Internationale Mallorca-Hilfe mit Herz

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Der frühere Pater Jaume Santandreu setzt in Can Gazà auf Hilfe zur Selbsthilfe.

Der frühere Pater Jaume Santandreu setzt in Can Gazà auf Hilfe zur Selbsthilfe.

Foto: P. Lozano
Der frühere Pater Jaume Santandreu setzt in Can Gazà auf Hilfe zur Selbsthilfe.Michaela Lange, Israel Rodríguez und Katja Maier sind die Gründer von A.L.M.A. (Asociación de la mano que ayuda - Verein der helDer Club Elsa organisiert jedes Jahr im November einen Charity-Basar in der Palma Arena.

Jeden Tag eine warme Mahlzeit, das ist auf Mallorca für manche Menschen keineswegs selbstverständlich. Rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt nach den langen Jahren der Wirtschaftskrise immer noch unter der Armutsgrenze. Diese Not zu lindern, ist das Ziel von Vereinen und Organisationen, in denen auch viele deutsche Residenten mitwirken.

Einige von ihnen gehören dem Lions Club Palma an und unterstützen die Arbeit des früheren Paters Jaume Santandreu und seiner Stiftung Can Gazà, die sich im Stadtteil Secar de la Real um Obdachlose und Marginalisierte kümmert. "Comida para todos" (Essen für alle), so der Name eines Hilfsprojekts, das von den Lebensmittelspenden eines bekannten deutschen Discounters getragen wird. Fahrer Marcos Pleite ist jeden Tag mit einem vom Lions Club angeschafften Kleinlastwagen unterwegs, um Ware einzusammeln, die noch genießbar ist, aber wegen kleiner Schönheitsfehler nicht mehr verkauft werden kann. "Im Urlaub werde ich von Mitgliedern vertreten. Einer der deutschen Lions setzt sich jedes Jahr eine Woche lang ans Steuer. Manchmal melden sich auch andere freiwillig, um mich auf der Tour zu begleiten", sagt der ehemalige Bauarbeiter, der durch die Anstellung den Weg aus der Arbeitslosigkeit gefunden hat und bereits seit fünf Jahren rund um die Insel kurvt.

Ziel seiner Touren sind Can Gazà, das Kloster La Real, das Kapuzinerkloster an der Plaça d'Espanya mit seiner Suppenküche sowie die Einrichtungen Zaqueo und "Mallorca sense fam" (Mallorca ohne Hunger) mit Verköstigungsangeboten für marginalisierte Menschen in der Altstadt.

In der Herberge Can Gazà hat man sich unterdessen vorgenommen, den 25 Schützlingen und täglich etwa 15 Gästen am Mittagstisch beim Weg zurück in ein normales Leben zu helfen. "Wir setzen nicht auf Alimentierung, sondern auf Eigenverantwortung. Hier bekommt jeder eine Aufgabe und hilft irgendwie mit", sagt Jaume Santandreu. Etwa wenn Marcos Pleite abends mit seinem Kleinlastwagen auf den Hof gefahren kommt, und die vielen Kisten aus den Supermarkt-Filialen abzuladen sind.

Dank der Sachspenden, die von Mitarbeitern in jeder Filiale von Hand aussortiert und ausgebucht werden müssen, liegen die Kosten für drei Mahlzeiten am Tag im Schnitt unter einem Euro. "Was wir damit einsparen, stecken wir in Beschäftigungsangebote, zum Beispiel eine Möbelrestaurationswerkstatt im Industriegebiet Can Valero", so Jaume Santandreu. Sozusagen eine Win-Win-Situation zwischen dem Lions Club, der beteiligten Supermarktkette und Can Gazà. Sie erlaubt es, den Ausgegrenzten eine kleine Bezahlung zukommen zu lassen und ein Stück Würde zurückzugeben.

Manchmal sind es aber auch akute Notsituationen, die Unterstützung erfordern. Eine Gruppe um Michaela Lange, Katja Maier und den Golfmanager Israel Rodríguez hat sich 2015 an der Ostküste in der Organisation ALMA zusammengetan, um einmal pro Woche Lebensmittel auszugeben. Rund 140 Familien profitieren von dem Programm, das auch aus EU-Lebensmittelbanken bestückt wird. "Vermittelt werden die Leute meist vom Sozialamt in Manacor. Manche kommen aber auch direkt. Heute hatte ich zum Beispiel eine junge Mutter, die nicht wusste, was sie ihrem Baby in den nächsten Tagen zu essen geben kann. Wenn kein Milchpulver im Lager vorhanden ist, gehen wir in solchen Fällen einkaufen. Geholfen wird nie mit Geld, sondern mit Sachspenden", sagt Michaela Lange. Darüber hinaus reichen die ALMA-Angebote von der Anschaffung von Schulbüchern bis hin zum Kauf von Rollstühlen oder Brillen, die sich manch ein Rentner nicht auf eigene Kosten leisten kann. "Ab zehn Euro Mitgliedsbeitrag im Monat kann man mitmachen", lädt Michaela Lange zum Kennenlernen ein. Freude gemacht hat ihr in diesem Advent übrigens ein Ex-Obdachloser aus Deutschland: Der junge Mann kam, um sich von der Helferin zu verabschieden. Er hat in Hannover einen Job gefunden und zieht mit seiner spanischen Freundin in die Heimat.

Freiwilliges deutsches Engagement gibt es auch in einigen anderen Organisationen auf Mallorca. "Unter unseren 225 Mitgliedern sind fünf deutsche Damen, deren Mitarbeit wir sehr schätzen", erklärt etwa Núria Sánchez vom Club Elsa. Der Verein ist insbesondere für seinen jährlichen Charity-Basar in der Palma-Arena bekannt.

(aus MM 52/2016)

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