David Odonkor: „Der nächste Schritt ist die EM”

Bei der WM 2006 war David Odonkor einer der Hauptdarsteller des deutschen Sommermärchens. Bei Betis Sevilla hat es der Flügelflitzer aber noch nicht zum Stammspieler gebracht. Im Interview mit MM spricht Odonkor über seine Leidenszeit, neue Ziele und kreischende Fans

Mallorca Magazin: Wie schnell laufen Sie die 100 Meter, Herr Odonkor?
David Odonkor: Weiß ich nicht. Aber auch wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten.
MM: Warum das?
Odonkor: Überleg mal, es kommen elf oder zwölf Sekunden dabei raus. Das wäre zu langsam. Darum würde ich es nicht verraten. Außerdem sind beim Fußball die ersten 30 bis 40 Meter entscheidend, nicht die ersten 100.

MM: Seit wann sind Sie wieder ganz fit?
Odonkor: Seit sechs Wochen bin ich wieder im Mannschaftstraining.
MM: Bisher saßen Sie aber fast nur auf der Bank. Die Situation ist unbefriedigend für Sie?
Odonkor Ich werde einfach weiter mein Bestes geben und dann werden wir weitersehen. Ich fühle mich gut, das Knie hält. Mal sehen, wann ich zum Einsatz komme.

MM: Sie lächeln, wenn Sie das sagen. Sehen Sie das tatsächlich so locker?
Odonkor: Natürlich bin ich frustriert und enttäuscht. Aber wass soll ich dazu sagen. Ich muss einfach das Beste daraus machen. Warum soll ich jetzt traurig sein oder im Boden versinken? Ich werde so sein wie immer: lustig. Ich lache viel und das werde ich beibehalten.

MM: Sie sind kürzlich 24 geworden. Was haben Sie sich fürs neue Lebensjahr vorgenommen?
Odonkor: Gesund zu bleiben. Alles andere kommt von alleine.
MM: Wo werden Sie im Mai dieses Jahres sein?
Odonkor: Ich will hoffen, dass ich mit der Nationalmannschaft hier auf Mallorca bin, dass ich da eine große Zeit feiere. Aber das liegt daran, ob ich spiele oder nicht. Wenn ich spiele, dann kann ich es gut schaffen. Wenn nicht, muss ich mir meine Gedanken machen.

MM: Sie haben noch Vertrag bis 2011 bei Betis...
Odonkor: Ich schau jetzt mal bis zum Sommer und dann sehen wir weiter.
MM: Sind Sie im Kontakt mit dem Bundestrainer?
Odonkor: Wir telefonieren sehr oft miteinander und sprechen darüber, wie es mir geht und ob ich spiele. Über die EM haben wir noch nicht geredet. Das ist ja noch lange hin.

MM: Wenn Sie regelmäßig telefonieren, dann bedeutet das aber schon, dass Sie zum Stamm der Nationalmannschaft gehören?
Odonkor: Ich will's hoffen. Das liegt nur an mir selbst, ob ich meine Leistung bringe.
MM: War die WM 2006 für Sie bisher der Höhepunkt Ihrer Karriere?
Odonkor: Ja. Aber den nächsten Schritt möchte ich jetzt auch machen. Und das ist die Europameisterschaft. Wenn ich das schaffe, habe ich wieder den nächsten Höhepunkt erreicht.

MM: Auch um Sie herrschte ein enormer Rummel während der WM in Deutschland. Wie haben Sie das erlebt?
Odonkor: Ich kann damit gut umgehen. Ich will mich einfach nur auf den Fußball konzentrieren.
MM: Kreischende Mädchen stören Sie also nicht?
Odonkor: Ich finde das immer schön, wenn Fans meinen Namen rufen oder mir zukreischen. Ich liebe Kinder und es ist immer schön, wenn Jugendliche einen als Vorbild haben. Ich möchte einfach nur mein Bestes zurückgeben und das versuche ich halt.

