Brigitte Blobel: „Ich habe nichts zu verbergen”

Romane, Jugend- und Drehbücher: Die Schriftstellerin Brigitte Blobel, die seit 1999 auf Mallorca lebt, liebt die Abwechslung – nicht nur im Genre. MM traf die leidenschaftliche Erzählerin auf ihrer Finca in Porreres

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Schreibblockaden kennt Brigitte Blobel nicht. „Spätestens, wenn ich am PC sitze, fällt mir immer etwas ein”, lacht die Schriftstellerin, die mit ihrem Ehemann Wolfram Bickerich, Journalist und Redakteur beim „Spiegel”, seit 1999 auf einer Traum-Finca nahe Porreres lebt. Anders wäre ihr „Schaffensrausch” auch kaum zu erklären: „Ich bin so angefüllt mit Geschichten, die müssen einfach raus.” Dabei möchte sich Brigitte Blobel, 1942 in Hamburg geboren, auf kein Genre festlegen: Sie hat mehrere Gesellschafts- und Frauenromane geschrieben – unter anderem „Der Ruf des Falken”, der auf den Bestsellerlisten stand –, ihre Jugendbücher sind mehrfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt, und Drehbücher fürs Fernsehen hat sie auch im Repertoire.

Zur Zeit schreibt sie gerade eine TV-Liebesgeschichte („In St. Petersburg”) für den Südwestfunk und arbeitet an einer Ganghofer-Verfilmung für die ARD. In diesen drei Bereichen fühle sie sich „sehr zu Hause”, dabei schreibt sie aber immer nur an einem einzigen Buch – damit jedes seinen individuellen und „adäquaten Ausdruck bekommt”: „Wenn ich ein neues Buch anfange, bin ich eine andere Person.”

In ihren Jugendbüchern verarbeitet die zweifache Mutter zumeist Probleme und Konflikte, „mit denen Kinder in unserer Gesellschaft zu kämpfen haben: Magersucht, Missbrauch, Autoaggression”. Auch in ihren Romanen faszinieren sie psychologische Themen, die sie gern auf eine „Meta-Ebene” hebt, wie sie das nennt. In ihrem Roman „Mörderherz” etwa, dessen Verfilmung auch auf Arte zu sehen war, geht es um einen Mann, der sich nach einer Herztransplantation zwanghaft auf den Spender fixiert. Dabei interessiert Brigitte Blobel vor allem wieder die Polarität, die dem Thema seine Brisanz verleiht: „Betrachtet man das Herz rein medizinisch als ,Pumpe' oder übertragen als ,Sitz der Seele'?”

Recherchiert hat sie damals unter anderem in einer renommierten Klinik in Washington und sich dabei auch von ihrem Schwager, einem Mediziner, fachlich beraten lassen. Überhaupt sind die Übergänge von Leben und Werk bei Brigitte Blobel vielschichtig fließend: „Wenn ich an einem Buch arbeite, finde ich mich frühmorgens im Halbschlaf sofort in meinen Romanfiguren wieder.” Als sie 1999 nach Mallorca kam („Wir hatten im Jahr zuvor mit Freunden, die hier leben, ein Picknick unter Mandelbäumen gemacht. Da habe ich gesagt: Das will ich auch!”), musste die neue Heimat umgehend in einem Buch verarbeitet werden. Ihren Mallorca-Roman „Die Liebenden von San Rafal” hat Brigitte Blobel in die Zeit des spanischen Bürgerkrieges verlegt und sich so eine tiefgreifende Kenntnis und Identifikation mit dem Inselvolk verschafft: „Seitdem bin ich auch innerlich richtig hier angekommen.”

Gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann, den sie 1985 auf einer Sri-Lanka-Reise kennenlernte, bei der beide den früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher begleiteten, genießt sie die Stille und Schönheit der Natur auf ihrer Finca, „die anfangs aus nicht viel mehr als einem Aprikosenfeld bestand”. Den „Wachtposten” des Hauses bildet ein imposantes weißes Gänsepaar, das jeden Gast laut schnatternd begrüßt. Einen Zaun gibt es nicht. „Ich bin eben ein sehr offener Mensch.” Schon als Kind sei es ihr auch nie in den Sinn gekommen, ein abschließbares Tagebuch zu führen: „Ich habe nichts zu verbergen.”

Brigitte Blobel ist jetzt richtig in ihrem Element: Sie erzählt. Und man reist gern mit ihr in Gedanken zum „Military-Reiten mit Prinzessin Anne”, aus dem dann das Drehbuch für die TV-Geschichten auf dem „Immenhof” entstand. Oder in die Karibik, wo es ihr nicht leicht fiel, sich unter der sengend heißen Sonne in die norddeutsche karge Landschaft ihres Romans „Das kalte Land” einzufinden, den sie damals gerade schrieb. Oder in die Wüste, wo sie oft war: „Aber jetzt brauche ich wohl keine Farm in Afrika mehr”, lacht Brigitte Blobel. Obwohl sie stets und immer noch diese „Sehnsucht nach einem anderen Licht und Geruch, einer anderen Art zu sein” spüre. „Ab einem bestimmten Alter geht das zwar nicht mehr, aber ich würde mich gern noch einmal neu erfinden”, gesteht sie – und taucht wieder ein in die grenzenlose Welt ihrer Erzählungen.

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