Ungefragt in fremder Leute Wohnzimmer

Der Streit darum, welche Wege öffentlich sind und welche nicht, geht weiter

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Mallorca, 10. März – Das kennt fast jeder, der häufiger auf Mallorca wandern geht: Plötzlich endet der Weg an einem Zaun, an einem Gatter oder Tor. Es geht nicht weiter. In manchen Fällen führt das zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Wandersleuten, die enttäuscht sind, weil sie nicht ans Ziel kommen und umkehren müssen, sowie Fincabesitzern, die keine Ausflügler auf ihrem Grund und Boden dulden wollen. Die Frage, ob es sich bei den gesperrten Wegen um Privatbesitz handelt oder um öffentliches Eigentum, ist ein hochemotionales Thema auf Mallorca. „Es ist eine Schande”, schimpft Joan Miquel von der Bürgervereinigung „Pro camins publics i oberts”, die sich für die Öffnung der gesperrten Wege einsetzt. „Diese Delinquenten können ungestraft so weitermachen wie bisher.” Für Miquel ist die Sache klar: Es gibt auf Mallorca eine Vielzahl an Wegen, die immer öffentlich waren. Wege, die die Fischer benutzten, um an eine entlegene Bucht zu gelangen, Wege, auf denen Köhler, Mönche und Jäger in den Bergen unterwegs waren, Karrenwege und Eselspfade. „Diese Wege sind öffentliches Eigentum und können deshalb weder verkauft noch besessen werden.” Also könne sie auch niemand sperren, selbst wenn sich die Finca, über die die Wege führen, im Privatbesitz befinde.

Die Eigentümer dieser Landgüter sehen das naturgemäß anders. Meist sind es wohlhabende Personen, die große Summen in den Kauf einer Finca gesteckt haben, und nun nicht mit ansehen wollen, wie Wochenende für Wochenende Ausflügler durch ihren Vorgarten marschieren. „Diese Finca ist Privatbesitz”, sagt der Verwalter einer großen Finca im Tramuntana-Gebirge. „Es gibt hier keine öffentlichen Wege. Ich setze mich ja auch nicht ohne zu fragen in Ihr Wohnzimmer.” Joan Miquel von der Bürgervereinigung sieht vor allem die Behörden in der Pflicht. Jede Gemeinde sollte verpflichtet sein, ein Inventar der auf ihrem Territorium gelegenen Wege anzulegen, die sich jemals in öffentlichem Besitz befunden haben. „Dann wären alle Zweifel beseitigt”, sagt er. „Die Behörden aber sehen untätig zu.” Das stimmt jedoch nur bedingt. Denn alles andere als untätig war im Oktober 2009 der balearische Verkehrsminister Gabriel Vicens, als er sich mit mehreren Hundert Gleichgesinnten Zutritt zur Finca Ternelles verschaffte, indem er über das Tor der Finca kletterte. Der Weg über das Landgut sei zu Unrecht gesperrt. Tatsächlich ist das Thema keine Privatangelegenheit zwischen Wanderern und Fincabesitzern mehr. So organisiert der Inselrat für den 18. März eine Informationsveranstaltung mit dem Titel „Tagung zur Verteidigung der öffentlichen Wege”.

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