Roadmovie in Schwarz-Weiß

Nie verfilmt, aber gezeichnet: Das Drehbuch zu „El Sueño de Mexico”

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Oscar ist eine verkrachte Existenz. Acht Jahre war er von der Bildfläche verschwunden. Dann schneit er plötzlich in Barcelona bei seinem Kumpel Carlos in die Bude.

Und Carlos ist gar nicht gut drauf. Der Grund: Erst verlässt ihn seine Freundin Carmen. Dann erscheint Carlos zu spät und obendrein betrunken im Büro, eine Werbeagentur, und verprellt den wichtigsten Kunden. Klar, dass der Chef vor Wut kocht.

Carlos und Oscar sind die beiden Hauptakteure im neuen Comic des mallorquinischen Zeichners Bartolomé Segui, „El Sueño de Mexico” (Der Traum von Mexiko). Das Werk in Buchformat hat es in sich. Auf 110 Seiten entführt der Zeichner den Leser in ein Abenteuer, das in Barcelona beginnt und auf Menorca endet. Es ist eine geballte Ladung an Action, Gewalt und Wortwitz, vielen Landschaftseindrücken und – für einen Comic unglaublich – Musikfetzen von Flaco Jiménez. Passenderweise sind die Freunde mit einem gestohlenen Ami-Schlitten unterwegs, so dass sich der Eindruck eines Roadmovie nicht von ungefähr aufdrängt; glänzend festgehalten im Comic-Genre der „klaren Linie”.

Tatsächlich sollte der mexikanische Traum ursprünglich als Spielfilm realisiert werden. Das Drehbuch dazu stammte aus der Feder von Ramón de España, einem Romanautoren und Journalisten („El País”), der sich mit tragikomischen Satiren über die zeitgenössische spanische Gesellschaft einen Namen gemacht hat. Das Drehbuch ist indes kein neues Werk, sondern eine Arbeit, die bereits vor acht, neun Jahren das Licht der Welt erblickt hatte.

„Wir haben uns damals in Barcelona kennengelernt, und ich sollte das Drehbuch schließlich als Comic herausbringen. Aber in der Zwischenzeit kamen neue Aufträge und andere Projekte auf mich zu, so dass ich die Arbeit mehrfach unterbrechen musste”, sagt Bartolomé Seguí.

Mit seinem neuesten Wurf ist der 42jährige Comiczeichner, der in Santa Maria lebt, mehr als zufrieden. Neben seiner Arbeit als Kinderbuch-Illustrator veröffentlichte Seguí die beiden Comics „Cohiba Connection” und „Coca o ensaimada”. Daneben gibt er die vierteljährliche Comic-Zeitschrift „Esquitx” heraus, die sich vor allem an Schüler richtet.

Seguís jüngstes Werk ist ein weiterer Beleg dafür, dass Mallorcas Comicszene derzeit kreativ wie selten zuvor ist. Allein in diesem Jahr haben Zeichner wie Guillermo March, Pau Rodríguez oder Pere Joan gefeierte Alben veröffentlicht. „Der ,Traum von Mexiko' ist eine der besten Arbeiten, die in letzter Zeit erschienen sind – nicht nur vom Zeichnerischen her, sondern auch von der Handlung her”, lobt der mallorquinische Comic-Experte Tomeu Morey. „Das ist ein richtiger Meilenstein.”

„El Sueño de Mexico”, Ramón de España, Bartolomé Seguí, ISBN: 84-89929-68-8, zu haben u.a. bei Norma-Comics, C/. Nuredduna 7; 20 Euro.

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