Osterprozession: Buße tun vor ernstem Publikum

| Mallorca |
Die geschmückte Marienfigur wird von zahlreichen Büßen begleitet und auch getragen.

Die geschmückte Marienfigur wird von zahlreichen Büßen begleitet und auch getragen.

Foto: Teresa Ayuga

Die stumpfen Trommelschläge und monotonen Marschrhythmen sind bereits zu hören, bevor der Umzug zu sehen ist. Wer sich in der Osterzeit auf Mallorca aufhält, sollte eine der zahlreichen Prozessionen und Passionsspiele anschauen. Menschen in Kutten mit Spitzhüten, geschmückte Wagen und überlebensgroße Figuren der Maria und Jesu Christi ziehen dann durch die Straßen. Doch das ist nicht alles, was es rund um die „Semana Santa” auf Mallorca zu wissen gibt.

Welche Feiertage gelten Ostern auf Mallorca?

Feiertage sind inselweit Gründonnerstag, 29. März; Karfreitag, 30. März und Ostermontag, 2. April. Gründonnerstag ist verkaufsoffen. In Montuïri, Campanet und Llubí wird am Dienstag noch ein lokaler freier Tag angehängt.

Wer organisiert die Osterprozessionen?

Die „Procesiones” werden von Bruderschaften, den sogenannten „Cofradías”, jedes Jahr aufs Neue gestaltet. Sie nennen sich Nazarener oder Büßer. Mitmachen kann eigentlich jeder, Frauen sind seit den 1980er Jahren zugelassen. Im Vorfeld stehen Proben, damit beim Tragen der oft tonnenschweren Wagen, Bahren und Figuren nichts schiefgeht, sowie das Schmücken der „Pasos”.

Wie viele Prozessionen gibt es?

Die Zahl der Osterprozessionen in Palma wird in dieser Karwoche mehr als halbiert, teilte der Verband der Bruderschaften mit. Grund sind weniger Zuschauer und Beschwerden der Anwohner wegen der Straßensperrungen. Im vergangenen Jahr waren in der Balearen-Hauptstadt noch 17 Prozessionen angemeldet gewesen. Nun werden zwischen Freitag, 23. März, und Karfreitag, 29. März, neun Prozessionen durchs Zentrum ziehen. Erhalten bleiben jedoch die ältesten und traditionsreichsten „Procesiones”. Hinzukommen noch zahlreiche Veranstaltungen in den Dörfern Mallorcas.

Welche ist die wichtigste Prozession in Palma?

Gemessen an der Zahl der Teilnehmer und der Verehrung der Heiligenfigur ist die Prozession des „Sant Crist de La Sang” (Vom Heiligen Blut Christi) am Gründonnerstag in Palma der bedeutendste Umzug. An der Prozession nehmen 33 Bruderschaften mit insgesamt rund 4000 Büßern und Musikern teil. Den Abschluss bildet die Figur des Crist de La Sang der Bruderschaft „Cofraria de la Preciosíssima Sang de Nostre Senyor Jesucrist”. Seit 1564 verlässt die Christusfigur am Abend des Gründonnerstag die Kapelle der Kirche de la Anunciación de Nuestra Señora (Iglesia de la Sangre) und wird durch die Straßen getragen.

Warum werden die Umzüge abgehalten?

1552 wurde der Kult auf Mallorca heimisch. Damals peitschten sich die Büßer auf ihrem Weg noch den Rücken blutig, um so die Qualen Jesu Christi nachzuempfinden. Denn genau darum geht es: Buße zu tun für die Fehler, die man begangen hat. Die Bruderschaften sammelten zudem Almosen, sie wurden an Bedürftige verteilt und dienten der Erhaltung von Krankenhäusern und Kapellen.

Müssen Zuschauer etwas beachten?

Die Prozessionen sind keine Dorffeste. Anders als bei den Patronatsfeierlichkeiten, die ebenfalls religiöse Ursprünge haben, auf denen aber Partystimmung im Vordergrund steht, sollten Besucher der Osterprozessionen lautes Lachen und Schreien vermeiden. Einige Prozessionen finden gar ohne musikalische Begleitung statt.

