Palma de Mallorca: „Wir möchten nur Respekt”

„Wetten, dass .. es bald losgeht?” Die Vorbereitungen für die Live-Sendung am 13. Juni laufen auf Hochtouren. Zum Unmut der nahen Nachbarschaft: „Los Vecinos del Coliseu” fühlen sich um ihre Ruhe gebracht

|

Mallorca – Santiago Hernández ist von ruhiger Art. Und friedliebend dazu. Deshalb kann er als Präsident der "Vecinos del Coliseu" auch gar nicht oft genug betonen, dass sich der Protest der Nachbarschaftsvereinigung "weder gegen das deutsche Fernsehen, 'Wetten, dass ..?' oder die Deutschen generell" richte: "Wir möchten nur Respekt - und unser Recht auf ein ungestörtes Leben schützen."

Wir - das sind die rund 40 Mitglieder der Bürgervereinigung, die sich für die knapp 25.000 Anwohner einsetzen, die in direkter Nähe zur Plaça de Toros leben. Eine "normale" Veranstaltung in der Stierkampfarena, also ein zwei- bis dreistündiges Konzert, ziehe den Alltag der Anwohner - inklusive Auf- und Abbau - drei bis vier Tage in Mitleidenschaft, sagt Santiago. Und das betreffe weit mehr als nur den Geräuschpegel während des Konzerts. Aufbau, Generatoren, der Transport des Equipments per Lkw: "All das sorgt nicht nur für Luft- und akustische Kontamination, sondern auch für Staus und Parkplatzprobleme." Potenziert würden solche Ärgernisse, wenn ein Großprojekt wie "Wetten, dass ..?", das am 13. Juni live vom ZDF ausgestrahlt wird, insgesamt 17 Tage für Auf- und Abbau in Anspruch nimmt. Es sei ein Unding, findet Santiago, dass ein Event dieses Ausmaßes inmitten eines Wohngebiets stattfinde und "die Stadt Palma die Lizenz dazu gibt. So etwas wäre in Deutschland unmöglich".

Gerade dort, wo Umwelt- oder Gesundheitsthemen vielfach sehr sensibel - oft auch gesetzlich - geregelt seien, müsse man doch Verständnis für die Anliegen der Nachbarschaft haben: "Die unüberhörbaren Aufbauarbeiten beginnen oft morgens um acht, bei Konzerten, auch innerhalb der Woche, dauert es meist bis ein, zwei Uhr nachts, bis die letzten Fans gegangen sind." Junge Leute, räumt er ein, könnten ihre Wohnungen ja wenigstens solange verlassen: "Aber Familien mit kleinen Kindern oder alte Menschen eben nicht." Er habe Erwachsene schon weinen sehen, aus "Hilflosigkeit und Übermüdung": "Zumal die meisten ja zur arbeitenden Bevölkerung gehören, die morgens fit sein muss."

Es sei ja ein netter Zug vom deutschen Fernsehen, die Anwohner, wie schon 2007, wieder zur kostenlosen Teilnahme an der Generalprobe einzuladen - hingehen wird Santiago trotzdem nicht: "Ich kann doch nicht gleichzeitig an einer Veranstaltung teilnehmen, gegen die ich protestierte."

Auch beim ZDF in Mainz sind die Klagen aus Palma natürlich schon angekommen. Um die Situation für die unmittelbaren Anwohner so "entspannt" wie möglich zu gestalten, so der verantwortliche Pressesprecher, Dr. Peter Gruhne, habe das ZDF-Team eine Reihe von Vereinbarungen mit den Behörden von Palma sowie besondere Maßnahmen getroffen. So sollen nur "die leisesten Generatoren mit den geringsten Emissionswerten, die es auf dem Markt gibt, zum Einsatz kommen". Die Generatoren werden zudem so auf dem Gelände positioniert, "dass sie die Anwohner am wenigsten beeinträchtigen" und "überdies mit hochwertigstem Treibstoff betrieben, um die Belastung so gering wie möglich" zu halten. Weiterhin, so Gruhne, seien nur vier Probetage vorgesehen. Nach 20 Uhr werde es keine Proben mehr geben - mit Ausnahme der Generalprobe (zu der alle Anwohner kostenlos eingeladen sind) und der Live-Sendung: "In diesem Sinne bauen wir wieder auf ein vertrauensvolles Miteinander."

Schließlich, so Gruhne weiter, stelle die "Wetten, dass..?"-TV-Produktion, die in Österreich, der Schweiz und Deutschland rund 13 Millionen Zuschauer erreicht, auch einen "interessanten Wirtschaftsfaktor mit Werbewert" für die Insel dar: "9000 Sitzplätze in der Arena sind - zum großen Teil in Verbindung mit einem Reisepaket - verkauft worden." Nicht umsonst habe der "Fomento de Turismo" dem Format im November 2007 ein Diplom für die "beste TV-Sendung auf Mallorca" verliehen.

Für "Los Vecinos del Coliseu" indes nur ein schwachter Trost, findet Santiago Hernández: "Die Gewinner sind die Betreiber der Stierkampfarena. Die Verlierer sind wir." Karten gibt's am Mittwoch um 17 Uhr
Vorverkauf an der Stierkampfarena: Erwachsene zahlen 53, Kinder 28 Euro. Auch „Topmodel” Sara Nuru kommt zur Show
Das ZDF hält Wort: Anders als bei normalen „Wetten, dass ..?”-Shows üblich, gibt es Karten im freien Verkauf. Normalerweise muss man sich beim Sender um das Recht „bewerben”, Tickets zu kaufen. Da es immer mehr Interessenten als Plätze gibt, wird ausgelost.

Wer die Show am 13. Juni live erleben will, der kann am Mittwoch, 10. Juni, von 17 bis 21 Uhr Restkarten direkt an der Stierkampfarena kaufen. Das ZDF hat nicht mitgeteilt, wie viele Tickets es noch gibt, frühes Kommen ist empfehlenswert. Erwachsene zahlen 53 Euro, Eintrittskarten für Kinder (zwei bis elf) kosten 28 Euro.

Am Wochenende wurde ein weiterer prominenter Gast der Show bekannt: Sara Nuru, von Pro 7 im Mai als „Germany's next Topmodel” gekürt. Das hat Tradition: Schon 2007 waren mit Barbara Meier und Lena Gercke zwei Gewinnerinnen der „Topmodel”-Castingshow zu Gast bei „Wetten, dass ..?” in der Stierkampfarena.

Die übrigen Gottschalk-Gäste sind schon länger bekannt: Als Wettpaten haben zugesagt Plácido Domingo, Naomi Campbell, Otto Waalkes, Michelle Hunziker sowie Hardy Krüger jr. und Wayne Carpendale. Den musikalischen Rahmen setzen Teeny-Star Ashley Tisdale („High School Musical”), die Jungs von Rain mit einem Auszug aus ihrem Programm „A tribute to the Beatles”, die Kubaner von „Pasión de Buena Vista” und die Simple Minds. Für die Aktion „Wetten, dass ..? bewegt” die Werbetrommel rühren wird Rennfahrer Timo Scheider (DTM-Meister). Teil einer Wette ist Miss Germany Doris Schmidts.

Nach der Sendung sind im ZDF-Programm das „Heute-Journal” und „Das aktuelle Sportstudio” zu sehen, dann soll ab 23.45 Uhr live von der After-Show-Party im Pueblo Español berichtet werden. (nimü)

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.