Überall lauern Gefahren, aber ein geheimnisvoller Schatten mit wilden Schreien, hält seine schützende Hand über sie.

Bei diesem Schatten handelt es sich um Tarzan in Person des Sängers und Schauspielers Mikel Hennet. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Zuhause, den Urwald, vor Zerstörung und Ausplünderung zu bewahren. Dabei trifft er auf Jane, die Tochter des Wissenschaftlers, gespielt von der Tänzerin und Schauspielerin Marta Arteta. Der Sohn des Urwalds, der von Affen aufgezogen wurde und nie eine Frau kennen gelernt hat, schon gar nicht eine wie Jane, verliebt sich rettungslos in sie.

Unterstützt von der Tänzerin, Clownin und Musicaldarstellerin Tamara Agudo in der Rolle der Äffin Chita, findet er den Weg zu seiner Geliebten, legt dem durchtriebenen Carlton das Handwerk und erreicht, dass sich alle Tiere zusammentun, um den Urwald zu retten.

Nicht nur die Handlung unterscheidet sich von der des Broadway-Musicals. Das spanische Pedant, das obendrein auf akrobatische Luftnummern verzichtet, setzt auf Humor und Spaß, will ein Stück für Kinder wie Erwachsene sein. Das Konzept ist offenbar besser aufgegangen als am Broadway. Während die Zeitung "Newsday" das Musical in den USA als Touristenfalle bezeichnete und die "Washington Post" "Du Tarzan, ich gucken Uhr" schrieb, zeigten sich Publikum wie Kritiker in Madrid begeistert, bezeichneten die Aufführung als "meisterhaft" und "exquisit".

Wer ist Tarzan?

Tarzan ist eine Romanfigur des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Rice Borroughs (1875-1950). Er ist von Geburt adlig, sein richtiger Namen ist John Clayton III., Lord Greystoke. Nach einer Meuterei werden sein Vater und seine zu dieser Zeit noch schwangere Mutter im afrikanischen Urwald ausgesetzt. Seine Mutter stirbt, als er ein Jahr alt ist, sein Vater wird von einer Affenbande getötet. Der Junge wird von Affen aufgezogen. Tar-zan bedeutet "Weiße Haut" und ist ein Wort der von Borroughs erfundenen Affensprache Mangani.

Können Affen sprechen?

Nein, ihre Sprachorgane sind nicht dafür geschaffen, Worte zu formen. Allerdings haben Affen Kommunikationsmittel entwickelt, die gesprochener Sprache ähnlich sind. Und sie können die menschliche Sprache offenbar bis zu einem gewissen Grad verstehen.

Wie originell ist die Figur von Tarzan?

Tarzan vereint in sich die Figuren des "Wolfskindes" und des "edlen Wilden". Die Idee des "Wolfskindes" reicht bis in die Antike zurück. So wurden die sagenhaften Gründer von Rom, Romulus und Remus, von einer Wölfin aufgezogen. Ein weiteres berühmtes "Wolfskind" ist Mogli, der Protagonist aus dem "Dschungelbuch", das Ende des 19. Jahrhunderts von dem Briten Rudyard Kippling geschrieben wurde. Das Bild des unverdorbenen, guten Naturmenschen vertrat schon im 16. Jahrhundert der spanische Edelmann Alonso de Ercilla y Zúñiga, und Karl May schuf 1893 die Figur des edlen Apachen-Häuptlings Winnetou.

Wurden tatsächlich Menschen von Tieren aufgezogen?

Über die Jahrhunderte hinweg gab es immer wieder derartige Berichte. Die meisten erweisen sich als falsch oder waren nicht belegbar. Aus Indien wurde 1920 der Fall der etwa achtjährigen Kamala bekannt, die zusammen mit ihrer 18 Monate alten Schwester Amala einem Wolfsrudel entrissen und in ein Waisenhaus gebracht wurde. Die einzige Aufzeichnung über sie stammt von dem Leiter des Waisenhauses. Angeblich besaßen sie einen übermenschlichen Geruchs- und Hörsinn. Amala starb bereits ein Jahr später, Kamala, die nur wenige Worte sprechen lernte, neun Jahre nach ihrer Entdeckung.

Wissenschaftler halten es für höchst unwahrscheinlich, dass ein Baby von Wölfen ernährt werden kann. Vermutlich inspiriert von diesem Fall, zog der amerikanische Psychologe Winthropp Kellog 1931 seinen zehn Monate alten Sohn Donald und die sieben Monate alte Schimpansin Gua gemeinsam und mit gleicher Behandlung auf. Gua entwickelte sich schneller, war das gehorsamere "Kind" sowie die Anführerin der beiden. Donald dagegen war der bessere Imitator, konnte aber mit 19 Monaten erst drei Worte sprechen. Deshalb wurde das Experiment abgebrochen.

Woher kommt der Tarzanschrei?

Der Schrei ertönt erstmals 1932 im Film "Tarzan the Ape Man". Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller behauptete stets, ihn selbst erzeugt zu haben. Andere schreiben den Ruf dem Opernsänger Lloyd Thomas Leech zu oder den Stimmen eines Tenors, eines Baritons und eines seine Tiere rufenden Schweinehirten.

Einem amerikanischen Kolumnisten zufolge handelt es sich um den Zusammenschnitt vom Knurren eines Hundes, dem Heulen einer Hyäne, dem Triller einer Sopranistin und dem hohen Ton einer Violine. Und schließlich gibt es noch die Hypothese, dass der Schrei in Wirklichkeit ein schnell und rückwärts abgespielter Alpenjodler sei.

Die Infos zum Musical in Palma finden Sie hier.

(aus MM 5/2015)

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