Was bedeuten die Spitzhüte?

Hartnäckig hält sich der Vergleich der „Cucurullas” mit den Kopfbedeckungen des rassistischen Ku-Klux-Klans. Der Brauch stammt aus Zeiten der Inquisition und wurde von den Bruderschaften übernommen. Damals mussten verurteilte Ketzer Büßerhemden und einen Spitzhut tragen, um sich als Sünder kenntlich zu machen. Die Cofradías verstecken die Gesichter hinter einem Stoffvorhang mit Augenschlitzen. Dadurch können sie Buße tun, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen.

Warum laufen in Schwarz gekleidete Frauen bei den Prozessionen mit?

Die gänzlich in Schwarz gehüllten Frauen werden „Endolades” oder „Ploradores” genannt. Erstere verarbeiten einen Trauerfall, Letztere weinen für die Schmerzen und Sünden der Menschen im Allgemeinen. Manchmal sind sie auch nur ein theatralisches Element, um den Umzug spektakulärer zu machen.

Warum fangen Kinder das Kerzenwachs auf?

Die Ministranten streichen das Wachs von den langen Kerzen der Büßer und formen es zu Kugeln, damit es nicht auf die Straße tropft. Das gelingt leider nicht immer, deshalb quietschen in der Zeit nach Ostern die Autoreifen in den Gassen der Altstadt – solange eben, bis das Wachs abgefahren wurde.

Was ist ein Davallament?

Dabei handelt es sich um ein Passionsspiel. „S’Endavallament” bedeutet das Absteigen, in Anlehnung an Christi Abstieg vom Kreuz. Dabei spielen Gruppen die Leidensgeschichte Jesu nach. Die Tradition geht bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Besonders bekannt sind die Spiele in Palma, Artà, Pollença und Felanitx. In Pollença beispielsweise wird am Karfreitagabend die Christusfigur der Kirche auf dem Kalvarienberg vom Kreuz genommen, auf eine Bahre gelegt und die 365 Stufen hinunter zur Pfarrkirche Nostra Senyora dels Àngels getragen.

Gibt es typische Speisen, die Ostern auf Mallorca verzehrt werden?

In der Semana Santa wird auf Mallorca Lamm gegessen. „Frit de Pascua” macht den ersten Teil des Menüs aus, es ist eine Art Eintopf mit Innereien vom Lamm im Tontopf zubereitet. Weiter geht es auf dem Speiseplan mit den Teigtaschen Empanadas, diese werden mit Lammfleisch und Erbsen gefüllt. Als Dessert kommen mit „Engelshaar” (Kürbiskonfitüre) gefüllte Teigtaschen (Rubiols) und die Plätzchen Crespells auf den Tisch. Kinder bekommen von ihren Patenonkeln und -tanten am Ostersonntag Leckereien geschenkt: die sogenannten „Monas de Pascua”, fantasievolle Figuren aus Schokolade.

Haben die Marivent-Gärten in der Osterzeit geöffnet?

Nein. Traditionell hält sich die Königsfamilie Ostern im Marivent-Palast auf, meistens weilt Altkönigin Sofía mehrere Tage auf der Insel. Die Palastgärten sind deshalb in dieser Zeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, sie sind bis zum 4. April geschlossen.

Wo und wann ist die Königsfamilie zu sehen?

Traditionell besucht König Felipe mit Frau Letizia, Mutter Sofía und seinen beiden Töchtern die Mittagsmesse am Ostersonntag in der Kathedrale zu Palma. Andere Mitglieder der Familie blieben seit Jahren der Messe fern.

Darüber hinaus ist Altkönigin Sofía Schirmherrin eines Benefizkonzertes in der Kathedrale. Das Sinfonieorchester der Balearen spielt dabei am Montag, 26. März, das Requiem von Guiseppe Verdi.

Kommentar

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Petra / Vor 1 Monat

Lammfleisch Essen , Töten der Tiere sich den Bauch voll schlagen und Dank des Glaubens Buse tun das entschuldigt alles ,

annen anne Nerede / Vor 1 Monat

Auch wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Hasenfest. Möge der auch in diesem Jahre wiederauferstande Hase mit Ihnen sein.