Nicht alle Enten waren aus Gummi

Geworfen, gejagt oder zu Tode gequält: Fiestas mit lebenden Tieren werden nicht nur von Tierschützern heftig kritisiert

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Eigentlich sollten in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge nur Plastikenten durch die Luft wirbeln, als in Can Picafort im Rahmen der Sommer-Fiesta das traditionelle Entenwerfen stattfand. Doch zwischen Hunderten gelben Gummitierchen flogen auch rund 20 lebende Tiere übers Meer, von vier maskierten Männern aus zwei Schlauchbooten übers Wasser geschleudert. „Son de verdad!” – „Die hier sind echt” – riefen amüsierte Zuschauer und Teilnehmer.

Dass es sich um einen massiven Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt, der mit Tausenden von Euro Bußgeld geahndet werden kann, nehmen die Veranstalter bisher gelassen. „Wir haben uns an die Vorschriften gehalten und den Event ohne lebende Tiere organisiert”, sagt der Leiter der „Fiestas de Can Picafort”, Nofre Plomer, gegenüber der MM-Schwesterzeitung Ultima Hora. Es wäre ungerecht, die Gemeinde zu bestrafen, die sich an das Gesetz gehalten habe. „Wir können aber nicht die Einstellung jedes Einzelnen gegenüber Traditionen ändern.”

„Si volem patos” – „Wir wollen die Enten” – lautet die Aufschrift auf den T-Shirts der Plastikenten– Gegner, die ihren Protest schon länger auf diese Weise zum Ausdruck bringen. „Die Tiere werden nicht gequält”, sagen die Anhänger. „Die Enten können verletzt und sogar getötet werden”, entgegnen die Tierschützer.

Gegen die maskierten Entenwerfer wurde jetzt von verschiedenen Tierschutzorganisationen Anzeige erstattet, und Bürgermeister Martí Torres (PP) wurde von der balearischen Landwirtschaftsministerin Mercè Amer aufgefordert, die Tierquäler zur Verantwortung zu ziehen. Zusammen mit dem Generaldirektor für Landwirtschaft, Antoní Perelló, forderte sie eine umfassende Aufklärung der unwürdigen Vorfälle, so die offizielle Erklärung des Ministeriums. Bürgermeister Torres schaltete nun auch die Guardia Civil ein und appellierte an seine Bürger, die Gesetze zu achten.

Ob die Maskierten zur Rechenschaft gezogen werden können, ist allerdings fraglich. Die Identifizierung scheint schwierig: Wie Ultima Hora berichtet, hat die Polizei zum Tatzeitpunkt den Verkehr geregelt – und der Fiesta-Chef Kaffee getrunken. Außenstehende haben den Eindruck, dass die Aktivisten das Wohlwollen Vieler in Can Picafort genießen.

Woher der eigentümliche Brauch des Entenwerfens eigentlich stammt, wissen auch alteingesessene Bewohner nicht mehr so genau, doch einige der über 80-jährigen erinnern sich der umstrittenen Tradition noch aus ihren Kindertagen. Seit mehr als 75 Jahren ist das Entenwerfen also schon fester Bestandteil der Sommer-Feierlichkeiten, übrigens nicht nur auf Mallorca, sondern auch in Puerto de Sagunto in Valencia. Hier wie dort werden die lebenden Tiere aufs Meer hinausgeschleudert und dann von Schwimmern wieder eingefangen.

Doch in den vergangenen Jahren häuften sich die Proteste der Tierschützer massiv. Seit 1992 gilt das Entenwerfen als Tierquälerei und darf offiziell aufgrund des landesweit geltenden Tierschutzgesetzes nicht mehr mit lebenden Tieren stattfinden.

Aber die „Picaforter” wollten sich ihre Tradition zunächst nicht nehmen lassen. Bis zu 9000 Euro Bußgeld musste die Gemeinde jeden Sommer zahlen, bis man sich 2006 zu der „Plastikversion” entschloss. Viel zu spät, wie die mallorquinische Tierschutzorganisation „Sociedad Protectora de Animales y Plants de Mallorca” meint. „Wir werden ebenfalls Anzeige gegen die maskierten Männer erstatten, es kann nicht sein, dass Gesetze zum Schutz der Tiere so mit Füßen getreten werden”, empört sich Mitarbeiterin Tonina Bonoi.

Ihr Groll richtet sich dabei nicht nur gegen die Täter, sondern auch gegen Veranstalter, Polizei und Stimmen wie die des UM-Politikers Joan Monjo, der in einer Tageszeitung die Legalisierung der alten Tradition fordert. „Es sind barbarische Traditionen, die Menschen, Tieren oder der Umwelt schaden. Man braucht keine Lebewesen zu quälen, um ein Fest zu feiern”, unterstreicht Tonina Bonoi ihre Arbeit.

Doch leider gäbe es von diesen Bräuchen hierzulande noch viel zu viele, denn laut spanischem Gesetz könnten Traditionen von mehr als 100-jährigem, ununterbrochenem Bestehen nicht verboten werden. Aus diesem Grunde sei der Stierkampf erlaubt, obwohl er wahrscheinlich weitaus grausamer sei als das Entenwerfen. Trotz vermehrter Proteste aus der Bevölkerung – zuletzt in der vergangenen Woche vor der Corrida in Palma – bestehe für diese Veranstaltung wohl keine Gefahr. Auch die Stierhatz „Correbou” in Fornalutx wird nach wie vor jährlich veranstaltet, ebenfalls unter Hinweis auf eine mehr als 100-jährige Tradition.

Der „Correbou” in Alaró ist dagegen seit 2006 verboten. Die Tierschutzorganisation „Asociación National para la Protección y Bienestar de los Animales” (ANPBA) konnte nachweisen, dass das umstrittene Fest gesetzeswidrig war, da es – anders als in Fornalutx – nicht auf 100 Jahre kam. Doch auch hier wehren sich Traditionalisten auf ihre Weise: Noch im Jahr des Verbotes, so zeugt ein Film auf der Internetseite „YouTube”, wurde die verbotene Stierhatz auf einer privaten Finca veranstaltet.

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