Wie sich ein lesbisches Paar seinen Kinderwunsch erfüllte

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Langer Weg mit Happy End: Kristin Hansen (r.) und ihre argentinische Frau Yamila Di Santo (l.) mit der gemeinsamen Tochter Sofia

Langer Weg mit Happy End: Kristin Hansen (r.) und ihre argentinische Frau Yamila Di Santo (l.) mit der gemeinsamen Tochter Sofia.

Foto: Privat
Langer Weg mit Happy End: Kristin Hansen (r.) und ihre argentinische Frau Yamila Di Santo (l.) mit der gemeinsamen Tochter SofiaÜber zweieinhalb Jahre dauerte es, bis Yamila Di Santo wie ersehnt schwanger wurde.

Sofia heißt der kleine Wirbelwind, der durch die Bar La Dama de Ella in Santa Catalina tobt. Sie ist die Tochter von Kristin Hansen, Gründerin des Ella-Festivals, und ihrer Frau Yamila Di Santo. Mit MM sprachen sie über ihre Odyssee durch Fruchtbarkeitskliniken in Dänemark und auf Mallorca, bis 2017 ihr Wunschkind auf die Welt kam.

Mallorca Magazin: Wie ist Ihr Kinderwunsch entstanden?

Kristin Hansen: Wir haben uns vor etwa fünfeinhalb Jahren kennengelernt und wussten sehr schnell, dass wir heiraten und eine Familie gründen wollten. Schon ein Jahr später waren wir zum ersten Mal in der Stork-Klinik in Dänemark, die sich auf lesbische Paare mit Kinderwunsch spezialisiert hat.

MM:Warum haben Sie sich für eine dänische Klinik entschieden?

Hansen: Die Gesetze sind dort viel lockerer als in Deutschland. Und es gibt die Möglichkeit, einen Samenspender auszusuchen. Man erhält ein Babyfoto von ihm mit Angaben zu Größe, Augen- und Haarfarbe sowie zur Ausbildung. In einem Interview erfährt man außerdem etwas über seine Motivation. Der Vorteil ist, dass das Kind Hintergründe über seinen Erzeuger kennt und später Kontakt aufnehmen kann, wenn es das will.

MM: Wie ist die Behandlung 
abgelaufen?

Hansen: Wir haben uns beide behandeln lassen und es zunächst mehrfach mit einer Samenspende probiert. Ich war damals 38, aber Yamila erst 31, daher haben wir uns recht gute Chancen ausgerechnet. Als es nicht geklappt hat, sind wir dann zu In-vitro-Befruchtungen übergegangen.

MM: Was heißt das?

Hansen: Es werden zuerst Eizellen entnommen und dann im Reagenzglas befruchtet. Nach einigen Tagen wird der daraus entstandene Embryo in die Gebärmutter eingesetzt, in der Hoffnung, dass er sich dort einnistet und heranwächst. Das ganze Prozedere dauert mehrere Wochen und ist eine ziemliche Tortur, denn vorher wird die Produktion der Eizellen mit Hilfe von Hormonen stimuliert. Das kann zu heftigen Stimmungs- und Gewichtsschwankungen führen.

MM: Hatten Sie damit Erfolg?

Hansen: Nein. Innerhalb eines Jahres waren wir etwa acht Mal in Kopenhagen, das war auch finanziell großer Stress, wir haben Zehntausende Euro für die Behandlung bezahlt. Und am Ende haben uns die Ärzte gesagt, dass es ein Problem mit Yamilas Eizellen gäbe, weil sich der Embryo nicht weiterentwickelte und abstarb. Sie meinten, dass sie unfruchtbar sei. Das war ein totaler Schock.

Yamila Di Santo: Für mich war das ein echter Schlag ins Gesicht. Ich bin Tanzlehrerin, habe nie geraucht, gesund gelebt und konnte es einfach nicht fassen.

MM: Wie haben Sie den Schock verdaut?

Hansen: Wir haben die Diagnose einfach nicht geglaubt. Da wir generell nicht schnell aufgeben, wollten wir es weiter probieren und haben uns auf Mallorca nach einer Klinik umgeschaut. Wir haben uns für die IVI-Klinik entschieden. Das ist eine der größten weltweit. Im Unterschied zu Dänemark sind in Spanien aber nur anonyme Samenspenden erlaubt.

MM: War das ein Problem für Sie?

Hansen: Wir haben uns mit der Idee angefreundet und uns gesagt, dass die Samenspende nur eine Sache von Sekunden ist, wir aber Eltern fürs ganze Leben sind. Es gibt sogar Studien, die besagen, dass homosexuelle Eltern liebevoller sind, gerade weil der Weg zum eigenen Kind so schwer ist und man viele Enttäuschungen überstehen muss.

MM: Wie kam es dann doch noch zum Happy End?

