„Lagern ist das Letzte”

2010 soll Mallorcas letzte Müllkippe auf dem Gelände von Son Reus geschlossen werden. Der zuständige Inselrat setzt auf zwei neue Verbrennungs– öfen und will das Recycling weiter vorantreiben und verbessern

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„Müllkippen sind schrecklich”, ereifert sich Guillem Riera, Chef der Inselratsbehörde, die für Mallorcas Müllentsorgung zuständig ist. Müllberge seien von allen Möglichkeiten zur Müllentsorgung die schlechteste Lösung, weil sie die Umwelt durch die Kontamination von Böden und Gewässern, vor allem aber durch den Ausstoß von Methangas belaste. „Und das ist viel schlimmer als Kohlendioxyd. Würden wir alle Müllkippen Europas schließen, könnten wir Kyoto locker erfüllen”, so Riera weiter.

Was der Beamte als „Dritte-Welt-mäßig” bezeichnet, war bis vor wenigen Jahren auf Mallorca noch gang und gäbe: Bis vor 15 Jahren landete einfach alles auf den 43 über die Insel verteilten Müllkippen. Nach und nach wurden sie bis auf die Halde in Son Reus (bei Palma) geschlossen - dort sind die Reste des Wohlstands auf einem 170.000 Quadratmeter großen Areal inzwischen 35 Meter in die Höhe gewachsen.

„Jedes Jahr produzieren wir mehr Abfall”, sagt Riera. Jeden Tag landen auf Mallorca 1200 Tonnen Müll im Abfalleimer oder im Container. 2006 wurden 711.310 Tonnen Müll eingesammelt – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Für die Menge sind nicht nur die rund 800.000 Einwohner der Insel verantwortlich, sondern auch Millionen von Urlaubern.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es je nach Regierungsbildung unterschiedliche Konzepte für die Abfallwirtschaft. Die Müllverbrennungsanlage schaffte im vergangenen Jahr bei voller Auslastung 45 Prozent der anfallenden Müllmenge aus der Welt – fast jedenfalls. Was übrig bleibt, ist ein wachsender giftiger Ascheberg, der von Umweltschützern kritisiert wird. Diesem Problem wird man laut Riera inzwischen dadurch Herr, dass man die Asche in Zement bindet und auf dem Gelände von Son Reus deponiert - mindestens für die nächsten 25 Jahre sei dort Platz genug.

Was die Schadstoffemissionen der Müllverbrennungsanlage anbelangt, sehen weder der Inselrat noch die Umweltschutzgruppe GOB ein Problem: Die Anlage sei mit modernen Filtersystemen aufgerüstet worden und die Abgasnormen für solche Anlagen seien weitaus strenger als etwa für die privaten Kraftwerke zur Energiegewinnung. Laut GOB-Mitarbeiterin Margalida Ramis haben Luftmessungen des Inselrats in Zusammenarbeit mit der Balearen-Universität in der Nähe von Son Reus keinen Grund zur Sorge gegeben. Um die Müllkippe von Son Reus wie geplant bis zum Jahr 2010 schließen zu können, denn dort sind im vergangenen Jahr noch gut ein Viertel des gesamten Abfallaufkommens gelandet, sollen zwei neue Verbrennungsöfen gebaut werden.

Das getrennte Sammeln von Glas, Altpapier, Verpackungsmüll und organischen Abfällen hat auf Mallorca noch eine relativ junge Geschichte. Seit etwa fünf Jahren wird das Recycling einigermaßen flächendeckend durchgeführt. Doch so richtig durchgesetzt hat es sich in der Tat und in den Köpfen der Bürger offenbar noch nicht: Der Anteil der wiederverwerteten Abfälle machte 2006 29 Prozent aus bestehend aus 110.000 Tonnen organischem Müll, 69.000 Tonnen Altpapier, 16.000 Tonnen Glas und 6000 Tonnen Verpackungsabfall.

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