Interview: „Wachstum auf Mallorca auch 2009”

Joachim Hunold steht der Fluggesellschaft Air Berlin seit fast zwei Jahrzehnten vor. Unter seiner Führung stieg das kleine Unternehmen zur Nummer fünf in Europa auf. Ans Aufhören denkt der Vollblut-Airliner noch lange nicht

Mallorca Magazin: Hand aufs Herz, Herr Hunold, als Sie 1991 bei Air Berlin einstiegen, war Ihnen da schon klar, dass Ihre Airline zur Nummer zwei in Deutschland aufsteigen wird?
Joachim Hunold: Natürlich nicht. So eine Entwicklung ist ein Prozess, der sich immer wieder aufbauend, über Jahre hinzieht.

MM: Gerade in den vergangenen Jahren ist Air Berlin außerordentlich gewachsen. Sie übernahmen die dba, die LTU, jetzt arbeiten Sie an der strategischen Partnerschaft mit der Airline des TUI-Konzerns, Tuifly. Wie hoch hinaus wollen Sie denn noch?
Hunold: Unsere Strategie war immer, Märkte zu definieren, Marktchancen zu erkennen und diese Märkte dann zu bedienen.

MM: Muss die Deutsche Lufthansa Sie auch fürchten?
Hunold: Im Verhältnis zur Lufthansa, die sich über Jahre als Global Player entwickelt hat, sind wir nach wie vor ein Nischen-Carrier.

MM: Was ist das Erfolgsgeheimnis von Air Berlin?
Hunold: Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und hochmotivierte Mitarbeiter, die einen guten Service liefern.

MM: Welche Bedeutung hat Mallorca beim Aufwärtstrend von Air Berlin gespielt?
Hunold: Mallorca war bei dem Wachstum der Air Berlin in den ersten zehn Jahren die entscheidende strategische Komponente.

MM: Im aktuellen Sommerflugplan bieten Sie 340 Direktverbindungen pro Woche von Deutschland nach Mallorca, 19 mehr als im Vorjahr. Wäre Air Berlin ohne Mallorca nicht zu dem geworden, was es heute ist? Oder anders gefragt: Stellen die "deutschen Ballermänner" das Rückgrat Ihrer Airline?
Hunold: Durch unser Drehkreuz auf Mallorca bieten wir nicht nur touristischen Kunden, sondern auch Geschäftsreisenden ein flächendeckendes Angebot auf der iberischen Halbinsel.

MM: Derzeit wird viel von Krise geredet. Wie sehen Sie das? Stecken Air Berlin und Mallorca in einer Krise?
Hunold: Was Mallorca betrifft, sehen wir keine Krise, da wir gerade durch den Aufbau der innerspanischen Verbindungen selbst in diesem Jahr ein Wachstum auf Mallorca verzeichnen.

MM: Derzeit wird auf dem Airport in Palma der C-Terminal ausgebaut, um Drehkreuz-Flüge rascher und bequemer abzufertigen. Was wird sich dadurch für Air Berlin verändern?
Hunold: Die weiterführenden Verbindungen werden durch den Ausbau noch attraktiver und damit kundenfreundlicher.

MM: Wie bewerten Sie die Flughafengebühren in Palma. Sind sie günstig, fair, zu teuer?
Hunold: Die Gebühren für Mallorca und generell in Spanien sind zu hoch und kontraproduktiv bei nachlassenden Tourismuszahlen.

MM: 2008 schoss der Ölpreis in den Himmel, stand bei 150 Dollar pro Barrel. Jetzt pendelt er bei 50 Dollar. Wäre das nicht ein Grund, die Ticketpreise auch um zwei Drittel zu reduzieren?
Hunold: Grundsätzlich ist diese Annahme richtig. Da wir jedoch zum größten Teil den Fuel abgesichert haben und andere Kostensteigerungen erfolgt sind, ist kein Raum für Preisreduzierungen.

MM: Was wird ein Manager wie Joachim Hunold einmal machen, wenn er nicht mehr Air Berlin managt? Gibt es ein Leben nach Air Berlin?
Hunold: Wenn die Zeit irgendwann einmal kommen sollte, wird es bestimmt für mich andere Interessen geben, die meinen Tag ausfüllen, was ich aber momentan nicht sehe.

MM: Und gibt es für Air Berlin ein Leben nach Joachim Hunold?
Hunold: Ich wäre ein schlechter Manager, wenn der Zeitpunkt kommen sollte, und ich kein gut bestelltes Haus hinterlassen würde.

Die Fragen stellte Alexander Sepasgosarian.

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