Die gute Nachricht für Kaufinteressenten: Die Immobilienpreise
auf Mallorca werden im kommenden Jahr nicht weiter steigen.
Die schlechte Nachricht: Die Preise werden auch nicht groß sinken.
Stattdessen pendeln sie sich nach Einschätzung von
Immobilienhändlern und Rechtsanwälten 2003 auf dem jetzigen Niveau
ein.
Was nicht heißt, dass in Kaufverhandlungen mit Glück nicht doch
der eine oder andere Preisnachlass herauszuschlagen ist. Denn seit
Ende der 90er Jahre sind viele Immobilien im Preis derart
gestiegen, dass sie zum Teil stark überteuert sind. Will oder muss
ein Eigentümer nun verkaufen, sind die bisherigen
Preisvorstellungen je nach Lage und Alter der Immobilie nicht immer
zu halten. Vor allem deutsche Käufer sind seit ein, zwei Jahren
preisbewusster geworden, so die befragten Makler. Nicht zuletzt aus
diesem Grund sehen sich verkaufswillige Eigentümer mitunter
gezwungen, den Interessenten entgegenzukommen.
Mit einem konkreten Beispiel wartet Carlos Anselm vom
Immobilienbüro Costa Prestige in Palma auf. Lange hatte ein
Besitzer im Inselinnern nach einem Käufer für seine Finca Ausschau
gehalten: 30.000 Quadratmeter Grund, 500 Quadratmeter bebaut, acht
Schlafzimmer, Heizung, Pool. 2'1 Millionen Euro wollte der
Verkäufer haben. Nach zwei Jahren Warterei wechselte die Finca
schließlich für 1'6 Millionen Euro den Besitzer. „Es ist noch nicht
so weit, dass man sagt, die Preise sind wieder annehmbar. Aber man
befindet sich auf dem Weg dahin”, so Anselm.
Deutlicher als alle anderen befragten Immobilienhändler spricht
Engel & Völkers von einem Nachgeben des derzeitigen Niveaus:
„Die Preise sind, allgemein gesprochen, in diesem Jahr gesunken.
Zwar nicht dramatisch, aber so um die fünf bis zehn Prozent”, sagt
der Direktor des Büros in Palma, Terence Panton. Die Entwicklung
setze sich auch 2003 fort: „Die Preise können noch einmal bis zu
fünf Prozent nachgeben.” Das derzeitige Preisniveau bezeichnete
Panton je nach Einzelfall um bis zu 20 Prozent überteuert. Sollten
nun die Besitzer einer edlen Wohnung oder Villa ihre
Erlöserwartungen im Vergleich zum Jahre 2001 um bis zu 15 Prozent
abspecken, trete ein, was Panton als „realistischen Marktpreis”
bezeichnet.
Anders als Engel & Völkers geht die Mehrheit der befragten
Immobilienunternehmer davon aus, dass die Preise auf dem
derzeitigen Niveau verharren werden. Somit würde ein gewisser
Stillstand erreicht werden, nachdem die Preise sich auf den
Balearen in den vergangenen fünf Jahren mit 112 Prozent mehr als
verdoppelt hatten. „Die Preise bleiben weitgehend stabil”, lautet
für 2003 die Prognose von Matthias Kühn, der mit 18 Büros auf
Mallorca das größte Immobilienunternehmen auf der Insel, Kühn &
Partner, führt. Die Preisstagnation gilt nach seinen Worten indes
nicht für „einzigartige, herausragende” Objekte. Hier werden die
Preise für Villen, Chalets, Wohnungen oder Grundstücke weiter
anziehen. „In Spitzenlagen ist noch absolut Potential drin.”
Ähnlich sieht es Lutz Minkner von Profikonzept. „Preisnachlässe
sind praktisch nicht zu spüren und auch für 2003 nicht zu
erwarten.” Der Markt werde sich auf dem derzeitigen Niveau stabil
verhalten. „Bei Spitzenlagen kann er sogar noch um drei bis fünf
Prozent zulegen.” Edda Schatteburg von Schatteburg & Sullivan
Inmobilen Service, die vor allem den Markt in Palma im Auge hat,
sieht die Preise „auf hohem Niveau eingefroren, aber sie sinken
nicht wirklich”. Ob sich daran etwas im kommenden Jahr ändert,
hänge von der Entwicklung in Deutschland und der Welt ab. „Die
Bereitschaft der Verkäufer, herunterzugehen, ist erhöht, aber ein
massiver Preisverfall ist derzeit nicht feststellbar.”
