Auto-Insel

Über Bahn und Bus spricht derzeit niemand / VON WOLFRAM SEIFERT

Autopista” bezeichnet im Spanischen eine Autobahn, „autovía” eine vierspurige Schnellstraße. Womit die beiden im letzten mallorquinischen Wahlkampf meist verwendeten Begriffe genannt wären.

Grob gesagt: Die Konservativen priesen neue Autobahnen, der linksnationalistische „Fortschrittspakt” wollte höchstens neue Schnellstraßen.

Die Rechten siegten und paktieren nun auf Mallorca mit der UM, die jedoch das zentrale konservative Autobahnprojekt ablehnte: die Schnellverbindung von Palma nach Manacor. Die Rechten gaben nach. Nun wird die Autobahn von Palma nach Inca dreispurig ausgebaut und dann zweispurig weiter nach Manacor geführt.

Keiner der Politiker fragte offenbar, ob letzterer Verkehrsweg überhaupt gebraucht wird. Denn: Wer fährt von Palma oder vom Flughafen aus schon über Inca nach Manacor oder an die Ostküste?

Der Polit-Handel zeigt das ganze Dilemma der mallorquinischen Verkehrspolitik: Es gab und gibt keine langfristige Verkehrsplanung, keinen Verkehrswegeplan für viele Jahre. Entschieden wird je nach Wahlausgang.

Die PP betreibt traditionell fast ausschließlich Autobahn- und Straßenpolitik. Die Linksparteien setzen vor allem auf den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Jedoch tut eine koordinierte, kombinierte Politik Not, die möglichst vielen Interessen gerecht wird.

Bahn: Interessant war der Vorschlag der abgewählten Regierung, eine S-Bahn von der Playa de Palma über Flughafen, Innenstadt und die Küstenorte bis nach Santa Ponça zu bauen. Schließlich werden auch die kürzlich wiederbelebten Bahnstrecken gut angenommen. Attraktive Bahnen ziehen Verkehr von den Straßen ab.

Bus: Denselben Effekt verspricht der systematische Ausbau des löchrigen Busnetzes der Insel. Anfänge sind immerhin gemacht.
Straße: Unvermeidlich ist gewiss die eine oder andere neue Autobahn oder Schnellstraße (z.B. Palmanova-Peguera). Aber Beschlüsse über weitere Trassen dürfen erst nach schlüssigen Verkehrsprognosen fallen, und ihre Notwendigkeit richtet sich auch nach dem Angebot von Alternativen.

In den bisher bekannt gewordenen Paktvereinbarungen ist von Bahn und Bus jedoch nicht die Rede. Verkehrspolitik gleich Autobahnpolitik. Die PP sieht sich offenbar in erster Linie als Interessenvertreter: Die meisten Wähler auf der Insel sind Autofahrer.

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