Der Jäger vergessener Orte

| Mallorca |
Diese Aufnahme zeigt den Blick aus einem leerstehenden Bürogebäude auf die Kathedrale von Palma

Der Fotograf verrät nicht, wo sich der jeweilige Lost Place befindet. Manche seiner Aufnahmen lassen aber erahnen, wo sie entstanden sind, diese etwa zeigt den Blick aus einem leerstehenden Bürogebäude auf die Kathedrale von Palma.

Foto: Foto: Andreu Beltran
Diese Aufnahme zeigt den Blick aus einem leerstehenden Bürogebäude auf die Kathedrale von PalmaEin Blick für Details: Wie lange diese Flaschen in einer alten Brennerei schon liegen, wissen nur EingeweihteGrafikkünstler Andreu Beltran kennt die vergessenen Orte der Insel

Er gilt in der Szene als der beste Lost-Places-Fotograf der Insel: Andreu Beltran. 2007 begann er, leer stehende Gebäude zu fotografieren. "Ich war fünf Jahre lang der Einzige auf Mallorca, der solche Fotos gemacht hat", sagt der Grafikkünstler. Doch der 37-jährige Palmesaner hat sich – zumindest was die Aufnahmen von verlassenen Orten betrifft – zur Ruhe gesetzt.

"Ich bin ein Cineast und stehe auf Horrorfilme", erzählt er. Und in jedem Gruselstreifen komme ein verlassenes Haus, Fabrik oder Hotel vor. So entwickelte sich die Faszination für vergessene Orte. Jedes Wochenende war Andreu Beltran unterwegs, um Lost Places auf der ganzen Insel – ehemalige Theater, Militäranlagen, Verwaltungsgebäude und viele andere – zu erkunden. Die Aufnahmen, die er schoss, präsentiert er auf seinem Internet-Blog "Explorers Club Mallorca".

Denn die Fotografen solcher vergessener Orte bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone, Hausfriedensbruch steht dabei unter anderem zur Diskussion. "Ich hatte glücklicherweise nie Probleme", erzählt er. "Wenn ein Fabrikbesitzer sich nicht um sein Gebäude kümmert und es verfallen lässt, dann sollte er sich auch nicht darum scheren, wenn jemand davon Aufnahmen macht." Seine Vorgabe ist, dass er bei seinen Fotoshootings nichts verändert und vor allem nichts zerstört.

Höchstens einen Tag habe er sich in den Gebäude aufgehalten, um seine Fotos zu machen. Andere Fotografen würden auch in den Bauwerken übernachten, weil sie auf der Suche nach Übersinnlichem seien, den Kick suchen. "Ich glaube nicht an Geister, ich hatte eher Angst, dass der Fußboden einstürzt", scherzt er.

Seine Aufnahmen dokumentieren ein Stück Lokalgeschichte Mallorcas. "Sie zeigen die Vergangenheit der letzten 50 Jahre, die kaum aufgearbeitet wurde", erzählt er. Denn Lost Places seien Bauwerke der jüngeren Geschichte, die in Vergessenheit geraten sind, von der Landkarte verschwanden. "Ich interessiere mich für Kultur und Geschichte, beides verbinden Lost Places."

Mittlerweile hat der Grafikkünstler sich von der Fotografie vergessener Ort abgewendet, es sei ihm zu langweilig geworden. "Lost Places sind zu stark in Mode gekommen", lautet sein Eindruck, "die Leute suchen die Ästhetik dieser Ort und wissen noch nicht einmal warum." Er sei müde geworden, ständig Anfragen zu bekommen, in denen Fremde wissen wollen, wo er seine Bilder aufgenommen hätte. "Das verrate ich nur in Einzelfällen." Andreu Beltrans Werke zeigen nun andere Motive. Er erstellt unter anderem Montagen wie Palma nach der Apokalypse und Zombie-Killern. "Mir gefällt eben das Düstere, das Dunkle."

Seine Arbeiten sind bei Facebook unter "Andreu Beltran" zu finden

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