Heidi Stadler von First Mallorca sieht die Preise dort am
Sinken, „wo sie schon seit Jahren zu hoch waren, nämlich am
Wiederverkaufsmarkt.” Gemeint sind Wohnungen und Häuser, die schon
15 bis 20 Jahre auf dem Buckel haben und im Falle eines Verkaufs
renoviert werden müssten. „Da stehen die Türen offen für
Verhandlungen”, sagte Stadler und schätzt den Spielraum je nach
Objekt auf „fünf bis 20 Prozent”. Allerdings: „Gute Objekte in
residenziellen Meerblicklagen nahe Palma haben keinen Grund,
preisliche Einbrüche zu erleiden.”
Ähnlich sieht es der Rechtsanwalt Joachim Süselbeck, der sich in
Palma auf Immobilien– sowie Bau– und Bodenrecht spezialisiert hat.
„Bei Objekten in guter Lage wird es kein Nachgeben der Preise
geben. Allerdings werden die Preise 2003 auch nicht weiter
steigen.” Wo Süselbeck indes durchaus ein Aufweichen der Preise
erwartet, sind jene Immobilien, die in den vergangenen drei Jahren
vor allem im Südwesten der Insel errichtet wurden. Diese zum Teil
gigantischen Wohnanlagen wurden im Bewusstsein der drohenden
Moratorien von Bauträgerfirmen noch rasch aus dem Boden gestampft,
um sie mit möglichst hohen Gewinnmargen an den Mann zu bringen.
Süselbeck schätzt die Zahl der dabei errichteten Wohnungen auf gute
Tausend. „Viele dieser Objekte sind errichtet worden, ohne dass man
eigentlich eine Zielgruppe hatte.” Nun würden diese meist lieblos
gebauten Anlagen – „ohne Meerblick und mit mangelhafter
Infrastruktur” – keine Käufer finden. „Hier müssten die Preise
zumindest um zehn bis 20 Prozent fallen, um wieder interessant zu
werden.”
Mitunter zwingt die Schuldenlast die Besitzer, sich rasch von
der Immobilie zu trennen, weiß der in Palma niedergelassene
Rechtsanwalt Hans von Rotenhan. In solchen Fällen war die Immobilie
auf Pump angeschafft worden, die Besitzer hofften auf stetig
steigende Aktienkurse. Bevor nun die Bank das Häuschen kassiert,
wollen die Schuldner „lieber ins Bargeld fliehen”, wobei sie beim
Preis zu Abstrichen bereit sind, so Rotenhan.
Der Anwalt und Vizehonorarkosul von Österreich, Jaime Lamas, hat
ein anderes Verfahren ausgemacht: In den offiziellen Kaufverträgen
wird der übliche Marktwert angegeben. Bei den Gesprächen im
Hintergrund werden indes Nachlässe ausgehandelt, die im Schnitt
zehn bis 20 Prozent betragen können.
Die Zurückhaltung der deutschen Käufer am Mallorca-Markt fällt
nach den Jahren des „Eldorados” (Süselbeck) um so drastischer aus.
„Der deutsche Markt hängt”, sagt Matthias Kühn; „der deutsche Markt
steht still”, sagt Lamas; „der deutsche Markt ist zu 80 Prozent
eingebrochen”, sagt Heidi Stadler von First Mallorca. Doch die
Immobilienhändler auf der Insel haben deswegen nicht weniger zu
tun. In die Lücke sind vor allem Briten gesprungen, gefolgt von
Skandinaviern und Niederländern.
„Viele Makler haben ihr Englisch-Wörterbuch herausgekramt”, sagt
Rechtsanwalt Rotenhan. „Die Briten kaufen eigentlich wie früher.
Sie sind aber derzeit die Einzigen, die kaufen.” Gleichwohl stellt
sich für Carlos Anselm die Lage nicht so dar, dass die Briten alles
aufkaufen, was die Deutschen zum Verkauf anbieten. Das Gros der
Engländer setze traditionell auf die unteren Preisbereiche, während
die Deutschen im mittleren Segment angesiedelt waren. „Die Briten
sind sehr interessiert. Aber auch sie warten ab, da britische
Medien prognostizierten, dass die Preise auf Mallorca fallen
werden.”
Nach Anselms Worten orientieren sich deutsche Käufer um auf
andere Gebiete: „Unser Brot-und-Butter-Kunde war bis vor einem Jahr
der hohe Angestellte, der mittlere Unternehmer, der bereit war, für
80 bis 90 Quadratmeter Wohnung um die 500.000 Mark auszugeben.” Da
sich die Preise allerdings auf Mallorca nahezu verdoppelten,
richten potentielle Käufer ihr Augenmerk auf das spanische
Festland, wo ein Einfamilienhäuschen laut Anselm nur halb so viel
wie auf Mallorca kostet.
Matthias Kühn sieht das anders: „Die Deutschen kaufen nicht
woanders. Sie kaufen gar nicht.” Schuld daran sei die
Wirtschaftskrise in Deutschland. Das Land sei Schlusslicht in
Europa. Hinzu komme eine weltweite Rezession, die die Konjunktur
bremse.
