Semana Santa ohne Extravaganzen

Kulturwissenschaftler Felip Munar über die Karwoche in Palma

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Osterprozession in Palma de Mallorca.

Osterprozession in Palma de Mallorca. Foto: UH

Osterprozession in Palma de Mallorca.Kulturwissenschaftler Felip Munar i Munar.

Mallorca Magazin: Wie würden Sie jemandem Unkundigen die wichtigsten Grundlagen der Prozessionen erklären?

Felip Munar i Munar: Prozessionen sind Glaubensmanifestationen, die es in allen Religionen gibt. Sie werden als feierliche Bitten der Gläubigen definiert, unter Führung der Geistlichen, an die Wohltaten Gottes zu erinnern und ihm zu danken. Die Prozessionen der Semana Santa bestehen aus Pasos (Heiligenbilder der Passionszeit, die in den Prozessionen getragen werden, d.Red), von denen viele von den traditionellen Zünften des Mittelalters erbaut wurden, die sich damit wiederum auf den Schutzheiligen ihres Handwerks beriefen. Daher gehen verschiedene Bruderschaften mit einer bestimmten Kleidung und einem für sie charakteristischen Paso. Viele dieser Pasos werden von Trommeln begleitet, die an die Schläge erinnern, die der Heiland erleiden musste, dazu wird fest und ernst marschiert.

MM: Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um bei einer Bruderschaft Mitglied zu werden?

Munar: Jeder Büßer muss sich die passende Kleidung besorgen und sich einverstanden erklären mit den Pflichten der Bruderschaft. Normalerweise gibt es keine Probleme, in eine Bruderschaft einzutreten. Natürlich gibt es einige Bruderschaften, nach denen eine große Nachfrage herrscht, nach anderen nicht so viel. Die Bruderschaft "La Sang del Nostre Senyor Jesucristo" hat vielleicht die meisten Anhänger. Sie wurde schon im Jahr 1554 dokumentiert. Die Bruderschaft "Nuestra Señora de la Esperanza", gegründet 1924, wird von der Familie March-Servera unterstützt. Von Palmas Bruderschaften ist die 1902 gegründete "Cofradía Cruz de Calatrava" die älteste, sie hat ihren Sitz in der Socorro-Kirche.


MM: Auffallend sind die ganz in Schwarz gekleideten Frauen. Welche Bedeutung haben sie?

Munar: Dabei handelt es sich um die "endolades", die wegen eines traurigen Ereignisses Trauer tragen, das ihnen zugestoßen ist. Es können auch die "ploradores" sein, deren Mission es ist, für die Schmerzen und Sünden der Menschen zu weinen. Manchmal sind sie auch ein theatralisches Element, um den Umzug spektakulärer zu machen.


MM: Was ist an der Semana Santa auf Mallorca besonders?

Munar: Sie sticht vor allem durch ihre Stille und ihre Andacht bei den öffentlichen Akten hervor. Man singt religiöse und feierliche Lieder, aber ohne Extravaganzen.


MM: Was ist so besonders an der Donnerstags-Prozession?

Munar: Sie ist als Prozession des Heiligen Blutes Christi bekannt (Sant Crist de la Sang, d.Red.). Es ist der Hauptakt der Karwoche von Palma. Im 16. Jahrhundert war dieser Christus, dessen Abbildung im Hospital General hängt, das Bild der Karwoche. Der Ursprung der Prozession war eigentlich eine Spendensammlung zugunsten des Krankenhauses. Sie begann in Palma, aber breitete sich über alle Dörfer der Inseln aus. Auf Mallorca gab es mit der Zeit immer mehr Kapellen, die ihm (Sant Crist de Sang, d.Red.) gewidmet waren. Daher kommt das Sprichwort, wenn jemand etwas erreichen will oder erreicht hat: Ich werde eine Kerze zum Blut bringen. Gemeint ist das Blut Christi.


MM: Deutsche Leser fragen sich häufig, was die Kapuzen zu bedeuten haben. Warum hat der Ku-Klux-Klan diese Kapuzen ebenfalls verwendet. Gibt es eine Verbindung?

Munar: Überhaupt nicht, sie haben nichts mit einander zu tun. Die Kapuzen, die auf Mallorca je nach Dorfdialekt caperutza, carepulla, cuculla oder caputxa heißen, dienen dazu, das Gesicht des Büßers zu verhüllen, denn seine Buße soll keine öffentliche Demonstration sein. Ursprünglich wurden die Büßer dazu verpflichtet, an der Prozession teilzunehmen, weil sie etwas Schlechtes oder Unehrenhaftes gemacht hatten. Aber man wollte nicht, dass sich später jemand an ihnen rächen konnte, deswegen trugen sie Kapuzen (um ihre Gesichter zu verhüllen, d.Red.). Auch nachdem diese Verpflichtung abgeschafft wurde, behielt man die Kapuzen während der Prozessionen bei.

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