Nur eine Disco gibt es in Lluc nicht

| Lluc, Mallorca |
Die Basilika ist das Herzstück des Pilgerzentrums Lluc

Die Basilika ist das Herzstück des Pilgerzentrums Lluc.

Foto: Patricia Lozano
Die Basilika ist das Herzstück des Pilgerzentrums LlucÜbernachten ist in einem der 119 Zimmer des Heiligtums möglich

Sie stehen auf dem Vorplatz der Pilgerstätte Lluc und betrachten neugierig die Natursteinfassade: "Eigentlich sind wir zum Wandern in die Berge gefahren", erzählen die Touristen Thomas und Corinna Lux aus der Nähe von Stuttgart. Weil es an diesem Tag jedoch viel zu heiß ist, schaut sich das junge Paar lieber das Inselheiligtum an. Einen Ausflug nach Lluc hat auch Familie Kieper unternommen: "Wir waren vor 20 Jahren schon mal hier und wollten den Kindern nun mal zeigen, was Mallorca zu bieten hat", erzählt das Ehepaar aus der Nähe von Kaiserslautern. Im Vergleich zum ersten Besuch sehe das Pilgerzentrum nun wesentlich besser hergerichtet aus.

Die Urlauber sind sechs von 400.000 jährlichen Besuchern in Lluc. Die Anlage ist das religiöse Herz der Insel, die schwarze Madonna wird besonders verehrt. In dem Gebäudekomplex befinden sich neben der Wallfahrtskirche auch die Gemeindeverwaltung von Escorca, eine Herberge, ein Museum, ein Archiv, ein Internat, Restaurants und Geschäfte.

Zwei Dinge möchte Herbergsleiter Sebastià Sureda klar stellen: "Wir sind kein Hotel und kein Kloster." Das "Santuari de Santa Maria de Lluc", wie es offiziell genannt wird, wurde nie von Mönchen bewohnt, es wird von Priestern geleitet. Deshalb ist die Pilgerstätte in der Tramuntana eben kein Kloster. Auch gegen den Begriff Hotel verwehrt Sureda sich: "Wir sind ein religiöser Herbergsbetrieb", betont er. 119 Zimmer können Pilger, Besucher und Einheimische mieten.

Die Anlage in einem Talkessel der Tramuntana stammt aus dem 13. Jahrhundert. Wahrscheinlich hat sich dort bereits viele Jahre zuvor eine religiöse Kultstätte befunden. Der Legende nach wurde das Sanktuarium an jener Stelle errichtet, an welcher der Hirtenjunge Lluc 1229 die Marienstatue der Mare de Déu de Lluc (Gottesmutter von Lluc) fand. Als die Figur in der Kirche von Escorca ausgestellt werden sollte, war sie jedoch verschwunden. Mittlerweile steht die Madonna - einige der wenigen schwarzen Marienskulpturen Spaniens – in der Basilika. "Sa Morenita" (die kleine Schwarze), wie die Einheimischen sie liebevoll nennen, verschwindet auch heute noch: Die gotische Figur steht in einer drehbaren Nische. Während der Messe ist sie im Altarraum zu sehen, ansonsten können Besucher sie in der Kapelle betrachten. In einer anderen Version leitet sich der Name Lluc von "Lucus", lateinisch für Heiliger Hain, ab.

Drei Familien leben derzeit in dem Talkessel, drei Bewohner sind in der Pilgerstätte beschäftigt. Seit 30 Jahren wohnt Rosa in einem Nebengebäude der Pilgerstätte zwischen Apotheke und Bäckerei: "Es ist sehr ruhig hier", erzählt die Seniorin, bevor sie ihr Wohnzimmer vor neugierigen Blicken verschließt. Früher habe sie mehr Nachbarn gehabt, heute kämen nur Urlauber.

Lluc ist auch Heimat der "Blauets" (die Blauen), einem der ältesten Kinderchöre der Welt. 1531 wurde die Schule offiziell gegründet, seit 2006 werden auch Mädchen in dem Internat unterrichtet. "In diesem Schuljahr zählten wir 52 Kinder", sagt Sebastià Sureda. Außerhalb der Ferienzeit singen die Blauets während der Messen in der Renaissance-Kirche.

Prior des Santuari de Lluc ist seit 2015 Ricard Janer. Sein Vorgänger war vom Dienst suspendiert worden, als ein ehemaliger Blauets-Schüler Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn erhob. Ein Gericht urteilte 2016, die Taten seien verjährt.

"Nach der schweren Zeit wollen wir erst einmal das Bestehende sichern", sagt der Herbergsleiter. Er meint auch die finanzielle Krise. Zuletzt wurden der Pilgerstätte Mittel gekürzt. "Das Gemäuer ist alt, wenn man hier etwas saniert, weiß man nie, was einen erwartet", sagt Sureda. Für das Internat gibt es eine Stiftung, die Herberge muss sich weitestgehend selbst tragen.

In diesem Sommer liegt die Auslastung bei 56 Prozent. "Eine volle Belegung ist gar nicht unser Ziel", sagt der Herbergsleiter. Dennoch werden die Zimmer gerade am Wochenende knapp, wenn auch die Mallorquiner ein paar Tage in ihrem Heiligtum verbringen möchten. 20.000 Übernachtungsgäste kommen jährlich, besonders im Frühjahr und Herbst. Die Zimmer sind einfach eingerichtet, Heizung gibt es, Klimaanlage allerdings nicht, Verpflegung kann nach Wunsch gebucht werden. "Wir sind für alle Religionen und auch Nichtgläubige offen", sagt Sureda. Deshalb finden sich in den Zimmer auch keine religiösen Symbole. In einigen hängt ein Bild der schwarzen Madonna. Zapfenstreich ist in Lluc um Mitternacht. "Einmal haben mich Urlauber nach der Disco hier gefragt", erzählt die Rezeptionistin und kichert. Gebucht wird Lluc für Ärztekongresse, von Yogagruppen, Wanderern, Pilgerreisenden und Urlaubern.

"Wir haben kurzfristig was gesucht", erzählen die Freunde Marcus Worthmann und Hanko Ipach. "Da war nur noch Lluc und am Ballermann was frei." So entschieden sich die beiden für Ferien in Mallorcas Heiligtum. Sie entspannen am Pool des Pilgerzentrums, der sich mitten in der Natur befindet, unternahmen einen Ausflug nach Pollença und wollen Rad fahren – eben ein entspannter Urlaub.

(aus MM 31/2017)

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