Spaziergang im Staub

20. Juli 1969: Als erster Mensch betritt US-Astronaut Neil Armstrong den Mond

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Astrophysiker Dr. Vadim Burwitz, damals gerade vier Jahre alt, hörte von der Sensation im Radio - und wartete auf die "Mondmusik". Wer schon etwas älter war, stand staunend vor dem Fernseher, der zwar nur verschwommene Schwarz-Weiß-Bilder und von Rauschen verzerrte Funksprüche - und die auch noch auf Englisch! - von sich gab, und dennoch nicht den geringsten Zweifel ließ: Hier passiert gerade Weltgeschichte.

Sonntag, 20. Juli 1969: Apollo 11 - bemannte US-Mission des 1960 gestarteten Apollo-Programms - landet auf dem Mond. Als erster Mensch setzt Astronaut Neil Armstrong seinen Fuß in den weißen Mondstaub: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit." Ein Satz, der der Welt im Gedächtnis bleiben soll. Vor den weltweit 500 Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten spielt sich ein Szenario ab, das für viele bis heute als dramatische Prägung ihrer Weltanschauung erinnert wird. Rund 25 Milliarden Dollar - was heute 100 Milliarden Dollar entspricht - rund 50.000 Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure und Mitarbeiter machen es unter dem Antreiber "Kalter Krieg" möglich: Das Mammutprojekt der US-Raumfahrt gewinnt den Wettlauf im All gegen die Russen. Bei der Fernsehübertragung dort, sagt Dr. Arkadi Prokopov aus La Vileta, der damals in Moskau lebt, gibt es in dem Moment, da die US-Flagge auf dem Mond gehisst wird, eine "technische" Störung: "Es war natürlich eine politische Störung." Bis 1972 folgen auf Apollo 11 - hin und zurück zur Erde waren es über 1'5 Millionen Kilometer - sechs weitere Reisen auf den Mond, fünf davon sind erfolgreich. Apollo 13 muss 1970 nach technischen Problemen ohne Landung zurückkehren, dass die Astronauten überlebten, gilt fast als Wunder (1995 mit Tom Hanks verfilmt).

Dass eine Rückkehr zum Mond in absehbarer Zeit bevorsteht, gilt für viele Experten als sicher: Die Amerikaner bräuchten ihn als eine Art Testgelände für eine spätere Marsmission. In der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau wurde gerade eine neue Weltraum-Simulation beendet, die einen 105-tägigen Marsflug nachstellte: Sechs Testpersonen lebten während dieser Zeit eingeschlossen in der künstlichen Atmosphäre einer Kapsel. Für März 2010 ist der nächste Test geplant, der 520 Tage dauern soll.

Der Countdown läuft also wieder - auch für eine Rückkehr zum Mond. So plant die Nasa dort in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten die Errichtung einer dauerhaft bemannten Station. Konkurrenz im All gibt es unterdessen aber auch von China, das ebenfalls eifrig am Bau einer Mondstation arbeiten soll. Seit einigen Monaten veröffentlicht die chinesische Regierung regelmäßig Details des zuvor geheim gehaltenen Raumfahrtprogramms. So soll 2012 ein zunächst unbemanntes Fahrzeug die Oberfläche erforschen, die erste bemannte Mondlandung ist für 2020 geplant.

Die Faszination Mond hält an - zumindest für alle, die noch nicht da waren. Als der heute 79-jährige US-Astronaut Edwin Aldrin zum anstehenden Jubiläum kürzlich nach seinem Empfinden beim Betreten des Mondes gefragt wurde, antwortete er: "Eine großartige Trostlosigkeit. Totale Stille, kein Leben, nur tote Materie - und Staub, der alles bedeckt." Am 20. Juli wird der jedenfalls kräftig wieder aufgewirbelt und Erinnerungen wecken - an einen Tag, der Weltgeschichte schrieb.

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