Köln – Mallorca – Istanbul

Die Fans sind bestürzt und wütend: Christoph Daum hat bei „seinem” FC gekündigt. Von Santa Ponça aus führte der Trainer Verhandlungen über seinen neuen Posten. Jetzt steht fest: Der 55-Jährige kehrt zu Fenerbahçe zurück und beerbt dort den früheren Real-Mallorca-Coach Luis Aragonés

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Schon immer hat Fußballlehrer Christoph Daum polarisiert. In Köln wurde er in den vergangenen Jahren vor allem geliebt. Spricht man in diesen Tagen aber einen der zahlreichen an der Playa de Palma urlaubenden Fans des 1. FC Köln auf Daum an, dann hört man Begriffe wie „Söldner” oder „Verräter”, um nur die harmloseren Formulierungen wiederzugeben.

Nur wenige Kilometer entfernt fiel die Entscheidung, die die Fans auf die Palme bringt. Christoph Daum nutzte die ersten Ferientage, um von seinem Urlaubsdomizil in Santa Ponça aus über einen neuen Job zu verhandeln. Gespräche, Abwägen, Nachdenken statt Sonne, Golf und Pool. Dann schlug die Bombe in der Domstadt ein: Christoph Daum hat Anfang der Woche beim 1. FC Köln gekündigt.

Dort klangen noch die Treueschwüre des Erfolgscoaches in den Ohren, die Kündigung kam für die Fans und angeblich auch für die Vereinsbosse völlig überraschend.

Das „Daum-Beben” nannte die Boulevardzeitung „Express” den Vorgang und schickte noch in der Nacht zu Dienstag, kurz nach Bekanntwerden der neuen Lage, Reporter nach Mallorca. Andere Blätter beauftragten Insel-Fotografen, den Trainer aufzuspüren.

Christoph Daum trainiert künftig Fenerbahçe Istanbul, soll Presseberichten zufolge 3'5 Millionen Euro netto pro Jahr verdienen – statt bisher 2'4 Millionen netto. Bei Fenerbahçe arbeitete Daum bereits von 2003 bis 2006, wurde in dieser Zeit zweimal türkischer Meister. Er tritt die Nachfolge von Luis Aragonés an, der im vergangenen Jahr die spanische Nationalmannschaft zum EM-Titel geführt hatte und davor auf der Trainerbank von Real Mallorca saß.

Dass er zu Fenerbahçe geht, hat Christoph Daum bis Mittwoch nicht offiziell bestätigt. Man will dort offenbar erst alles mit Aragonés abwickeln, dann die Verpflichtung des Nachfolgers bekannt geben. Daum erklärte in einer ersten Stellungnahme lediglich, dass er in Köln gekündigt hat und nennt Gründe: „Am vergangenen Samstag habe ich ein sportlich wie finanziell überzeugendes Angebot eines europäischen Top-Clubs erhalten.” Nach Verhandlungen am Pfingstwochenende sei der neue Vertrag am Montag unterschrieben worden. Daum weiter: „Mit meinem neuen Club, der bis auf Weiteres noch nicht genannt werden möchte, habe ich die Möglichkeit, direkt wieder international zu spielen, was für mich immer mein größter Anreiz und Wunsch als Trainer war. Außerdem werden mir dort sportliche Rahmenbedingungen geboten, mit denen ich auch für die nächsten Jahre die Champions League erreichen kann. Somit ist meine Entscheidung keine gegen den 1. FC Köln, sondern eine für die neue Herausforderung.”

Die Fans am Rhein und, wie eingangs erwähnt, an der Playa de Palma sehen es anders. In Gesprächen mit MM hatte Daum seine Arbeit für den FC immer als „Herzensangelegenheit” bezeichnet. Das nehmen ihm viele nicht mehr ab. Wenn es allerdings nicht so gewesen wäre, dann hätte er wohl im Herbst 2006 gar nicht erst zum zweiten Mal auf der Kölner Bank Platz genommen. Im zweiten Anlauf schaffte er dann mit dem Team den Wieder-Aufstieg in die Bundesliga.

Trotz vieler Angebote internationaler Klubs wollte Daum die Zukunft des Vereins gestalten. Man freute sich auf frischen Wind durch Heimkehrer Lukas Podolski.

Dass es ein Podolski allein aber nicht richten kann, ist Daum bewusst. Viel mehr werden die Kölner Finanzen jedoch nicht zulassen. Noch kurz vor seinem Abflug nach Mallorca verhandelte der Trainer mit den Vereinsverantwortlichen intensiv über die Mannschaft der kommenden Saison. Vermutlich kam das Angebot von Fenerbahçe genau zum richtigen Zeitpunkt. Daum: „Meine Mission in Köln ist mit dem Aufstieg und dem Erreichen eines Mittelfeldplatzes ohne Abstiegsgefahr in der abgelaufenen Bundesligasaison erfüllt, worauf ich schon nach dem letzten Bundesligaspieltag hingewiesen habe.” Diese Worte hatte aber in Köln niemand als Alarmsignal wahrgenommen ...

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