Der Herr der mallorquinischen Zeit

Pere Caminals Jaume ist dafür zuständig, dass die antike Rathausuhr wie geschmiert läuft – besonders am 31. Dezember

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Pere Caminals Jaume ist ein Uhrmacher, wie man sich ihn vorstellt: bedacht die Wortwahl, gemächlich die Körpersprache. Irgendwie passt dieser Mensch ganz und gar zur antiken Rathausuhr, Baujahr 1863; er selbst stammt aus einer Uhrmacherfamilie, die dieser Profession seit 1903 nachgeht. Etwas Zeitloses umgibt ihn, vielleicht liegt es auch an seiner Vertrautheit mit der Uhrentechnik des 19. Jahrhunderts. „Conocimiento”, Wissen, nennt er die Schlüsselqualifikation, die der städtische Uhrenbeauftragte, der „relojero de Cort”, haben sollte: „Das Uhrwerk ist ja mit keinem der heutigen Systeme vergleichbar.” Bis 2004 lag die Wartung von „En Figuera”, wie die Rathausuhr von Palma genannt wird, in der Obhut von Fernando Fernández Andrèz. Er war es auch, der die Uhr bei Amtsantritt 1978 elektrifizierte, nachdem sie 1964 restauriert worden war. Der Namen der Uhr geht zurück auf den Glockengießer Pere Joan de Figuera, nach dem zunächst der Turm, in dem die Uhr beheimatet war, benannt wurde. Im 14. Jahrhundert kaufte der „Große Rat” von Palma den Dominikanern den Turm ab, der damals noch in der heutigen Straße „Carrer del Conqueridor” zu finden war. In diesem Turm befand sich damals eine mechanische Uhr mit Glocke, die 1880 Kilogramm wog und 1386 von besagtem Glockengießer Pere Joan de Figuera gefertigt worden war. Im 17. Jahrhundert musste die in die Jahre gekommene Glocke ersetzt werden: die neue wog 1843 Kilogramm und wurde gefertigt von Joan Cardell (1680). 1848 wurde der Turm abgerissen und beides, Glocke und Uhr, im Rathaus von Palma installiert. 1863 quittierte auch die alte Uhr ihren Dienst, die heutige Uhr der französischen Marke „Collin” wurde in Paris erworben.

Seither verkündigt „En Figuera” in einer der ersten Uhrentürme Spaniens über- haupt, was die Stunde geschlagen hatte. Und nicht nur das: Lange war sie auch für „Sonderschläge” zuständig, die wiederum ihren eigenen Namen hatten. So gab der „toque de queda” die Sperrstunde bekannt. Bei Bürgermeister-Wechseln, Gefahren oder Festakten kam „En Figuera” ebenfalls feierlich zum Einsatz.

Vor der Silvesternacht, wenn sie ins Zentrum des öffentlichen Interesses rückt, ist Pere Caminals Jaume besonders oft im Glockenturm. Alle zwei, drei Tage steigt er die vielen Treppenstufen hinauf, am 31. Dezember sogar zweimal. Morgens und abends gegen 21 Uhr macht er den letzten großen Uhrencheck: Zustand von Glocken, Öl, Feuchtigkeitsgrad. Ist der zu hoch, wird eine Art Mini-Aircondition eingesetzt, um Oxidationen am Metall zu verhindern, die die Präzision der Uhr beeinträchtigen können. Im Sommer und Winter, erzählt er, geht die Uhr manchmal minimal vor oder nach: „Im Sommer kann sich das Metall durch die Hitze ausdehnen, wodurch sie eine Minute langsamer wird; im Winter zieht sich das Material zusammen, so dass die Uhr eine Minute vorgeht.” Doch um die Silvesternacht macht sich Pere keine Gedanken: „Die Uhr lief ja die ganze Zeit problemlos, warum sollte das gerade dann anders sein?”

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