Ausflug nach Palma: Rainhard Fendrich während des MM-Interviews. | Foto: Patricia Lozano

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Mallorca Magazin:  Sie geben am 12. September ein Benefizkonzert in Cala Rajada. In den vergangenen Jahren haben Sie bereits vier Mallorca-Auftritte für wohltätige Zwecke gemacht. Warum ist diesmal die "Banco de Comida" Nutznießer?

Rainhard Fendrich: Auch auf so einer Sonneninsel wie Mallorca, wo viele die schönste Zeit des Jahres verbringen, gibt es Menschen, die durch die Wirtschaftskrise in eine unerwartete Armut geraten sind. Das geht oft ganz schnell. Zum Beispiel, weil Hotels nicht mehr die nötigen sechs Monate offen haben, damit die Mitarbeiter dann Arbeitslosengeld beantragen können. Es gibt viele kinderreiche Familien, die ganz einfach nicht genug zum Essen haben. Wir hatten zunächst die Überlegung für Schulbücher zu spielen, aber die werden oft von den Älteren weitergegeben. Es geht in vielen Fällen wirklich ganz konkret um Grundnahrungsmittel.

MM:  Was macht die "Banco de Comida" denn genau?

Fendrich: Sie versorgt bedürftige Familien mit Nahrungsmitteln. Mit dem Geld, das wir einspielen, werden Nahrungsmittel gekauft, die sozial schwachen Menschen in der Gemeinde Capdepera zugute kommen.

MM:  Fließen denn die kompletten Einnahmen dem guten Zweck zu, oder werden davon erstmal Kosten abgedeckt?

Fendrich: Nein, wir haben keine Kosten. Meine Musiker sind sowieso auf der Insel, weil wir hier für die bevorstehende Tournee proben, sie spielen umsonst. Das Equipment bekommen wir gratis, das Veranstaltungszentrum Cap Vermell wird uns von der Gemeinde Capdepera ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Plattenfirma hat uns 100 Exemplare meiner neuen CD geschenkt, die wir verkaufen werden. Ich denke schon, dass da ein paar Tausend Euro zusammenkommen. Zumal der Kartenverkauf in den ersten Tagen bereits sehr gut angelaufen ist.

MM:  Mit wie vielen Gästen rechnen Sie?

Fendrich: In das Theater passen 350 Zuschauer. Ich hoffe und glaube, dass es voll wird.

MM:  Haben Sie bei einem Ihrer Mallorca-Aufenthalte schon mal ein ganz persönliches Erlebnis gehabt, bei dem Sie merken konnten, dass die Krise hart zuschlägt?

Fendrich: Ich habe mal in einem Supermarkt eine Mutter mit vier Kindern beobachtet. Die Kinder haben sich Süßigkeiten genommen und die Mutter hat diese wieder zurückgelegt mit den Worten "Das können wir uns nicht leisten". So viel Spanisch habe ich noch verstanden. Das war etwas, das mich sehr irritiert hat. Es herrscht teilweise auch hier richtige Armut.

MM:  Ihnen geht es also nicht nur ums Spendensammeln, Sie wollen auch auf die Thematik aufmerksam machen, oder?

Fendrich: Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Menschen zu helfen. Dazu muss man nicht singen. Das ist halt nun mal mein Beruf. Es passiert ja auch schon einiges. Aber Sie haben recht, ich will auch erreichen, dass die Leute darüber nachdenken, dass es sowas gibt auf dieser Insel. Vor allem sollten diejenigen Leute das realisieren, die wohlhabend sind und sich hier einen zweiten Wohnsitz leisten können. Die haben auch eine gewisse soziale Verantwortung.

MM:  Sie genießen ja einen "Promi-Status". Stehen Prominente besonders in der Pflicht, sich sozial zu engagieren?

Fendrich: "Promi-Status" ist ein furchtbares Wort. Man ist halt bekannt. Und Prominente sind meistens prominent, weil sie erfolgreich sind. Allein schon deshalb ist es mir wichtig, dass man Danke sagt und ein Zeichen setzt, um auch bedürftigeren Menschen zu helfen. Das hat mit Promi nichts zu tun. Ich habe in meinem Leben als Künstler mehr erreicht, als ich das jemals zu hoffen gewagt hätte, damals, als ich das erste Mal eine Gitarre in der Hand hatte. Dafür bin ich dankbar.

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MM:  Was für ein Programm können Ihre Gäste erwarten?

Fendrich: Wir spielen in unserer kleinen Besetzung. Ich Gitarre und Gesang, dann eine weitere Gitarre und Piano. Es wird die Premiere unseres neuen Programms werden, das auf der aktuellen CD "Besser wird's nicht" basiert und mit dem wir danach bis zum Ende des Jahres auf Tournee sind.

MM:  Gibt es denn auch Fendrich-Klassiker wie "Es lebe der Sport", "Strada del Sole", "Blond" oder "Macho, Macho"?

Fendrich: Natürlich spielen wir auch die alten Hits, die das Publikum hören will. Die Lieder haben mich das Leben lang begleitet und werden es weiter tun. Und sie haben mir Glück gebracht.

MM:  Sie sprachen bereits Ihr neues Album an. Wie ist denn "Fendrich 2013"?

Fendrich: Die Themen reichen von Werbung bis hin zu häuslicher Gewalt. Oder zu den vielen Formen der Freiheit. Durchaus auch unangenehme Themen. Meine Lieder sind, wenn man so will, erwachsener geworden. Ich habe eine Zukunftsperspektive, die ich meinen Kindern gerne schaffen will, nämlich angstfrei zu leben.

MM:  Ihr jüngster Sohn wurde im März 2010 geboren. Von dessen Mutter Ina leben Sie schon längere Zeit getrennt, was bis vor zwei Monaten ein Geheimnis war ...

Fendrich: Ich würde das nicht Geheimnis nennen, sondern Privatleben. Aber Ina und ich streiten uns nicht. Ich versuche, meinen Vaterpflichten nachzukommen.

MM:  Ihr Lebensmittelpunkt ist ja in der Nähe von Wien, die Finca bei Artà Ihr zweites Zuhause. Wie oft sind Sie eigentlich auf Mallorca?

Fendrich: Relativ regelmäßig. Oft auch nur für ein paar Tage. Natürlich setzt sich mein Freundeskreis zu einem großen Teil aus Deutschen und Österreichern zusammen. Es kommen aber auch immer mehr Mallorquiner hinzu. Und ich glaube, dass die George Sand nicht recht gehabt hat, was die alles nicht können. Ich finde die Mallorquiner sind gastfreundlich und temperamentvoll. Man kann mit ihnen feiern und sie sind sehr verlässlich.

Mit Rainhard Fendrich sprach MM-RedakteurNils Müller.

 

INFO

Termin für das Benefizkonzert von Rainhard Fendrich und seinen Musikern ist Donnerstag, 12. September. Los geht es um 21 Uhr. Ort des Geschehens: das Veranstaltungszentrum "Auditori Centre Cap Vermell" in Cala Rajada. Im dort ansässigen Tourismusbüro (Tel. 971- 819467) kann man auch Tickets für den Event kaufen. Karten bekommt man auch in der Bar "Casa Nova" an der Hafenpromenade von Cala Rajada. Es gibt drei Preiskategorien: 25, 30 und 35 Euro. Das Geld geht ohne Abzüge an die "Banco de Comida" der Gemeinde Capdepera.