Viel Licht und viel Schatten

Zahl der Solaranlagen soll sich bis 2015 vervielfachen / Subventionen nur für wenige erreichbar

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Obwohl sich Spanien weltweit damit rühmt, ein Sonnenparadies zu sein, spielt die Umsetzung der Solarenergie in Wärme und Strom im nationalen Energiekonzept des Landes nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Die Kraft der Sonne dient immer noch überwiegend der Bräunung bleicher Touristenkörper. Obwohl jedes Jahr das Thema Solarenergie von den verantwortlichen Behörden auf nationaler und regionaler Ebene aufgegriffen wird und öffentliche Gelder für die Subvention von alternativen Energiequellen bereitgestellt werden, ist dies nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch auf den Balearen.

Während griechische Kinder auf ihren Zeichnungen von Häusern Solarpaneele so selbstverständlich malen wie nordische Kids den Kamin auf dem Dach, ist Solarenergie auf den Inseln kaum ein Gesprächsthema. Auch wenn einige Schulen auf Mallorca bereits eigene Sonnenkollektoren besitzen und damit praxisnah den Nachwuchs mit alternativen Formen der Energiegewinnung konfrontieren, weiß die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nur wenig über Solarenergie. Der Strom kommt auf Mallorca aus der Steckdose, basta.

„Unser Kundenstamm besteht überwiegend aus Ausländern, hauptsächlich Deutsche”, so die Erfahrung von Dipl-Ing. Heinrich Torwie von der Firma Solarta. Die Ausländer seien für Umweltthemen immer noch sensibler. „Und sie haben in der Regel mehr Geld”, wirft seine Mitarbeiterin, Conchi Hedrosa ein.

Die Balearenregierung weiß von dem solaren Defizit und verspricht Besserung in Form von Aufklärungskampagnen und Geld. Für dieses Jahr steht ein Subventionstopf in Höhe von knapp 1'35 Millionen Euro bereit. Ob mit dieser relativ bescheidenen Summe das ehrgeizige Projekt einer Steigerung der alternativen Energieproduktion von derzeit 3'2 Prozent auf 7'8 Prozent bis zum Jahr 2015 auf den Balearen angekurbelt werden kann, ist aber fraglich.

Die im balearischen Gesetzesblatt BOIB am 24. August 2004 unter der Nummer 117 veröffentlichte Regelung der Subventionsvergabe ist umstritten, denn kleine Anlagen fallen aus der direkten Förderung in diesem Jahr heraus. Ihre Anschaffung wird nur noch in Form von zinsgünstigen Krediten bezuschusst.

Ohnehin, so der Tenor der rund 30 auf dem mallorquinischen Solarsektor tätigen Firmen, werden auch in diesem Jahr die meisten Subventionsanträge keine Berücksichtigung finden. Das Geld dafür reiche hinten und vorne nicht. Bei einer maximal möglichen Finanzspritze von 5000 Euro für private und 25.000 Euro für Firmenanträge, bleibt die Gesamtanzahl der geförderten Solarprojekte gering.

Ein weiteres Problem, das einen großen Interessentenkreis vom öffentlichen Topf ausschließt, ist die neue Klausel, dass nur noch Anwesen als förderungswürdig eingestuft sind, die über eine so genannte Bewohnbarkeitsbescheinigung (Cédula de Habitabilidad) verfügen. Einerseits fehlt vielen Besitzern einer Finca auf dem Land aus den unterschiedlichsten Gründen dieses Dokument, andererseits sind es aber gerade diejenigen, die sich verstärkt um die Nutzung von Sonnenenergie Gedanken machen. Denn ohne Bewohnbarkeitsbescheinigung werden sie auch nicht an das Leitungsnetz des staatlichen Energiekonzerns GESA angeschlossen.

Zumindest auf dem privaten Sektor bilden diese abgelegenen Häuser eine wichtige Zielgruppe bei den auf Solartechnik spezialisierten Firmen der Insel. „Die meisten dieser Häuser beziehen ihre Energie noch aus veralteten Dieselgeneratoren, die lautstark ihre Schadstoffe in den Himmel pusten. Egal ob eine elektrische Zahnbürste oder ein großer Backofen betrieben werden, der Generator läuft immer auf vollen Touren”, sagt Heinrich Torwie von Solarta. „Mit einer Fotovoltaikanlage kann umweltfreundlich und leise die Finca mit Strom versorgt werden.” Zwar müsse auch dann gelegentlich auf Generatorstrom zurückgegriffen werden, wenn die Batterien nicht ausreichend geladen sind oder mehr Strom gebraucht werde, als die Anlage produzieren kann. Aber letztlich sei der Generator nur ein Garant dafür, dass man nicht plötzlich im Dunkeln sitze.

Für all diejenigen, die an das GESA-Netz angeschlossen sind, sei eine derartige so genannte Inselanlage (hat nichts mit Mallorca zu tun) allerdings wenig empfehlenswert. Nicht wegen der erst einmal hohen Anschaffungskosten, die für einen Vier-Personen-Haushalt, je nach Ausführung, zwischen 20.000 und 30.000 Euro betragen, sondern weil eine autarke Stromversorgung nicht notwendig ist.

Vielmehr, so Torwie, mache es in diesem Fall Sinn, die Umwelt mit dem Verkauf von eigenem Solarstrom zu entlasten. Wer Solarstrom in das Netz einspeist, bekomme vom spanischen Staat 25 Jahre lang einen Preis von mindestens 41'5 Eurocent pro Kilowattstunde garantiert. Der bürokratische Aufwand, sein eigenes Sonnen-Kraftwerk zu betreiben und damit in die Strombranche einzusteigen, habe sich in den vergangenen Jahren zugunsten der Privatinitiative deutlich vereinfacht.

Mit solarthermischen Anlagen erhitztes Wasser läßt sich schlecht verkaufen. Die Strom- oder Ölkosten werden aber spürbar gesenkt. Selbst mit einer kleinen Warmwasser-Solaranlage (zwei Quadratmeter Kollektor und 160 Liter Boiler), so Klaas Reuss von der auf Solare-Brauchwassersysteme spezialisierten Firma Enertec, könnten bereits 1780 Kilowattstunden Strom pro Jahr eingespart und die Anschaffungskosten in weniger als acht Jahren amortisiert werden.

Obwohl die solarthermischen Systeme noch vor den Fotovoltaikanlagen auf Platz eins der hiesigen Subventionsliste rangieren, kann auch Klaas Reuss vielen seiner Kunden wenig Hoffnung auf finanzielle Zuwendungen seitens der balearischen Regierung machen. Die Mindestgröße von subventionsfähigen Solar-Anlagen beträgt in diesem Jahr zehn Quadratmeter. Eine Fläche, die selbst für Großfamilien kaum realistisch ist.

Hoteliers dagegen können sich freuen. Manche nutzen schon seit Jahren Mallorcas 2803 Sonnenstunden pro Jahr für ihre Warmwasserproduktion. Die neuen Subventionsrichtlinien scheinen zumindest auf ihre Branche zugegeschnitten zu sein.

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