"Wie Haute Couture, nur für die Füße"

Schuhe made in Mallorca: Exklusive Ware für sehr spezielle Nischenmärkte

| Inca, Mallorca |
Am Ende der Fertigung zieht der Schuhmacher den Schnürsenkel in sein Handwerk ein.

Am Ende der Fertigung zieht der Schuhmacher den Schnürsenkel in sein Handwerk ein. Die Aufnahme stammt von dem prämierten Industrie-Fotografen Nando Esteva, dessen Arbeiten von der Balearen-Regierung für offizielle Messeauftritte verwendet werden. Foto: Nando Esteva

Am Ende der Fertigung zieht der Schuhmacher den Schnürsenkel in sein Handwerk ein.Auf Mallorca werden seit Mitte des 19. Jahrhunderts intensiv Schuhe produziert.In Inca erinnert das Schuhmuseum an die Tradition (Museo del calzado, Avenida del General Luque, 223. Öffnungszeiten Mo bis Fr 1

Cowboys und Indianer, Bergsteiger und Jäger, Polizisten und Springreiter, Banker und Business-Tycoons - selbst Fußkranke können auf Mallorca fündig werden, wenn es darum geht, das perfekte, sprich maßgeschneiderte Lederkleid für die eigenen Füße zu erlangen. Bis zu zehn Schuhhersteller trotzen auf Mallorca dem allgemeinen Niedergang der Schuhbranche und produzieren gegen den Massentrend Lederwaren, die dem Handwerk und seinen Beschäftigten ein Überleben sichern.

Es handelt sich um Betriebe, die jeweils einen Nischenmarkt für sich entdeckt haben, und für diesen auf einem sehr hohen Qualitätsniveau produzieren. Damit ist die Insel zwar meilenweit entfernt von ihrer einstigen Tradition, als sie eine bedeutende Hochburg der Schuhfertigung darstellte und Massenware in alle Welt exportierte. Doch dank der neuen Strategie hat das Schuhhandwerk auf Mallorca wieder Zukunft.

"Wir sind zwar nur wenige, aber wir sind sehr spezialisiert", sagt Aurora Coll, Präsidentin des Verbandes der Schuhproduzenten auf Mallorca, Afaca. Nach ihren Worten sind die Betriebe, die auch heute ausschließlich auf der Insel fertigen - statt in Billiglohnländer wie China, Pakistan oder Marokko auszuweichen - vor allem im Inselinnern beheimatet. Während sich die einen Betriebe auf klassische Damen- und Herrenschuhe konzentrieren, (Lottusse, George's, Yanko, Carmina) produzieren andere Betriebe Bergstiefel (Bestard, Comes), Mokassins (Comes), Reitstiefel (Mandala), Boots im Biker- und Cowboy-Look (Tony Mora) oder Gesundheitsschuhe (Miquelortopedics).

"Die Zukunft ist Maßanfertigung: Handgenähte Schuhe von feinster Qualität für anspruchsvolle Kunden", sagt José de Mano Arce, der vor drei Jahren einen Betrieb in Santanyí eröffnete (neben seiner seit 1990 bestehenden Manufaktur in Sevilla). Dazu werden die Füße des Auftraggebers exakt vermessen. Dieser entscheidet auch über die Auswahl, Färbung und Gestaltung der Schuhe. Kostet ein Paar in Standard-Größe um die 200 bis 230 Euro, beginnt der Preis für die Maßanfertigung bei 300 Euro und kann, je nach Rohstoff, bis zu 2000 Euro gehen, etwa wenn statt Rindsleder Krokodil zum Einsatz kommt.

Die Standardpreise nennt Arce erschwinglich, weil kein Zwischenhandel eingeschaltet ist. Der Deal läuft zwischen dem Schuhmacher und dem Endkunden ab, die Wartezeit beträgt zwei bis drei Monate. Die Kunden seien Deutsche, Nordeuropäer, Alpenländler und Spanier von hoher Kaufkraft.

"Der Trend geht zum Online-Handel und zur Individualisierung des Schuhhandels", sagt Jordi Coll, Inhaber des Schuhbetriebes George's in Inca. Dank Internet können Kunden ihr Lieblingsmodell wählen, ebenso Rau-, Wild- oder Glattleder sowie die Tönung. In dem Betrieb werden die Schuhe nach Wunsch fertiggestellt, unter Wahrung der höchsten Qualitäts- und Umweltstandards. Das Selbstverständnis der Firma lautet: "Wir sagen aller Welt: Kauft wenig, aber lebt mehr und besser."

"Wir müssen das Juwel der Krone sein", umschreibt Verbandschefin Aurora Coll den Anspruch. Die Inselbranche könne gegen die Flut der Billigimporte nur bestehen, indem sie nahezu Unikate schaffe, die, jedes für sich, handwerkliche Meisterwerke seien. "Das ist wie Haute Couture für die Füße."

Dementsprechend wird in den Betrieben viel Wert auf Handarbeit gelegt, auch wenn die über 100 Fertigungsschritte von Geräten unterstützt werden. Fließbandarbeit sei hingegen nicht zu finden, betont Jordi Coll. "Es gibt keine Maschine, die für sich alleine läuft."

PRODUKTION AUF MALLORCA

George‘s, Inca
gegründet 1967
klassische Herrenschuhe
Fabrikverkauf: Inca, Avinguda Antonio Maura 107, Mo bis Fr 10.30 bis 13.30 und 17 bis 20 Uhr
www.georges-shoes.com

Lottusse, Inca
Ursprung 1877
klassische Damen- und Herrenschuhe
Outlet: Inca, Carrer Pagessos 14 C, Mo bis Sa 10 bis 20.30 Uhr
www.lottusse.com

Carmina, Inca
Ursprung 1866
klassische Damen- und Herrenschuhe
Verkaufsgeschäft: Palma, Carrer Unió 4, Mo bis Sa 10 bis 20.30 Uhr
www.carminashoemaker.com

Yanko, Inca
Ursprung 1890
klassische Herrenschuhe
Inca, Carrer Binissalem 51
Die Eröffnung eines Ladens für den Fabrikverkauf ist geplant für 2015.
www.yanko.com

Apache, Lloseta
(Calçats Comes),
gegründet 1940
Mokassins und Bergstiefel
Fabrikverkauf: Carrer Antoni Oliver 7, Mo bis Fr 10 bis 13 und 17 bis 20 Uhr, Sa 10 bis 13 Uhr
www.mocasinesapache.com

Bestard, Lloseta
gegründet 1940
Wanderstiefel
Carrer de l’Estació 40-42
Fabrikverkauf: Mo bis Fr 10 bis 13 und 16 bis 20 Uhr, Sa 10 bis 13.30 Uhr
www.bestard.com

Miquelortopedics, Lloseta
gegründet 1954
orthopädische Schuhe
Carrer Josep Coll 16. Nach Vereinbarung
www.miquelortopedics.com

Tony Mora, Alaró
Cowboy-Stiefel
Carretera Alaró km 4,19
Fabrikverkauf: Mo bis Fr 10 bis 14 und 15.30 bis 19.30 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr
www.tonymoraboots.com

Mandala, Santanyí
Herrenschuhe, Reitstiefel
Carrer Bisbe Verger 34
Werkstattverkauf: Mo bis Fr 10 bis 14 und 17 bis 20 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr
www.mandalashoes.com


(aus MM 1/2015; aktualisiert um 11.45 Uhr)

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