Heiraten: Die Renaissance des Rituals

Hochzeit als freiwillige Verpflichtung und nicht als Zwang

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Es gibt viele Gründe nicht zu heiraten aber nur einen, es zu tun: die Hoffnung auf ein dauerhaftes Bündnis mit dem Partner. Trotz der hohen Scheidungsrate – in Deutschland wird fast jede zweite Ehe wieder aufgelöst – trauen sich die Menschen heute wieder lieber denn je: „Das Heiraten erfährt eine Renaissance”, hat Diplom-Psychologin Sabrina Steck beobachtet, wobei die Gründe für das Ja-Wort andere sind als noch vor 20 oder 50 Jahren: „Zum ersten Mal spielen moralische oder finanzielle Überlegungen keine Rolle mehr.” Wer heute vor den Standesbeamten oder den Altar tritt, tue dies allein aus eigenem Antrieb, um der Liebe und der Beziehung einen festen Rahmen zu geben und sich dem anderen freiwillig zu verpflichten. Damit die Hochzeit ein ganz besonderes Erlebnis wird, scheuen viele Paare, gerade in Spanien, keine Kosten und Mühen. Und für viele Deutsche bedeutet die Hochzeit auf Mallorca ein Erlebnis in einem besonders schönen Rahmen. Wichtiger Termin für Heiratskandidaten ist die Hochzeitsmesse Nupcial vom 9. bis 11. November in der Messehalle im Flughafen von Palma.

In den vergangenen Jahrzehnten sind manche Argumente für die Ehe langsam aber sicher in sich zusammengefallen:

Uneheliche Kinder sind Normalität, Paare ohne Trauschein gesellschaftlich anerkannt. Und das Familienmodell des arbeitenden Vaters und der sorgenden und liebenden Hausfrau und Mutter hat ausgedient - und somit auch die damit einhergehende finanzielle Absicherung (oder auch Abhängigkeit) der Frau. Die Reform des Unterhaltsgesetzes in Deutschland setzt Frauen unter Druck, nach der Scheidung schnell eine Arbeit aufzunehmen. Und wer steuerliche Vorteile durch eine Heirat mit eventuellen Scheidungskosten aufrechnet, wird auch hierin keinen wirklichen Antrieb für einen Heiratsantrag spüren. Dennoch heiraten vier von fünf Deutschen irgendwann in ihrem Leben.

Die Zwänge sind passé, geblieben sind Illusion, Hoffnung und Romantik, die Paare in eine Zweisamkeit mit amtlichem oder kirchlichem Segen treibt. Die Vorstellung von der großen Liebe des Lebens lässt manche(n) schon lange, bevor der geeignte Partner gefunden ist, von diesem besonderen Ereignis träumen: „Ich weiß schon ganz genau, wie ich einmal heiraten will”, sagt Sonja Lietz (16). Jedes Detail ist geplant: Ein rauschendes Fest soll es werden im Zwanziger-Jahre-Stil, und auch das weiße Kleid, die Frisur, die Musik, die Kirche und das ganze Brimborium haben im Kopf schon Formen angenommen. „Bis dass der Tod euch scheide” sei für sie keine leere Flos– kel, sondern klare Absichtserklärung: „Natürlich heirate ich nur, wenn ich mir absolut sicher bin, dass das auch für immer hält”. Und ihre Mutter (45), gerade zum zweiten Mal im Scheidungsprozess, meint trotz des ganzen Ärgers, den die Trennungen mit sich bringen: „Ich heirate auch noch ein drittes Mal.”

Ist die Ehe also das Terrain der Träumer und Unverbesserlichen? „Mitnichten”, meint Psychologin Steck. „Die Hochzeit hat eine hohe psychologische Bedeutung. Es ist ein Ritual der Verbundenheit. Darin liegt ihre Kraft.” Genauso wie auch andere wichtige Meilensteine im Leben durch Zeremonien wie Taufe, Beerdigung, Geburtstage und Jubiläen markiert werden, so erhalte die Partnerschaft durch die Hochzeit und das emotionale Erleben eines bedeutsamen Schrittes eine andere Qualität. Schließlich „sehnen sich die Menschen nach einem Bündnis, nach einem Versprechen zur Liebe”.

„Durch die Eheschließung fahren die Brautleute mit großem Getöse in einen sicheren Hafen ein”, vergleicht die Psychologin. „Aber Vorsicht: Man sollte nicht vergessen, dass das gemeinsame Schiff zum Segeln da ist und nicht, um im Hafen vor sich hin zu dümpeln.” Die Gefahr, es sich in der amtlich bescheinigten Partnerschaft allzu bequem zu machen, ist offenbar groß: „Heiraten macht dick”, so das Resultat einer Studie unter 8000 jungen US-Bürgern. Verheiratete bringen demnach mehr Pfunde auf die Waage als Singles. Das könne aber auch daran liegen, dass wegen der Kinder nicht mehr viel Zeit für Sport sei.

Laut einer amerikanischen Studie, die die Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht hat, kann der Hochzeitstag durchaus der schönste Tag im Leben sein, denn es ist wahrscheinlich, dass die Zufriedenheit im Laufe der Ehe abnimmt. Eine Scheidung werde häufig nicht gut verkraftet; viele Menschen seien nach einer Trennung unglücklicher als vor der Ehe. Ein Trost: Die nächste Hochzeit kann die Wunden heilen und wieder für ein paar besonders gute Jahre sorgen.

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