Zu Hause im Wohnmobil

| Palma de Mallorca |
Noch bis Ende März, Anfang April wollen die Schiechels auf Mallorca bleiben.

Noch bis Ende März, Anfang April wollen die Schiechels auf Mallorca bleiben.

Noch bis Ende März, Anfang April wollen die Schiechels auf Mallorca bleiben.Slogan an der Außenwand des "Apollo".Das Oldtimer-Wohnmobil von Helga und Klaus Schiechel wurde in den USA gebaut.

Wie kann man sich in der heutigen Zeit den Traum von Freiheit und Abenteuer erfüllen? Vielleicht so, wie es Klaus und Helga Schiechel schon fast 20 Jahre lang machen. Seit 1997 ist das deutsch-österreichische Paar nur ein paar Wochen pro Jahr zu Hause im bayerischen Wolfratshausen. Den Rest der Zeit sind die beiden on the road. Mit einem einmaligen Wohnmobil, das bereits mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat. Im Moment machen die Schiechels Station auf Mallorca.

"Ich kann mich nirgendwo festbeißen, möchte frei und unabhängig sein", meint der 72-jährige Klaus Schiechel. Seine zwei Jahre jüngere Frau nickt und sagt: "Ich fühle mich da daheim, wo ich gerade bin." Ihr Mann ergänzt: "Was soll ich in einem Hotel? Das buche ich für 14 Tage und dann muss ich 14 Tage bleiben. Mit dem Wohnmobil fahre ich einfach weiter, wenn es mir irgendwo nicht gefällt."

Es ist kein normales Wohnmobil, mit dem die Schiechels gerade in der Nähe des Palma-Aquariums gastierten. Bei dem Gefährt handelt es sich um ein Fabrikat der US-Marke "Apollo", das um 1980 in Kalifornien gefertigt worden ist. Das genaue Baujahr ist nicht bekannt. 1983 verpasste der Vorbesitzer dem Fahrzeug ein Mercedes-Fahrgestell, seit 15 Jahren gehört es dem Paar aus Bayern. "Dieses Wohnmobil ist einmalig in Europa, in dieser umgebauten Version sogar auf der Welt. Früher hat es mal einen Original-Apollo in Belgien gegeben, aber das ist lange her." Das Dauer-Urlaubsdomizil der Schiechels ist zehn Meter lang, 2,50 Meter breit und 3,40 Meter hoch. Ein Sechs-Liter-Motor bringt es auf 140 PS, der Diesel-Verbrauch liegt bei 16 bis 17 Litern auf 100 Kilometer. Die Spitzengeschwindigkeit beträgt 125 Stundenkilometer. "Aber so schnell fahren wir nie."

1997 haben Helga, die eine Schneiderei betrieb, und Klaus, gelernter Programmierer, zu Hause alles verkauft und gingen auf die Reise. Sie erfüllten sich den Traum, den viele träumen, aber dann doch nie umsetzen. Eigentlich wollten sie sich ein Häuschen im Süden suchen. Sie fanden nichts und blieben beim Wohnmobil. Seitdem gibt es kaum einen Flecken in Europa, den die beiden nicht bereist haben. Von Skandinavien über die baltischen Staaten, Osteuropa oder der Süden des Kontinents wie Griechenland, Italien, Spanien, Türkei. Sie waren überall.

Bevor ein neues Ziel angesteuert wird, lesen die beiden viel über das jeweilige Land. "Oft wissen wir mehr über die jeweilige Region als die Leute vor Ort", lacht Helga Schiechel, die sich unterwegs meist mit der Rolle der Beifahrerin begnügt. Auf Mallorca sind die beiden das erste Mal. Sie kamen am 20. Oktober an, standen schon in Inca, auf Palmas Paseo Marítimo, in Alcúdia und Pollença. Der Platz an der Playa de Palma resultierte daraus, dass Klaus' Bruder Erwin gerade Urlaub in einem benachbarten Hotel machte. Man unternahm einiges gemeinsam. 

Noch bis Ende März, Anfang April wollen die Schiechels Mallorca kennenlernen. Ihr Herz scheinen sie schon ein wenig an die Insel verloren zu haben. "Es ist super hier. Sehr sauber. Viel sauberer als in anderen Gegenden wie zum Beispiel Griechenland, Türkei oder Sizilien. Hier gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten, die Entfernungen sind kurz und wir haben schon schöne Städte gesehen." Das Paar ist sogar so angetan von der Insel, dass der "Apollo" vielleicht hier bleibt. "Wenn wir ein Grundstück für ihn finden, dann ist das durchaus möglich. Dann kommen wir das nächste Mal mit dem Flugzeug."

Die Tage und Nächte verbringen wollen die beiden aber weiterhin im Wohnmobil. Auf 23 Quadratmetern haben sie alles, was man zum Leben braucht. Bett, Bad, Küche, Satelliten-TV. "Man muss sich natürlich auf so engem Raum gut riechen können", meint Klaus Schiechel und schaut seine Helga an. Wenn es mal Zoff gibt, wird dieser schnell beigelegt.

Dass sie mit ihrem Oldtimer Aufsehen erregen, sind die reiselustigen Bayern gewöhnt. Praktisch jeden Tag klopft der eine oder andere Neugierige an die Tür. "Von uns sind Tausende Fotos im Umlauf." Auch die Polizisten winken freundlich, wenn sie vorbeifahren. Probleme gibt es keine. "Man hat uns erklärt, dass wir überall dort stehen können, wo auch ein normales Auto geparkt werden darf."

Bei der Frage, warum sie sich denn eigentlich kein neues, moderneres, komfortableres Wohnmobil zulegen, verfinstert sich die Miene von Klaus Schiechel. "Nein, das wäre gar nicht lustig."

Dass man die Abenteuer-Urlauber noch öfter auf Mallorca sehen kann, ist wie gesagt wahrscheinlich. Die Sommermonate verbringen sie aber, wie schon seit zwei Jahren, wieder in ihrem kleinen Häuschen in Österreich. Und der "Apollo" steht natürlich vor der Tür. Wenn er nicht doch auf der Insel bleibt ...

(aus MM 53/2015)

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