Versprochen war etwas anderes

Schulbücher: Nach dem Wahlkampf ist nicht vor dem Wahlkampf

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Er war einer von denen, die in dieser Woche Klartext redeten: „Wer vor den Wahlen gratis Schulbücher für alle verspricht, muss hinterher rechnen und das Geld auf den Tisch legen. Die Regierung hat ihr Wahlversprechen nicht eingehalten”, sagte José Ingacio Pérez Argüelles, Vorsitzender der Elternvereinigung der Balearen. Damit sprach er den meisten Betroffenen aus der Seele, denn der Plan, den die zuständige Ministerin jetzt vorlegte, war für viele enttäuschend.

Hundert Euro für Erst- und Zweitklässler, und das Konzept für zukünftige kostenlose Leihbücher spaltet nun Verbände, Lehrer und Eltern. „Schulbücher müssen Eigentum der Schüler sein, um damit zu arbeiten und darin zu schreiben”, sagt die „Asociación Familiar de Baleares”. Nur Eigentum werde gut behandelt. „Im Gegenteil”, sagt die Elternvereinigung Coapa. Nur im Leihsystem lerne man, sorgsam mit den Büchern umzugehen. Das Ausleihen sei sinnvoll, es sei eher unverständlich, warum es nicht sofort eingeführt werde.

Unverständlich ist nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass das Schulministerium bei allen Planungen die privaten spanischen Schulen vollkommen übergeht, obwohl sie im Gegensatz zu den englischen und amerikanischen Schulen ebenso an die grundlegenden Richtlinien des geltendes Lehrplanes gebunden sind wie alle anderen Zentren. Wer viel Schulgeld zahlt, könne sich bestimmt auch die Bücher leisten, heißt es lapidar aus dem Ministerium. Dass viele Eltern sich das Schulgeld mühsam zusammensparen, auf die Idee kommt offensichtlich niemand.

Aber Rechnen ist auch nicht die Stärke dieser Minister, die Verantwortlichen haben jedenfalls ihr Wahlversprechen nicht so richtig kalkuliert, ganz nach dem Motto: „Erst mal wählen lassen, und dann sehen wir weiter.” Das war unklug, denn jetzt haben sie, trotz eines ganz guten Planes, überflüssigen Ärger am Hals. Denn dass das Leihbuchsystem problemlos funktioniert, zeigen die Erfahrungen in Deutschland seit Jahren: Hier zahlen Eltern gar nicht oder nur geringe Gebühren für die Schulbücher, die dann an die nächste Generation weitergegeben werden.

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