MM: Und wenn sich dann plötzlich wildfremde Leute für Ihr Privatleben in-teressieren?
Odonkor: Das können sie ja machen. Ich weiß, was ich mit meiner Familie zu tun habe und was die anderen sagen, interessiert mich nicht.
MM: Als Sie wegen eines Verkehrsdelikts zu einer Geldstrafe verurteilt wurden, interessierten sich plötzlich alle dafür...
Odonkor: Ich bin noch jung und jeder Mensch macht mal Blödsinn. Aber man lernt aus Fehlern und dann versucht man, sie abzustellen.
MM: Wie sind Sie von den Fans bei Betis aufgenommen worden?
Odonkor: Sehr freundlich. Wie auch von der Mannschaft. Ich habe vom ersten Tag an dazugehört. Das fand ich sehr positiv.
MM: Ihr Schweizer Mitspieler Johann Vogel hat Ihnen anfangs viel geholfen...
Odonkor: Er hat mir sehr geholfen. Wir sind auch jetzt noch in Kontakt, obwohl er ja leider nicht mehr für Betis spielt. Ich muss da jetzt selbst durch. Außerdem habe ich ja jetzt Marko Babic dazubekommen, der auch Deutsch spricht. Den kenne ich noch aus der Zeit, als er in Leverkusen gespielt hat.

MM: Es spielen noch zwei weitere Deutsche in der Primera División. Haben Sie zu denen Kontakt?
Odonkor: Mit Christoph Metzelder telefoniere ich ab und zu. Mit Timo Hildebrand auch.
MM: Betis hat 6'5 Millionen Euro Ablöse für Sie an Borussia Dortmund gezahlt. Ist das ein zusätzlicher Druck gewesen?
Odonkor: Natürlich habe ich mir am Anfang Gedanken gemacht, warum Betis so viel Ablöse gezahlt hat, aber ich habe mir das aus dem Kopf geschlagen, weil ich andere Dinge zu tun habe, als mir Gedanken zu machen. Ich will einfach meine Leistung bringen und das Vertrauen so zurückzahlen.

MM: Ihr Vater ist Ghanaer. In Spaniens Stadien gehören rassistische Ausschreitungen zur Tagesordnung. Haben Sie das schon erlebt?
Odonkor: Nein. Wenn so etwas auf mich zukommen sollte, kann ich ohnehin nichts machen. Ich bleibe ganz ruhig und spiele mein Spiel weiter.
MM: Wie gut haben Sie sich eingelebt in Sevilla?
Odonkor: Ich fühle mich sehr wohl. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, aber das ist jetzt vorbei. Ich habe Freunde gefunden und meine Familie ist auch sehr oft gekommen. Die Stadt ist schön, unser Haus ist schön, wir haben jeden Tag schönes Wetter. Da kann man sich nicht beklagen.

MM: Sprechen Sie Spanisch?
Odonkor: Im ersten Jahr habe ich keinen Spanischkurs gemacht. Jetzt habe ich mir Gedanken gemacht und mir vorgenommen zu lernen. Ich muss mich ja irgendwann auch mal mit der Mannschaft verstehen. Wenn ich mal mit denen weggehe, will ich mich ja auch unterhalten.

MM: Ihre Spanischkenntnisse sind also noch nicht so gut?
Odonkor: Also, perfekt sind sie nicht. Ich verstehe aber schon sehr viel.
MM: Das ist aber nicht der Grund, warum Sie im Moment nicht spielen?
Odonkor: Nein. Ob einer spielt, liegt immer an seiner Leistung. Mein Problem ist, dass ich dreieinhalb Monate verletzt war.
MM: Es heißt, Sie hätten Extraschichten eingelegt, um schnell wieder fit zu werden?
Odonkor: Ich habe mir für fast zwei Wochen einen eigenen Fitnesscoach aus Deutschland geholt. Den habe ich aus meiner Tasche bezahlt. Ich wollte einfach fit werden, auch in Hinsicht auf die Europameisterschaft. Das hat mir gut getan.

MM: Wie unterscheidet sich der spanische vom deutschen Fußball?
Odonkor: Real Madrid und der FC Barcelona spielen schon guten Fußball. In Deutschland spielen wir auch guten Fußball, aber nicht so wie in Spanien. Die Deutschen haben ja nicht die Topstars wie Ronaldinho, Messi, Eto'o. Hier wird schneller gespielt, man hat auch mehr Techniker in der Mannschaft. Das heißt ja nicht, dass die Bundesliga schlecht ist.

MM: Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?
Odonkor: Also meine Stärken sind meine Schnelligkeit und meine Zweikampfstärke. Zu meinen Schwächen will ich nichts sagen.
MM: Dazu sagen Sie grundsätzlich nichts?
Odonkor: Nein.
MM: Aber Sie wissen schon, welches Ihre Schwächen sind?
Odonkor: Natürlich. Wenn ich das nicht wüsste, hätte ich irgendwas falsch gemacht.
Fragen: Jonas Martiny

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