Spanien hat's verdient – enhorabuena!

Niederlagen zum Wohle der Völkerverständigung tun nicht so weh

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Für Spanien geht eine jahrzehntelange Geschichte des Misserfolgs zu Ende. Noch nie schaffte es die „Selección” so weit wie diesmal. Der Sieg im Halbfinale der WM über das deutsche Team ist der größte Erfolg in der Geschichte des spanischen Fußballs. Bisher stand das meist enttäuschende Abschneiden beim wichtigsten Sportereignis stets im krassen Gegensatz zum Selbstverständnis der stolzen spanischen Nation. Jetzt ist das Land da, wo es immer so sehr hinwollte: Mitten im Fokus der Weltöffentlichkeit. Schon in Zeiten der Diktatur war es der Sport, der dem Land die internationale Anerkennung bringen sollte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Zuletzt musste sich Spanien ob der immer neuen Krisenmeldungen ein bisschen wie das Schmuddelkind Europas fühlen. Der Triumph der nationalen Kicker macht das nun mehr als wett – zumindest für ein paar Tage.

Manch einer mag sich hin und wieder an den schrillen Tönen stören, die den Fußball hierzulande zu begleiten pflegen, an dem stets mit großem Selbstbewusstsein demonstrierten Glauben an die eigene Stärke. Spaniens Fußballer aber haben in diesen Tagen Größe bewiesen. Da gab es kein böses Wort, keine Provokation oder Geringschätzung des Gegners. Selbst als Verteidiger Sergio Ramos Deutschlands Lukas Podolski auf dem Rasen einmal unschön in die Parade fuhr, war ihm das gleich sichtlich peinlich. Während deutsche Duelle mit den Niederländern, mit den Engländern oder Italienern stets reichlich Zündstoff bieten, birgt das deutsch-spanische Kräftemessen offenbar kaum ernsthafte Rivalität.

Das gilt auf Mallorca ganz besonders. Schließlich kreuzen sich an keinem anderen Ort die Schicksale so vieler Menschen beider Länder wie auf dieser Insel. Man ist sich nahe, man teilt dasselbe Los, ja, man braucht einander. Das alles macht es doch recht einfach, den Spaniern ihren Sieg zu gönnen – mal ganz abgesehen davon, dass er ohne jede Frage hochverdient war.

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