Hansen: Wir haben die Behandlungen weiter durchgezogen, mit nur kurzen Pausen. Das hat insgesamt über zweieinhalb Jahre gedauert. Ich habe nach einigen Versuchen mit Samenspenden und In-vitro-Befruchtungen aufgehört. Yamila hat aber weitergemacht. Sie war jünger und sehnte sich stärker danach, die Erfahrung der Schwangerschaft zu machen. Nach sieben Versuchen hat uns der Arzt dann die gute Botschaft mitgeteilt.

Di Santo: Aber er hat genauso geguckt, als wenn er uns eine negative Nachricht überbringen würde. Nach unserer Vorgeschichte war er genauso skeptisch wie wir. Und wir hatten noch eine Weile die Angst im Hinterkopf, dass der Embryo sich doch noch ablösen würde. Erst als ich die erste Ultraschallaufnahme gesehen habe, glaubte ich daran, dass alles gut wird. Das war der schönste Moment!

MM: Wie haben Sie die Geburt erlebt?

Di Santo: Es war traumatisch. Es gibt hier einen Trend zur natürlichen Geburt. Ärzte sagen, dass die Rückenmarksspritze nicht gut für Mutter und Kind sei. Ich glaube, sie wollen einfach weniger arbeiten (lacht). Die Geburt hat ungefähr sieben Stunden gedauert, es waren die schlimmsten Schmerzen meines Lebens. Und ich bin als Sportlerin Schmerzen gewohnt. Die Schwester hat selbst meinen Dammriss ohne Betäubung genäht. Das möchte ich nicht nochmal erleben.

Hansen: Ich war bei der Geburt dabei und hatte sofort große Muttergefühle. Sofia fühlt sich an wie mein eigenes Fleisch und Blut. Das zeigt, wie unbedeutend letztendlich die Genetik ist.

MM: Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie Sie reagieren, wenn Sofia eine Tages nach dem Samenspender fragt?

Di Santo: Ich bin mir noch nicht ganz sicher und lasse es auf mich zukommen.

Hansen: Wir wollen es so transparent wie möglich halten. Ich finde es aber am wichtigsten, in der Gegenwart zu leben. Und das heißt, Sofia wächst mit Eltern, die sie lieben und einer Umgebung ohne Vorurteile auf.

Die Fragen stellte MM-Redakteurin Maike Schulte

(aus MM 35/2018)

Kommentar

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Thomas Berthold / Vor 11 Tage

Wie gut das es immer diese verständnisvollen Menschen gibt. Ein Kind braucht eine Mutter und einen Vater. BASTA

mallorca - fan / Vor 12 Tage

Jeder soll nach seiner Fasson selig werden !!! Muss heißen:

Gönnt der Lesbe eine lesbische Freundin. Gönnt dem Schwulen einen schwulen Freund.

Gönnt den Heteros die selbst gezeugten Kinder und macht den vorgenannten klar, dass diese

eines Tages selbst entscheiden werden, welche Form der Sexualität zu Ihnen passt. Bis dahin

wollen sie Mama und Papa haben und nicht 2 Papas oder 2 Mamas. Basta !!!

Jo Steiner / Vor 12 Tage

Das muss doch eine schöne Welt heute sein: gehe ich ins Kaufhaus, kaufe Samen und mache ein Kind. Menschliches Leben wie gewünscht. Diese Art der Fortpflanzung ist einfach nur pervers.

lisa dori / Vor 12 Tage

Das arme Kind, kein Vater ... das ist schon sehr traurig

Silke / Vor 12 Tage

Ich sehe schon, dass die Toleranzgrenze hier sehr niedrig ist... mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

Ingeborg / Vor 13 Tage

Eure klerikale Homophobie liest sich wie eine Krankheit!

Thomas Berthold / Vor 13 Tage

Man muss sich ja heutzutage schon fast schämen wenn man nicht Homosexuelle ist. Mein Gott wie Cool du bist schwul oder lesbisch. Geil find ich super. Waaaasssss ????? Du bist nicht Homosexuell ????? Eine Schande. Mit dir will ich nix zu tun haben. Verschwinde.

Willi / Vor 14 Tage

@ines. Lesen hilft ungemein.

N / Vor 14 Tage

Diese Kinder wachsen in einem Umfeld auf, das homophob geprägt ist und werden isoliert. Es ist doch nicht normal, zu Hause 2 Vaeter oder Muetter zu haben! Nur 1% aller Erziehenden sind Homosexuell oder Conchita-Wurst-maessig...

Ines / Vor 14 Tage

@Willi: "Aber das diese Gruppe ihre Lebensform als die allein seligmachende Form darstellt " - wo steht das bzgl. ALLEIN SELIGMACHEND? Wovon träumst du sonst noch? Deine Toleranz gegenüber anderen ist deutlich unterentwickelt.