Leben, wo andere Urlaub machen

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Gönnen Sie sich einen "Touristentag": So verlieren Sie nicht den Blick für das Schöne

Im Dezember 2024 gibt es viele Jahre auf Mallorca, mit Ausnahme dieses Artikels (bis auf ein zur Arbeit an Gluthitze im Sommer) nie bereut. Aber es gibt diese Momente, die fast jeden von uns, die wir auf Mallorca leben, irgendwann einholen. Man steht am Strand, das türkisfarbene Wasser glitzert wie auf einem Postkartenmotiv, die Berge im Hintergrund erheben sich majestätisch, und man fühlt ... nichts. Gar nichts. Kein Staunen, keine Freude, kein "Wow, was für ein Privileg, hier zu sein". Nur der Gedanke: Was mache ich hier eigentlich?

Dieser Zustand des sogenannten "Mallorca-Blind-Seins" befällt vor allem diejenigen von uns, die hier nicht als Touristen, sondern als hart arbeitende Bewohner leben. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass wir die schönsten Sonnenuntergänge der Welt oft nur aus dem Autofenster betrachten, während wir zum nächsten Termin hetzen. Die Strände? Verstopft. Die Schönheit Palmas genießen? Keine Zeit. Und der Gedanke, sich einfach mal einen ganzen Tag Zeit zu nehmen, um durch die Tramuntana zu wandern? Illusion. Wer ein eigenes Geschäft führt oder im Dienstleistungssektor arbeitet, weiß, dass Freizeit hier oft ein Fremdwort ist.

Vom Staunen zur Routine

Das Paradoxe ist, dass wir alle aus einem bestimmten Grund hierhergekommen sind – oder geblieben sind. Die Natur, das Licht, das Meer – all das war am Anfang wie ein Liebes-trank, der uns verzaubert hat. Doch wie das bei jeder großen Liebe ist, kann der Alltag auch die stärkste Faszination dämpfen. Plötzlich wird das, was uns einst verzauberte, selbstverständlich. Die Mandelblüte im Februar? Ja, schön, aber sie kommt jedes Jahr. Der Blick aufs Meer? Toll, aber im Sommer nerven die Massen an den Stränden. Und die Berge? Wer hat schon Zeit, sie zu erkunden, wenn der Terminkalender voll ist?

Ein Freund, der seit 20 Jahren auf Mallorca lebt, sagte kürzlich zu mir: "Weißt du, ich habe seit fünf Jahren keinen Fuß mehr in den Sand gesetzt. Früher war ich jeden Sonntag am Strand, heute sitze ich im Büro oder vor dem Fernseher." Dabei wohnt er nur fünf Minuten vom Meer entfernt!

Warum verlieren wir den Blick für das Schöne?

Vielleicht liegt es daran, dass wir uns zu sehr in den Herausforderungen des Lebens verstricken. Mallorca ist kein ewiges Urlaubsparadies, sondern ein Ort, an dem man hart arbeiten muss, um zu überleben. Die Lebenshaltungskosten steigen, die Nebensaison bringt oft finanzielle Sorgen, und viele von uns haben zwei oder sogar drei Jobs, um über die Runden zu kommen.

Ein anderer Grund ist die Gewohnheit. Der Mensch ist erstaunlich anpassungsfähig – leider auch, wenn es um die Schönheit der Umgebung geht. Was uns am Anfang den Atem geraubt hat, wird zur Kulisse unseres Alltags.

Der Zauber liegt
in den Details

Wie also entkommt man dieser Mallorca-Müdigkeit? Die Antwort ist überraschend einfach: Schauen Sie genauer hin. Heben Sie den Blick. Bleiben Sie stehen. Hören Sie auf, durch Ihr Leben zu rennen, und nehmen Sie sich die Zeit, die kleinen Wunder der Insel wahrzunehmen.

Wussten Sie, dass es in den Bergen der Tramuntana mehr als neun verschiedene Orchideenarten gibt? Oder dass die Sonnenuntergänge über der Sa Foradada bei Deià zu den spektakulärsten der Insel zählen? Wie oft haben wir uns gesagt: "Das mache ich irgendwann mal", ohne es je wirklich zu tun?

Die Magie des Touristenblicks

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Besuch auf Mallorca? Dieses Gefühl, als Sie zum ersten Mal den Duft von Pinien in der warmen Sommerluft einatmeten? Das Kribbeln, als Sie das türkisblaue Wasser sahen? Diese Magie können wir uns zurückholen, wenn wir die Insel mit den Augen eines Touristen betrachten.

Gönnen Sie sich einen "Touristentag". Fahren Sie zum Cap Formentor, auch wenn die Straße kurvig ist. Gehen Sie barfuß am Es Trenc spazieren, auch wenn der Parkplatz überteuert erscheint. Nehmen Sie sich ein Picknick mit und genießen Sie den Moment.

Und falls Sie Kinder haben: Gehen Sie mit ihnen hinaus. Kinder haben diese wundervolle Fähigkeit, das Schöne zu sehen, wo wir Erwachsenen es längst übersehen. Eine Muschel am Strand, ein Schmetterling im Garten – für die Kinder sind das große Schätze.

Natur als Therapie

Die Natur hat eine heilende Wirkung, die wir oft unterschätzen. Studien zeigen, dass schon 20 Minuten in der Natur Stress abbauen und das Wohlbefinden steigern können. Warum also nicht die Mittagspause im Park verbringen oder nach Feierabend einen kurzen Spaziergang am Meer machen?

Ein anderer Freund von mir hat sich angewöhnt, jeden Sonntagmorgen vor Sonnenaufgang aufzustehen und eine Stunde am Strand zu meditieren. Er sagt, das gibt ihm die Energie, die er für die Woche braucht. Vielleicht ist Meditation nicht jedermanns Sache, aber allein das bewusste Erleben der Natur kann Wunder wirken.

Ein bisschen Humor
hilft immer

Falls Sie trotz allem weiterhin Schwierigkeiten haben, die Schönheit der Insel zu sehen, hier ein letzter Tipp: Stellen Sie sich vor, Sie müssten zurück nach Deutschland. Sagen wir, im Februar. Sie stehen in einer grauen Fußgängerzone, Regen tropft Ihnen in den Kragen, und der Wind treibt nasse Blätter vor sich her. Na, fühlen Sie das Staunen schon zurückkehren?

Dankbarkeit als Schlüssel

Vielleicht liegt das Geheimnis auch darin, dankbar zu sein. Dankbar dafür, dass wir hier leben dürfen, an einem Ort, von dem Millionen Menschen träumen. Dankbar für die kleinen Momente der Schönheit, die uns das Leben hier schenkt.

Mallorca hat uns so viel zu bieten. Wir müssen nur den Mut haben, unseren Blick wieder darauf zu richten – und vielleicht einen Moment innehalten, bevor wir das nächste Mal an den Schönheiten der Insel achtlos vorbeihasten. Denn vergessen wir nicht: Viele Menschen träumen ihr Leben lang davon, dort zu sein, wo wir sind.

Also lassen Sie uns den Blick nicht verlieren – und das Leben hier wieder in vollen Zügen genießen. In diesem Sinne.