„Bleibt bei eurem Preis“

Gastkommentar von Claudio Marini, Direktor des Tristán, zu Offerten der Gastronomie in Krisenzeiten

Wir sind mit der momentanen Finanzkrise in einer extremen Situation, mit der sich unsere Generation nur medial auseinandergesetzt hat, weil sich Ähnliches nur auf anderen Kontinenten abspielte. Aber jetzt hat das Übel auch an unsere Türe geklopft, in der Wiege des Kapitalismus. Die Menschen sind zutiefst verunsichert und jeder bastelt derzeit an einer eigenen Rettungsphilosophie. Egal wo man hinschaut, purzeln in der Gastronomie die Preise, plötzlich ist alles um die Hälfte billiger. In Lokalen, wo man früher keine Vorspeise unter 18 Euro bekommen hat, gibt's dafür jetzt ein ganzes Menü.

Da muss ich mich als Verbraucher doch fragen: Was haben die die ganzen Jahre vorher gemacht? Mit meinem Geld, meinem Vertrauen, meiner Gutmütigkeit, wenn ich jetzt für einen Bruchteil des Geldes angeblich das Gleiche bekomme? Bin ich derbe gesprochen schlichtweg „verarscht“ worden? Genau dieses Unterfangen dieser Amokläufer bringt unsere im Koma liegende Wirtschaft so richtig um.

Es ist eine Idiotie, jetzt plötzlich alles richtig billig zu machen, das reduziert die Preisentwicklung der letzten Jahre auf null. Der Preis wird verdorben, Produkte verlieren ihre Wertigkeit, der Fortschritt wird unterbunden. Anstatt dass man diese Epoche, diese Depression nutzen würde, etwas zu lernen! Bislang ist die Welt immer noch gestärkt aus Krisen hervorgegangen. Die Chance ist doch, verantwortungsvoll, kostendeckend, aber – man muss das Kind auch beim Namen nennen – gewinnbringend zu arbeiten, denn man hat nicht nur Verantwortung gegenüber dem Gast, sondern auch gegenüber seinen Angestellten. „Es ist ein Preisproblem“ lautet die voreilige Diagnose, dabei steht dies doch ganz am Ende einer Kette, anstatt einmal die eingekauften Produkte, die Konzeption zu analysieren und ein wenig Selbstreflektion zu betreiben. Nein, diese Überlegungen wären zu mühsam, also kürzt man den Weg ab – und den Preis. Und vergisst dabei völlig, dass man dann auch doppelt oder dreimal so viel Kundschaft braucht.

Deswegen: Bleibt bei eurem Preis! Wer bislang wirklich überteuert war, der muss eben nachziehen und auch die entsprechende Leistung bringen. Geld ist ja da, es ist nicht verschwunden. Wir Gastronomen müssen an die absolute Schmerzgrenze unserer Leistung gehen, überlegen, was wir noch besser machen können, was wir entbehren können. Preisdumping dagegen ist ein Nährboden für Schwarzarbeit und Schwarzeinkäufe. Und dabei geht wertvolles Steuergeld verloren, das damit am allgemeinen Wohl vorbeigeht! Die Leute werden künftig sehr bewusst ihr Geld einsetzen, sich sehr wohl überlegen, was sie kaufen. Und sie gehen da hin, wo sie etwas bekommen, was ihnen ihr Geld „wert“ ist. Leistung muss her, denn die ist bei vielen angeknackst bist tief ins Fundament. Viele Unternehmer müssen auch wohl oder übel einsehen, dass sie selbst wieder ran und die Ärmel hochkrempeln müssen, sich nicht zu fein sein dürfen, selbst die Aschenbecher auszutauschen. Denn das motiviert das Personal – und den Gast! Schluss mit der Weltuntergangsstimmung. Anstatt zu jammern, dass man nur einen gottverdammten besetzten Tisch hat, muss der Gastronom was draus machen! Denn jeder Einzelne ist ein Duplikator. Machen Sie den Kunden zu Ihrem Komplizen: Wer wirklich zufrieden ist, der kommt auch in Krisenzeiten wieder.

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