Mallorca und der FC Ingolstadt

Die Insel ist die zweite Heimat von Klubchef Peter Jackwerth

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Von der Terrasse seines Hauses in Son Vida hat Peter Jackwerth einen sehenswerten Panoramablick über Palma.

Von der Terrasse seines Hauses in Son Vida hat Peter Jackwerth einen sehenswerten Panoramablick über Palma.

Damit hatte vor Beginn der Saison kaum ein Fußball-Experte gerechnet: Zweitligist FC Ingolstadt peilt den Aufstieg in die erste Bundesliga an. Die Kicker aus der bayerischen Stadt mit rund 130.000 Einwohnern sind Herbstmeister geworden und mit einem Sieben-Punkte-Vorsprung (40 zu 33) auf die drei Verfolgerteams Karlsruher SC, Darmstadt und Eintracht Braunschweig in die Winterpause gegangen.

Ein Erfolg, an dem auch viele Stunden auf Mallorca gearbeitet wurde. Denn Peter Jackwerth, Vorstandsvorsitzender des Vereins und so etwas wie "Mr. FC Ingolstadt", hat schon Ende der 90er Jahre sein Herz für die Insel entdeckt. Zuerst besaß er ein Haus in Santa Ponça, seit 2007 ist der Unternehmer in Palmas Nobelvorort Son Vida ansässig. Hoch oben über dem Castillo-Hotel, mit einem herrlichen Panoramablick über ganz Palma. "Insgesamt verbringe ich im Jahr wohl so etwa vier Monate auf Mallorca", schätzt der 57-Jährige im Gespräch mit MM. Wann er wo ist, das hängt auch vom Spielplan ab.

"FC Ingolstadt 04" heißt der Verein offiziell. Das "04" deutet nicht etwa an, dass es sich um einen Traditionsklub handelt, den es seit 1904 gibt. Er entstand vielmehr 2004, als Peter Jackwerth die von ihm erdachte Fusion der Fußball-Abteilungen der beiden Ingolstädter Vereine MTV und ESV umsetzte. Jackwerth war oder ist der "Macher" im Ingolstädter Fußball. Als Sponsor, Mäzen, Anteilseigner der Fußball-GmbH, Erbauer des neuen Stadions und Präsident. Der Erfolg stellte sich schnell ein, was nicht vorherzusehen war. Von der Bayernliga in die zweite Bundesliga. "Der Weg, den wir gegangen sind, ist einmalig und nicht so schnell wiederholbar", strahlt Jackwerth, der auch einer der größten Fans seines Klubs ist.

Klar, der Aufstieg in die Bundesliga wird noch ein ganzes Stück Arbeit. Aber Jackwerth ist selbstbewusst genug, um in der aktuellen Situation nicht tiefzustapeln: "Wir sind noch nicht aufgestiegen, aber die Chance ist da. Wir haben eine hervorragende Hinrunde gespielt und uns diesen Vorsprung herausgearbeitet. Wenn wir in der Rückrunde in der Lage sind, an die gezeigten Leistungen anzuknüpfen, dann ist die Chance wirklich sehr groß. Das ist normal bei solch einem Vorsprung." Und wenn es dann doch nicht reichen sollte? "Wir wollten uns in der zweiten Liga etablieren, das hat funktioniert. Und wenn es mit Liga eins nicht klappt, dann werden wir uns sicher nicht so ärgern wie andere Mannschaften, die vor der Saison gesagt haben, dass sie unbedingt aufsteigen wollen oder müssen."

Peter Jackwerth stammt aus dem schwäbischen Nördlingen, wo auch der spätere "Bomber der Nation" Gerd Müller das Licht der Welt erblickte. Jackwerth spielte als Kind beim VfB Stuttgart, wollte später zunächst Koch werden, brach die Lehre aber ab und absolvierte eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Sein Vermögen machte der Schwabe in der Zeitarbeitsbranche. 2007 verkaufte er sein Unternehmen Tuja endgültig an den Konkurrenten Adecco. Zwar hält Jackwerth auch heute noch Beteiligungen an Firmen, seine Herzensangelegenheit ist aber der FC Ingolstadt.

Was der Vorstandsvorsitzende gar nicht mag ist, wenn sein Verein als "Werksklub" bezeichnet wird. Hintergrund: Der in Ingolstadt ansässige Automobilkonzern Audi verstärkte 2013 sein 2006 begonnenes Engagement beim Klub vor der Haustür. Man kaufte Jackwerth das Stadion und seine Anteile an der Fußball-GmbH ab, die knapp 20 Prozent ausmachen. "Der Verein wird aus der Mitgliederversammlung geführt. Und der Verein hält 80 Prozent der Fußball-GmbH. Ich kenne keinen Klub, der es ablehnen würde, wenn Audi als Hauptsponsor käme. Audi ist ein ganz normaler Sponsor, und so lassen sie uns auch arbeiten."

Der Stellenwert des FC Ingolstadt in seiner Stadt wächst und wächst. "Das ist Wahnsinn", freut sich der "Macher". Denn die beiden Ausgangsvereine MTV und ESV waren fußballerisch in der Bedeutungslosigkeit versunken, Fans gab es kaum noch. "Ich hoffe, dass wir uns immer weiterentwickeln können", so Jackwerth, der sich aber auch fragt, wie weit diese Entwicklung in einer Stadt mit wenig mehr als 100.000 Einwohnern gehen kann. "Einiges ist aber noch drin. Paderborn macht zurzeit vor, wie es gehen kann."

Sollte der Aufstieg in die erste Bundesliga gelingen, dann rückt für Peter Jackwerth der Abschied vom Präsidentenamt näher. Aufstieg, dann noch ein Jahr die Liga genießen, und danach abtreten. Das hatte er mal so angedacht. "Ja, aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber ich hatte nicht für möglich gehalten, dass es vielleicht so schnell geht. Ich fühle mich eigentlich jung genug, um noch ein paar Jahre weiterzumachen ..."

Für einen Pendler wie Jackwerth müsste es doch eigentlich eine sehr reizvolle Idee sein, mal ein Spiel seines Klubs gegen Real Mallorca zu sehen. Das ist tatsächlich so: "Vor zwei Jahren haben wir mal über ein Trainingslager auf der Insel nachgedacht. Aber es gibt hier zu wenige Gegner für Testspiele. Wir haben bei Real Mallorca angefragt, doch da die keine Winterpause machen, ging das nicht. Also trainieren wir auf den spanischen Festland, im Januar geht es wieder nach Marbella." Und sollte sich doch mal eine Gelegenheit mit Real Mallorca ergeben? "Klar, das würde mir großen Spaß bereiten. Mallorca ist für mich genauso Heimat wie Ingolstadt."

(aus MM 52/2014)

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