Die Zahl der in Palma lebenden Wohnwagenbewohner ist deutlich niedriger als vom Bürgermeister behauptet. Jaime Martínez hatte von 5000 Fahrzeugen gesprochen – doch wissenschaftliche Studien widersprechen: Laut einer Untersuchung der Universität der Balearen (UIB) gibt es nur rund 150 im Stadtgebiet. Auch die regionale Plattform von Wohnmobilbesitzern (PACA) korrigiert Martínez’ Angaben und nennt eine Zahl von weniger als 400. Die Diskrepanz sorgt für heftige Kritik.
Wissenschaftliche Studie zeigt ganz andere Zahlen
Die UIB-Studie, die erstmals eine fundierte Erhebung zum Thema durchführte, wurde im Juli 2023 durchgeführt – mitten in der Hochsaison, als besonders viele Saisonarbeiter auf alternative Unterkünfte angewiesen waren. Professor Jesús M. González, Leiter der Untersuchung, erklärte, dass nur 83 der gezählten Wohnwagen tatsächlich als Wohnraum genutzt wurden. Von den fünf untersuchten Siedlungen lag eine in der benachbarten Gemeinde Calvià. Die Ergebnisse werfen Fragen zur Glaubwürdigkeit der Stadtverwaltung auf, die nun mit einer eigenen Kartierung die Zahlen des Bürgermeisters überprüfen will.
Wohnmobil-Verband widerspricht und kritisiert Strafen
Auch PACA-Präsident Jesús Gallardo zeigte sich über die Aussagen des Bürgermeisters erstaunt. „Wir haben 398 Wohnwagen registriert. Es gibt Menschen, die arbeiten, aber keine andere Wahl haben, als in einem Wohnwagen zu leben“, so Gallardo. Er kritisierte die geplanten Sanktionen gegen Wohnwagenbewohner, die laut neuer städtischer Verordnung Geldstrafen von bis zu 1500 Euro riskieren. Aus Protest gegen die Maßnahmen ist für kommenden Samstagabend (8.2.) eine Demonstration angekündigt. Gallardo betonte zudem, dass in einigen Standorten, wie Ciutat Jardí, bereits 60 Prozent der Fahrzeuge an andere Orte verlagert wurden.
Strafanzeige gegen Vox-Politiker angekündigt
Besonders scharf reagiert PACA auf Äußerungen des Stadtabgeordneten Fulgencio Coll von der rechtspopulistischen Vox-Partei, der Wohnwagenbewohner in einer Plenarsitzung als Kriminelle bezeichnet haben soll. Gallardo kündigte rechtliche Schritte gegen Coll an und forderte eine öffentliche Entschuldigung. Sollte diese nicht erfolgen, werde PACA ein Strafverfahren einleiten. Coll hatte erklärt, dass die neue Bürgerverordnung „nicht dazu dient, jemanden zu verfolgen, sondern uns vor Kriminellen zu schützen“. PACA wiederum wirft der Stadtverwaltung vor, Menschen ohne festen Wohnsitz aus dem Melderegister zu drängen, um sie aus der offiziellen Statistik zu tilgen. Die Debatte über Wohnwagen als alternative Wohnform in Palma wird zunehmend zur politischen Auseinandersetzung.
2 Kommentare
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Die Posse um die Wohnmobile wird ja immer lächerlicher. Weshalb orientieren sie sich nicht an den Lösungen auf Ibiza? 5 Campingplätze gibt es dort. Die allen Auflagen entsprechen und in den int. Campingführern verzeichnet sind. Der ADAC z.B. überpüft regelmäßig Campinplätze und sorgt so für einen ordentlichen Betrieb. # Camping Ibiza » Top Campingplätze PiNCAMP by ADAC https://www.pincamp.de › campingurlaub › ibiza Camping Ibiza von www.pincamp.de Die Campingplätze auf Ibiza befinden sich auf der Baleareninsel meist in Meeresnähe. Romantische Badebuchten locken die Strandurlauber ebenso wie lange, ... # DIE 5 BESTEN Campingplätze in Ibiza 2025 (Preisvergleich) Tripadvisor https://www.tripadvisor.de › Hotels-g187460-c3-zff29- # 5 Campingplätze in Ibiza, Spanien (2025) - JetCamp.com JetCamp.com https://www.jetcamp.com › ... › Balearische Inseln Camping Ibiza von www.jetcamp.com
Ich kann nur erneut mein Entsetzen über das Verhalten der Stadtverwaltung äußern. Statt die Symptome zu bekämpfen bzw. bezahlbaren Wohnraum zu schaffen (was finanziell aus meiner Sicht bei dem Steueraufkommen auf Mallorca durchaus realisierbar sein dürfte) bezeichnet man Leute in Not als Kriminelle. Sorry - ich hoffe, ich verletze niemandes Gefühle aber wenn Leute die "ein wenig" mit dem Gesetz in Konflikt geraten zu Sozialstunden verdonnert werden sollte jemand, der als führender Politiker verbal so entgleist dazu verdonnert werden, mal einige Tage auf 4 qm zu "wohnen" um nachvollziehen zu können, dass die Forderung von Jesús Gallardo in Bezug auf eine Entschuldigung mehr als angebracht wäre. Bei dem Thema muss ich immer an das Telefónica-Gebäude denken...was könnten hier Wohnungen entstehen...von mir aus die zur Meerseite hin als Luxus-Appartements und der Rest dann hunderte bezahlbare Wohnungen für Leute die jetzt auf engstem Raum leben müssen. Man darf nicht vergessen, dass einige von denen die rollenden Unterkünfte für teures Geld MIETEN da sie trotz vernünftigen Einkommens aufgrund befristeter Arbeitsverträge bei der Anmietung von Wohnungen das Nachsehen gegenüber Leuten mit dauerhaftem Vertrag haben.