„Große Events täten der Insel gut”

Bruce Springsteen ist vorerst gestrichen, Status Quo kommt: Am 8. September in die Palma Arena. MM wirft einen Blick hinter die Kulissen der Großkonzerte: Welche Locations gibt es – und welche Ansprüche haben Megastars?

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Wir sind schuld. Wir, die Presse. „Über die Konzerte von Madonna und Bruce Springsteen wurde schon berichtet, bevor überhaupt alles unter Dach und Fach war. Da war irgendwo eine undichte Stelle“, sagt Miquel Jaume, Chef und Gründer von Trui, der größten Konzert- und Eventagentur der Balearen. Er kennt den Veranstalter für die genannten Konzerte, Financial Concerts Productions, seit gut einem Jahr, sollte für beide Konzerte die technische Produktion übernehmen. Bruce Springsteens Auftritt war am 5. September im Ono Estadi geplant. „Dass das Konzert nicht zustande kam, ist für Mallorca jammerschade, für den Veranstalter aber vielleicht lebensrettend. Da wären Millionen-Verluste drin gewesen“, sagt Miquel Jaume. Immerhin war von bis zu 50.000 verkauften Karten die Rede. Die Location „Stadion” gilt als „Königsdisziplin” unter den Rockkonzerten, und ist genau deshalb auf Mallorca mit so vielen Schwierigkeiten verbunden. „Es gibt eigentlich nur einen Ort auf der Insel, wo wirklich große Konzerte stattfinden können: im Ono-Stadion. Dort ist man allerdings von Rockkonzerten nicht begeistert, weil sie den Rasen schädigen. Und im Stadion von Real Mallorca geht nun einmal Fußball vor“, sagt Miquel Jaume. Er sei erstaunt gewesen, dass Real Mallorca überhaupt erst einmal die Möglichkeit eines Konzertes mit Bruce Springsteen akzeptiert habe: „Nach dem 5. September gab es zwei spielfreie Wochen.“ Als dann noch weitere Probleme mit Genehmigungen auftauchten, wurde die Idee wieder fallen gelassen. Zu jener Zeit hatte die Presse allerdings schon ausführlich über die Sache berichtet. „Betrügerische Absichten, von denen die Rede war, lagen nicht vor“, sagt Miquel Jaume. „Es ist ja nicht eine einzige Karte verkauft worden.“ Jahr für Jahr tauchen auf Mallorca – und dann immer auch gleich bei Trui – internationale Impresarios zuhauf auf. „Für Mallorca wäre es nur gut, wenn hier viele internationale Großkonzerte mit wirklich prominenten Stars zustandekämen. Der Werbeeffekt für die Insel ist einfach nicht zu unterschätzen“, sagt Miquel Jaume und verweist in diesem Zusammenhang auch auf Gottschalks „Wetten dass ..?“. „Aber“, fährt er fort und führt gleich eine ganze Reihe von Gründen auf, warum solche Konzerte auf Mallorca schwieriger seien als anderswo: „Da ist zum einen der Transport. Jemand wie Bruce Springsteen kommt mit mindestens 30 großen Trucks. Die bringen einfach alles mit, sogar die Garderoben. Das kostet. Auch das Ono Stadion lässt sich gut bezahlen. Aber andererseits schränkt die Insellage die Zahl der Zuschauer von vorne herein ein.“ Er erzählt begeistert, wie beim Konzert der Rolling Stones in Gijón im Jahr 1995 Rock-Fans aus ganz Spanien angereist seien: „Mit Auto und Schlafsack, das brachte echtes Woodstock-Feeling.“ Den inzwischen verworfenen Sommertermin für den Mallorca-Auftritt von „The Boss” hält Miquel Jaume allerdings für ungeschickt: „Jetzt wären Flüge teuer und schwierig zu bekommen. Viele Hotels sind belegt. Im Herbst oder Frühjahr ist das anders. Im Übrigen muss man ein Konzert dieses Kalibers sehr viel früher ankündigen.“ Als Woody Allen am 1. Januar in der Palma Arena auftrat, buchten rund Tausend Menschen eine Pauschalreise: Silvesterfeier, Konzert, inklusive Shopping-Tag in Palma.

Somit gebe es auf Mallorca nur wenige Orte, an denen Großkonzerte stattfinden können. Die Palma Arena könne sich über den Sport allein nicht finanzieren: „Hier passen aber mit Stühlen nur 4500 Zuschauer rein, ohne Stühle sind es 8500. Für einen Star wie Bruce Springsteen ist das einfach zu wenig. Die Stierkampfarena ist für die Zuschauer nicht sehr bequem, was den Eintrittspreis drückt.” Zudem bestehe hier das Problem der Lärmbelästigung für die Anwohner. Die Trabrennbahn Son Pardo sei alt, der Boden uneben, die Vorbereitung für ein Konzert enorm: „Bleibt also nur das Ono Stadion.“ Dabei, so Miquel Jaume: „Ein paar wirklich große, professionell vorbereitete Events täten der Insel gut.”

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