„Es wird schlimm für ihn”

Sportmoderator Gerhard Delling im Interview

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Für den Fernsehzuschauer ist es ein tiefer Einschnitt. Am 10. Juli, mit dem dritten Platz des deutschen Teams bei der Fußball-WM in Südafrika, verabschiedete sich Günter Netzer. 13 Jahre lang präsentierte er als Experte zusammen mit Moderator Gerhard Delling die Spiele der deutschen Nationalmannschaft in der ARD. Jetzt lässt Netzer Delling alleine, geht in den TV-Ruhestand. Ein Vorgang, der gute Chancen hat, in den Rückblicken auf 2010 als "Trennung des Jahres" genannt zu werden.

Knapp drei Wochen sind vergangen. "Tut es noch sehr weh, über den Abschied zu sprechen?", fragt MM Gerhard Delling, der sich gerade auf Mallorca von der WM erholt. Der 51-Jährige schmunzelt. "Nein, das fällt nicht schwer. Für mich ändert sich nicht so viel. Wir haben ja weiterhin Kontakt."

Delling moderiert regelmäßig die ARD-Sportschau und den Sportclub im NDR-Fernsehen. Der breiten Öffentlichkeit, auch Menschen, die sich nicht für Sport begeistern, sind aber vor allem die scharfzüngigen und unterhaltsamen Auftritte mit Netzer bekannt. Im Jahr 2000 haben die beiden dafür den Adolf-Grimme-Preis bekommen.

"Gespielt ist nichts", betont Gerhard Delling. "Genauso wie vor der Kamera reden wir auch privat miteinander. Schärferer Humor, Ironie und die eine oder andere nett gemeinte Beschimpfung sind zwischen uns durchaus üblich." Auch heute noch sind Delling und Netzer "per Sie". Dennoch verbindet die beiden eine echte Freundschaft.

"Natürlich sehen wir uns nicht jeden zweiten oder dritten Tag. Aber wir tauschen uns regelmäßig aus. Es ist ein großes Urvertrauen vorhanden." Delling ist felsenfest überzeugt, dass es für Netzer keinen Rücktritt vom Rücktritt geben wird.

"Natürlich wird ihm etwas fehlen, und es wird ganz schlimm für ihn werden", meint der gebürtige Rendsburger und lacht. "Aber diese Entscheidung ist endgültig."

Rund 24 Millionen Deutsche sahen das Ende des TV-Duos Netzer/Delling. Die deutsche Mannschaft hatte laut dem Moderator in den Wochen zuvor den passenden Rahmen für den Abschied des Experten geliefert.

Delling: "Abgesehen von dem Auftritt beim Spanien-Spiel hat es immer Spaß gemacht, zuzusehen. Von der Mannschaft konnte man wirklich begeistert sein." Beeindruckt ist der Journalist auch vom Gastgeberland: "Ich glaube, für Südafrika war das Turnier ein unglaublicher Imagegewinn.

Vorher hatten wir doch alle größere Befürchtungen. Sicher, einige Kollegen sind mit der Kriminalität in Berührung gekommen. Es ist aber weniger passiert, als im Vorfeld gemutmaßt." Wird sich die WM auch auf die Lebensbedingungen der Südafrikaner auswirken?

"In diesem Punkt bleibt bei mir eine gewisse Nachdenklichkeit. Wir haben täglich die krassen Gegensätze gesehen. Menschen, die so leben, wie wir das kennen. Und andere, die wirklich menschenunwürdig leben, ohne den Hauch einer Chance, dass sich daran mal etwas ändern wird. Es könnte sein, dass die WM einen Impuls gegeben hat. Ob das aber wirklich so ist, bleibt abzuwarten."

Zwei Wochen erholt sich Gerhard Delling jetzt mit Frau und Kindern auf Mallorca vom südafrikanischen Winter. Zuerst war die Familie im Dorint in Camp de Mar, es folgen ein paar Tage zu Gast bei einem guten Freund, dem Versicherungsunternehmer Axel Lange.

"Auf Mallorca fühlen wir uns schon etwas heimisch", meint Delling, der die Insel oft besucht hat. Er genießt hier jetzt Tage, "an denen nichts auf dem Zettel steht", relaxt, treibt Sport. "In zwei Wochen geht es ja schon wieder weiter. Ich muss jetzt den Kopf frei kriegen, um wieder Lust zu haben auf das, was dann kommt."

Im TV sieht man Gerhard Delling zurzeit "nur" als Sportmoderator. In den vergangenen Jahren hatte er auch immer wieder Auftritte abseits des Sports, zuletzt 2008 mit dem Magazin "Dellings Woche" im WDR. "Ich arbeite an vielen kleinen Projekten, die mir Spaß machen. Der Tag hat immer noch zu wenige Stunden.

Es gibt auch immer wieder Ideen für TV-Projekte. Aber die Luft ist dann relativ dünn. Irgendetwas machen - das könnte ich immer. Aber wenn, dann muss es etwas sein, wo ich mich auch weiterentwickeln kann. Deswegen gucke ich genau hin."

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