Wiener Zorn

Ein Strauss-Orchester im Fahrwasser des Orifinals

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Was für ein Ärgernis: „Da sprüht der Wiener Charme” hatte MM in der vergangenen Woche getitelt, um das Konzert des „Strauss Festival Orchesters” am 17. und 18. Januar im Auditorium von Palma anzukündigen. Gesprüht hat es dann eher Funken, Zornesfunken aus Wien, als der künstlerische Leiter vom Original „Strauss Festival Orchester Wien”, Peter Guth, erfahren musste, dass erneut passiert ist, was er seit rund drei Jahren zu verhindern versucht: Dass ein Orchester, das sich mit dem fast identischen Namen seines traditionellen „Strauss Festival Orchesters Wien” schmückt – nur ohne das Wörtchen „Wien” – irrtümlich für sein hochkarätiges Ensemble gehalten wird, das dieses Jahr 30-jähriges Jubiläum feiert. „Es handelt sich um ein Orchester aus Weißrussland, das von Agenturen in München und Spanien gemanagt wird und in betrügerischer Absicht unseren Namen verwendet – ohne den Zusatz Wien”, so Peter Guth gegenüber MM.

Zumindest wird eine Verwechslung nicht bewusst vermieden – sehr zum Verdruss des künstlerischen Leiters, der mit seinem Traditionsorchester mehr als zehnmal in China und fast 20-mal in Japan gastierte, bevor er 2004 erstmalig im italienischen Bologna auf die Plakate der „Trittbrettfahrer” (O-Ton Peter Guth) stieß, die hier unter fast identischem Namen drei Wochen zuvor aufgetreten waren: „Wir hatten das Problem sogar schon in Wien, wo sie bereits zum zweiten Mal, wenige Tage nach unserem Neujahrskonzert, ein ähnliches Konzert mit ziemlich aggressiver Werbung anboten.”

Seine Geschäftsführung habe bereits über einen Rechtsanwalt der Österreichischen Musikergewerkschaft versucht, zu der Agentur des Orchesters Kontakt aufzunehmen – vergebens: „Keine Antwort.” Auch über den Markenschutz sei gegen die Verwendung des Orchester-Namens nichts zu unternehmen. „Wir können damit nur den genauen Schriftzug unseres Namens, nicht jedoch die Namensanteile – Strauss, Festival und Orchester – schützen”, so Peter Guth.

Da sein Original „Strauss Festival Orchester Wien” durch die Konkurrenz-Veranstalter schon „spürbare Markteinbußen” hat – „In Spanien hatten wir früher regelmäßig Konzerte, jetzt aber keine Engagements mehr” – würde ein Gerichtsprozess vermutlich nur weitere Verluste bedeuten. „Vielleicht könnte ein Einspruch über die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union helfen”, hofft Peter Guth. Andererseits sei die „Gewichtigkeit des Problems wohl zu gering”.

So bleibt dem Orchester-Leiter nichts weiter übrig, als für Aufklärung zu sorgen und zu hoffen, „dass das internationale Publikum in absehbarer Zeit diese Schmutz-Konkurrenz durchschaut und den Qualitätsunterschied bemerkt”. Von ähnlichen Organisationen wisse er, sagt Peter Guth, dass die Musiker solcher Orchester aus den Ostländern „lächerlich geringe Honorare” – zirka 30 Euro pro Abend – bekämen: „Wir aber müssen unseren hoch qualifizierten Musikern anständige Honorare zahlen und können bei Angeboten an die Veranstalter niemals derartig günstig mithalten.”

Auf die Frage, wie er denn etwa die Konkurrenz von Orchestern wie dem von André Rieu einschätze, die ja dem Werk Strauss' ebenfalls aktuelle Popularität verschaffe, fällt Peter Guths Antwort klar aus: „Wir scheuen keine Konkurrenz – aber man soll dabei nicht unseren seit Langem eingeführten Namen missbrauchen.”

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