Das zischt richtig

Der „Sauftourismus” ist zwar vorbei, doch das Bier-Geschäft brummt nach wie vor. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Konsum auf den Balearen sogar noch mal um zwei Prozent auf 6,4 Millionen Hektoliter gestiegen – und macht damit ein Fünftel des spanischen Gesamtverbrauchs aus. Deutsche Qualitäts- wie auch alkoholfreie Biere sind immer mehr im Kommen

|

Auch wenn die richtig "glorreichen Zeiten" für die Bierbranche, wie Horst Brüntrup sie nennt, vorbei sein mögen auf Mallorca - "Bis Ende der 90-er Jahre gab es noch die klassische Kegelkasse mit 5000 Mark für zehn Leute, und die war innerhalb von drei Tagen aufgebraucht"- , so können sich deutsche Hersteller hier dennoch nach wie vor eine goldene Nase verdienen.

Und nicht nur das: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Bierkonsum auf den Balearen um knapp zwei Prozent gestiegen. 2007 sind auf den Inseln, laut Aussage des spanischen Bierbeauftragten Jacobo Olalla, rund 6'4 Millionen Hektoliter (hl) Bier geflossen. Damit konsumieren die Insulaner knapp ein Fünftel des Bieres, das in ganz Spanien getrunken wird (rund 33'3 Millionen hl). Nach Deutschland und Großbritannien ist Spanien der größte Bierproduzent der Europäischen Union.

Flossen laut Außenhandelsstatistik 2002 rund 816 hl Gerstensaft aus Deutschland nach Spanien, waren es 2007 knapp 1095 hl. Damit sei "Spanien der drittwichtigste Exportmarkt für unser bayerisches Bier", so Manfred Newrzella, Geschäftsführer Export vom Bayerischen Brauerbund in München. Führender Exporteur bayerischer Bierspezialitäten ist die Paulaner Brauerei.

Horst Brüntrup, der "seit 1988 Bier auf der Insel verkauft", unter anderem elf Jahre als Gebietsleiter der König-Brauerei (erst vor Kurzem hat er sich aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückgezogen), glaubt dennoch, Veränderungen feststellen zu können. So werde die "Tradition des Biertrinkens" von der jungen Generation nicht mehr fortgesetzt: "Die trinken genauso andere Sachen."

In Zeiten steigender Kosten habe sich das Qualitätsdenken zugunsten eines ausgeprägten Preisbewusstseins verwandelt. Masse statt Klasse, laute die Devise. Darauf verweise auch die steigende Nachfrage an All-inclusive-Angeboten: "Und die haben natürlich nicht die teuren deutschen Biere im Ausschank."

Alles relativ, findet Ulrich Biene, Pressesprecher der Veltins-Brauerei, die mittlerweise in rund 200 Gastronomie-Objekten auf Mallorca vertreten ist. Er hat festgestellt: "Wer deutsche Biertradition schätzt, der bleibt auch dabei." Seit 2000/01 könne Veltins "erhebliche Zuwächse" verbuchen, die Insel sei weiterhin ein überaus interessanter Markt. "Hochwertige Biere mit gastronomischer Strahlkraft" hätten die Konkurrenz aus dem niedrigeren Preissegment nicht zu fürchten.

Auch bei der Warsteiner Gruppe zählt Spanien nach Italien, den Niederlanden, USA und Großbritannien zu den wichtigsten Exportländern (insgesamt 800.000 Hektoliter entfallen auf das Exportgeschäft). Auf Mallorca werde auch Warsteiner prestigeträchtig nur in "Top-Outlets" ausgeschenkt, so Sprecherin Christiane Willeke, zu denen die Restaurants "Ritzie" und "El Greco" gehören.

Auch wenn der "Sauftourismus", wie Horst Brüntrup einräumt, eindeutig zurückgegangen sei auf Mallorca und die "kleinen Gastwirte" das zu spüren bekämen: Am Bier-Gesamtverbrauch ändert das wenig. Die Veränderungen deuten eher auf ein gestiegenes Gesundheitsbewusstein hin: So ist der Konsum an alkoholfreiem Bier in Spanien in den letzten fünf Jahren um 61 Prozent gestiegen und macht heute bereits 15 Prozent des Gesamtkonsums aus.

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.