Mallorcas Partymeile: Keine Feier ohne Sechs

Vor 35 Jahren startete der Trubel am und rund um den „Ballermann 6”. Wie kein anderes Lokal hat die Strandbar dem Partytourismus an der Playa de Palma einen Namen gegeben. Eine Entwicklung mit Auf und Abs: Von Jahr zu Jahr gehen die Behörden schärfer gegen Exzesse und Lärm vor

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Kein anderes Wort hat den Tourismus auf Mallorca stärker gebrandmarkt als „Ballermann”. Der berühmt-berüchtigte Begriff prägt seit Jahrzehnten eine bestimmte Spezies von Urlaubern auf der Insel. Er steht für deutsche Bierseligkeit unter Palmen, ausgelassenes Feiern im Freien bei lauter Schlagermusik; Trinken, Tanzen, Turteln und Torkeln in Badehose und Bikini, bis der Kurzurlaub wieder vorbei ist. Sogar im Duden hat das (Un-)Wort Eintrag gefunden: „Ballermann”, im Plural Ballermänner, sei die „Verballhornung der spanischen Bezeichnung Balneario (No. 6)”. Es bedeute umgangssprachlich scherzhaft „deutscher Tourist auf Mallorca”.

Der Strandkiosk Balneario 6 an der Playa de Palma stand Pate, als alkoholschwere Teutonenzungen das unaussprechliche Wort zu „Ballermann” verschlurten. Die „Tränke der Kegelbrüder” ist ein Stück mallorquinische Tourismusgeschichte. 1972 als unansehnlicher Flachbau aus Beton und orangefarbenen Fliesen errichtet, war die Strandbar Nummer 6 neuralgisches Partyzentrum El Arenals. Bei Bier, Sangría und Lumumba, dem damaligen Kult-Longdrink, waren die meist deutschen Urlauber schon am Vormittag in mehr als ausgelassener Stimmung.

Ungeachtet aller Proteste und 10.000 Unterschriften wurde das Lokal 1993 beim Bau der Strandpromenade abgerissen, 1994 die neue Strandbar im Aluminium-Einheitslook eröffnet. Damit die Nummerierung beibehalten werden konnte, wurden die 14 Strandkioske (bis dato waren es zehn gewesen) diesmal von Arenal aus in Richtung Can Pastilla gezählt, so dass die treuen Fans des Ballermanns nicht ohne Sechs auskommen mussten.

Nicht jeder Tourist ist auch ein Ballermann. Schon gar nicht der golfende, segelnde, radelnde „Qualitätstourist”, wie ihn sich die balearischen Tourismusverantwortlichen so wünschen. Vielmehr geht es um die Kegelvereine, die Vereinsmeier und Skatbrüder (und -schwestern), für die mit dem Vatertag an diesem Donnerstag, 17. Mai, der Beginn der Partysaison ansteht.

Die Wirte und Hoteliers an der Playa wissen, von Mitte Mai bis Juni (sowie später im September) ist die Zeit der großen Sause: In den kommenden Tagen und Wochen endet die Saison der deutschen Ligen in Sachen Fußball und anderer Sportarten. Wo Geld in der Vereinskasse ist, gönnt man sich ein paar feuchtfröhliche Feiertage. Zehntausende wollen zur Partymeile rund um Bierstraße, Schinkenstraße und Balneario 6, um dem Alltag für ein paar alkoholisierte Tage zu entfliehen. Der Ballermann erfüllt ähnliche Funktionen wie der Kölner Karneval oder das Münchner Oktoberfest. Doch wild wie in den alten Tagen darf die Party längst nicht mehr sein. Von Jahr zu Jahr haben die Behörden den Druck erhöht. Die (seit 1994 existierenden) Verordnungen zu Nachtruhe und Sperrzeiten werden immer strenger umgesetzt. Das Ausschenken der Sangría in Plastikeimern ist den Bars schon lange untersagt. Auf Freiluft-Terrassen und in Biergärten darf die Musik Hintergrundcharakter haben (bis 65 Dezibel), ab Mitternacht hat sie ganz zu verstummen. Wer danach weiterfeiern will, muss sich in die geschlossenen Räume der Tanztempel und Stimmungslokale begeben. „Eine Freiluft-Diskothek wie noch vor zehn Jahren wird es nicht mehr geben”, sagt der Präsident des Hotelverbandes an der Playa de Palma, Francisco Marín. Gleichwohl werden die Besucher auch so ihren Spaß haben können. Die Gesetze seien jedoch von allen einzuhalten.

Ungeachtet aller Restriktionen zieht es die Menschen weiter an den Ballermann, stellt Andrea Langmann vom langjährigen Spezialisten für Gruppenkurzreisen, Müller-Touristik, fest. „Wir können keinen Buchungsrückgang feststellen.”

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