„Ich bin nur der Katalysator”

„Das Leben ist eine Achterbahn”: In seiner Autobiografie erzählt Martin Semmelrogge aus 50 Jahren Zeitgeschichte

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„Von „Enthüllungsschund” über sich und – noch mehr – andere hält er wenig. „Ich habe auch nichts zu enthüllen”, sagt Martin Semmelrogge. „Mein eigenes Leben mit seinen Höhen und Tiefen ist spannend genug.” Da wundert es kaum, dass seine Autobiographie, die Ende August (auch als Hörbuch) beim Verlag Langenmüller erscheint, den Titel „Das Leben ist eine Achterbahn” trägt. 50 Kapitel hat das Werk, für jedes Lebensjahr eines, erzählt der Schauspieler, der seit seiner Haftentlassung aus der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf im April – ein Drittel seiner Strafe wegen Fahren ohne Führerschein waren dem Freigänger wegen guter Führung erlassen worden – mit seiner Frau Sonja in Colònia de Sant Jordi lebt. Und damit es nicht so gnadenlos privat und detailverliebt wie andere Biographien daherkommt, hat der 50jährige seine eigene Geschichte mit gesellschafts-politischen Ereignissen verknüpft, die jedes Jahr von 1955 bis heute prägten: „Ich bin nur der Katalysator da drin.”

Das Ergebnis kann sich lesen und hören lassen – wobei das einzigartig „knarzige” Semmelrogge-Timbre dem Hörbuch, das er im Tonstudio des Musikers Willi Meyer in Palma aufgenommen hat, seinen unverwechselbaren Touch verleiht. Sarkastisch und selbstironisch verbindet er private Anekdoten mit – mehr oder minder bedeutsamen – Impressionen der Zeitgeschichte: Adenauer-Ära, erste Fernseher und Mondlandung, „Glücksklee” und „Raumschiff Orion”. Über Martins Geburtsjahr etwa erfährt der Leser, dass auch eine Institution, die später noch so manchen Schatten auf sein Leben werfen sollte, 1955 das Licht der Welt erblickte: die Flensburger Verkehrssünderkartei.

Auch die Wiedervereinigung wird vom Autor, der „im Osten (Erfurt) gezeugt und im Westen, in Boll-Eckwälden bei Stuttgart geboren wurde”, ausführlich bedacht: „Warum mussten wir uns unbedingt vereinigen?” – wo doch die unüberwindbarsten Grenzen in Wirklichkeit in den Köpfen bestehen?” So sei es auch mit denen, die meinten, er wolle aus seinen Exzessen doch nur Kapital schlagen: „Die haben nichts begriffen.” Vielmehr habe er sich mit diesem Buch noch mal auf eine oft schmerzhafte „Lebensreise durch die eigene Geschichte” begeben: „Vorher geht man meistens recht platt mit der eigenen Vergangenheit um. Ich habe auch noch mal die Liebe zu meinem Vater (Schauspieler Willy Semmelrogge, Anm. der Red.) und meiner Mutter richtig durchlebt – das war nicht immer leicht.”

Dabei sei ihm auch klargeworden, dass er einer „verschollenen Generation” ohne echte Wurzeln angehöre. In der Tat: Noch bevor er in Wolfgang Petersens „Das Boot” mitwirkte, spielte der Jungmime schon mit der alten Schauspieler-Garde um Theo Lingen, Brigitte Horney oder Gustav Knuth. Sein „bewegtes Leben” gibt Semmelrogge demnächst auch auf einer Lesereise durch Mallorca und danach in Deutschland preis. Die erste Lesung findet am 26. August um 21.30 Uhr auf der Kultur-Finca Son Bauló in Lloret de Vistalegre statt.



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