Ungeachtet der Probleme am Immobilien-Markt sind sich die Makler
einig, dass sich die Dinge im High-Class-Bereich weiterhin gut
entwickeln. Erstmals interessieren sich auch sehr wohlhabende
Briten für die Insel, sagt Matthias Kühn. Eine solche Nachfrage
nach exklusiven Mallorca-Liegenschaften habe es zuvor nicht
gegeben. Der deutsche Immobilienunternehmer macht darüber hinaus
eine „Großverlagerung” von Käufern nach Mallorca aus, die bereit
sind, zehn bis 20 Millionen Euro für eine Immobilie auszugeben. „Es
werden Leute kommen, die es bisher hier noch nicht gab.” Viele der
Interessenten stammen nach Kühns Worten aus Marbella und
Südfrankreich, aber auch aus arabischen Regionen. „Es gibt Leute,
die die ganze Familie hierher verlagern.” Der Grund dafür sei, dass
Mallorca als Insel mit geringer Kriminalität weitaus sicherer sei
als andere Orte auf dem Festland.
„Das A und O auf Mallorca sind die gute Erreichbarkeit und die
Sicherheit”, betont Kühn. Insbesondere die Geschäfte im oberen
Segment mit Einzelverkäufen von bis zu zehn Millionen Euro haben
dazu geführt, dass die Umsatzerwartungen voll erfüllt wurden.
Auch Minkners Profikonzept ist mit dem Geschäft zufrieden. Die
Zahl der Verkäufe sei zwar wegen der erlahmten deutschen Nachfrage
zurückgegangen. Gleichwohl aber habe das Unternehmen durch Verkäufe
im High-Class-Segment mit Immobilien im Wert von vier bis sechs
Milionen ein „sehr gutes Jahr” erlebt.
Die genannten Unternehmen sehen auch für 2003 positiv in die
Zukunft. „Wir haben keine Absatzprobleme, können daher nicht von
Krise sprechen”, sagt Minkner. Auch Matthias Kühn glaubt weiter an
Mallorca. Wenn sich die Wirtschaft in Deutschland wieder fange,
werde der deutsche Markt auf der Insel anziehen.
Nicht allen, die sich als Immobilienhändler auf der Insel
niederließen, war derselbe Erfolg beschieden. So ist von sechs
Unternehmen, die sich in Cala Ratjada an deutsche Kunden gerichtet
hatten, nur eines übrig geblieben, sagt ein Makler.
Anwalt Süselbeck spricht nach den „astronomischen”
Preissteigerungen der vergangenen Jahre von einer „Bereinigung. Was
sich jetzt entwickelt, ist ein gesunder Immobilienmarkt.” Susanne
Cerdá, Direktorin des Steuerberatungs– und Behördenservice in
Palma, schließt in Sachen Immobilienpreise einen „Riesen-Crash”
aus. „Die Insel wird ihren Wert halten.” Die Preisstagnation, die
die international agierenden Immobilienhändler ausgemacht haben,
wird von spanischen Maklerfirmen nur zum Teil bestätigt. „Die
Preise in Palma werden 2003 allerhöchstens nicht weiter steigen.
Sinken werden sie nicht. Und wenn, dann nur die, die überteuert
sind”, sagt Adolfo Garau von der Agentur D & D. Der Makler
sieht zudem viele Versteigerungen kommen. „Aber die besten Stücke
greifen sich die Banken vorneweg.”
Was derzeit in Palma auf dem Markt sei, ist „scheußlich und
teuer”, sagt Ana Maria Peñas (Peñas Fuster). Ein wenig Bewegung
gebe es für Wohnungen unter 130.000 Euro sowie für Reihenhäuschen
zwischen 210.000 bis 270.000 Euro. Der Quadratmeterpreis betrage in
Palma je nach Lage 1800 bis 2400 Euro. „Die Preise werden nicht
fallen.”
Als sehr teuer bezeichnet der Makler Laurence Lhermet
(Bienvenue) Palmas Inviertel Santa Catalina. Dort sind für die
alten Fischerhäuschen mit ihren 60 Quadratmetern bis zu 150.000
Euro zu zahlen. Das sei im Schnitt genauso viel wie für die rund 90
Quadratmeter großen Wohnungen in der Zone Es Fortí. „Preise sinken
nie”, sagt Ramón Palou (Inmobiliaria San Nicolas). Allein 2002
zogen sie in Palma um bis zu 13 Prozent an. Für 2003 rechnet Palou
mit drei bis vier Prozent. Selbst neue Wohnblöcke, wie sie längs
der Vía Cintura in die Höhe gezogen wurden, drücken laut Palou
nicht auf die Marktpreise. „Die Nachfrage ist da. Und die Wohnungen
werden gekauft.”
Kein Kommentar
Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich registrieren lassenund eingeloggt sein.
Noch kein Kommentar vorhanden.