Teststrecke „Rotonda”

Immer mehr deutsche Residenten machen ihren Führerschein auf der Insel. Sprachprobleme und unterschiedliche Abläufe beim Erwerb der Fahrerlaubnis halten viele davon ab, sich in einer spanischen Fahrschule anzumelden. Hilfe bietet ein neuer „Führerschein-Service”

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Als selbstständiger deutscher Handwerker auf Mallorca brauchte Martin Gruber (45) ihn dringendst: den Führerschein. Vor fünf Jahren kam er auf die Insel, sechs Jahre zuvor hatte er seinen in Deutschland gemachten Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren. Zweimal hatte er dort einen neuen Anlauf gemacht, sich zweimal bei der „Medizinisch-psychologischen Untersuchung” (MPU) – im Volksmund „Idiotentest” – angemeldet. Und fiel durch: „Das kam mir wie Willkür vor.” Da Martin Gruber auf der Insel vor allem deutsche Kunden hat, reicht sein Spanisch zwar „fürs tägliche Leben”, nicht aber fürs Vokabular in einer spanischen Fahrschule, „geschweige in einer spanischsprachigen Prüfung”. Umso froher war er, als er erfuhr, dass es seit einiger Zeit einen „Pkw-Führerschein-Service für deutschsprachige Residenten” auf Mallorca gibt: „Cap Quadrat”, wie Inhaberin Annette Mohr ihn sinnigerweise getauft hat. Mit ihrer Hilfe ist Martin Gruber nun glücklicher Inhaber eines EU-Führerscheins: „Mich von meiner Freundin kutschieren zu lassen oder selbst zu fahren, war eine echte Belastung geworden – mir fällt ein Stein vom Herzen.” Zu ihren häufigsten Kunden, sagt Annette Mohr, gehören auch junge Deutsche, die hier auf internationale Schulen gehen: „Nicht nur die Sprache ist ein Problem. Das Prozedere beim Führerscheinerwerb ist hier ein bisschen anders als in Deutschland und die Fragestellung bei der theoretischen Prüfung auch.” Um hier einen Führerschein zu erwerben, muss man mindestens 183 Tage als Resident gemeldet sein. Bei Anmeldung bei der DGT (Dirección General de Tráfico”) – Kostenpunkt: 85 Euro – muss neben der N.I.E--Nummer auch die Bescheinigung einer medizinischen Untersuchung („certificado médico”) vorgelegt werden. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Theorie- und Praxisunterricht parallel verlaufen, muss der Prüfling hier erst die Theorie-Prüfung bei der DGT bestanden haben, bevor er Fahrstunden nehmen kann. Eine bestimmte Anzahl an Pflichtstunden wie in Alemania ist dazu nicht nötig, wo das Wissen erworben wird, ist egal: „Hauptsache, es sitzt”, sagt Annette Mohr. Die Prüfungsfragen beim DGT seien allerdings weniger standardisiert als in Deutschland, sondern werden öfter mal variiert: „Besonders darauf bereite ich meine Schüler vor.” Die Fahrpraxis sollte in Palma erworben werden, weil hier auch grundsätzlich die Prüfungen stattfinden: „Der Kreisverkehr (‚rotonda') beim Kino Ocimax gilt als sehr beliebte Teststrecke bei Prüfungen”, verrät Annette Mohr. „Weil die Autos hier von allen Seiten heranrauschen.” Überhaupt brauche man als Fahrschüler in Palma recht gute Nerven: „Dichter Verkehr, gestresste Schnellfahrer, die kaum Abstand halten, und dazu eine vielfach andere Straßenführung als in Deutschland. Vorfahrtstraßen etwa sind so gut wie nie ausgewiesen.” Gerade auf dem Dorf gelten Handzeichen immer noch mehr als der Blinker, sagt Annette Mohr: „Solche Dinge muss man wissen.” Die gute Nachricht: Wer hier den Führerschein macht, spart Geld. Mit 880 bis 1000 Euro ist er deutlich günstiger als in Deutschland.

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