Der Patriarch

Am 18. August wird der Verleger Pedro Serra 80 Jahre alt. Der Gründer des Mallorca Magazins und Chef des Medienkonzerns Grupo Serra bestreitet, dass er Macht hat: Er habe nur dazu beigetragen, dass auf Mallorca heute die besten Lebensbedingungen in Spanien herrschen

VON WOLFRAM SEIFERT

Mallorca. Das schönste Geschenk zum 80. Geburtstag machte ihm seine Tochter Paula: Gerade rechtzeitig brachte sie ihren zweiten Sohn zur Welt – Pedro Serras siebten Enkel, der zur Freude des Großvaters ebenfalls auf den Namen Pedro getauft wird.

Mallorcas Medienmogul und wichtigster Kunstsammler hat sein Haus, den Medienkonzern Grupo Serra, wohlbestellt. Paula leitet die Funk- und Fernsehabteilung des Familienkonzerns (fünf Rundfunksender, zwei TV-Programme, eine TV-Produktion), Sohn Miguel ist als ,,director general de publicaciones” verantwortlich für die Druck-erzeugnisse des Hauses (drei Tages- und vier Wochenzeitungen, darunter das Mallorca Magazin), und die älteste Tochter Carmen ist als De-facto-Chefin des Unternehmens in die Fußstapfen des Vaters getreten.

Zeitungen waren und sind das Leben von Pedro Serra. Die erste (,,Baleares”) gründete der Journalist vor 62 Jahren; heute erscheint das Blatt in katalanischer Sprache und wurde in ,,dbalears” umgetauft. 1962 folgte die englischsprachige Tageszeitung ,,Mallorca Daily Bulletin”, als Serra erkannte, dass die immer zahlreicher anreisenden Briten nach lokaler Information verlangten.

Neun Jahre später, vor 37 Jahren, folgte das Mallorca Magazin für die deutschsprachigen Inselgäste: Die Zahl der deutschen Urlauber nahm mit dem Massentourismus immer mehr zu.

Zwischendurch übernahm er ,,Sóller”, die mit inzwischen 128 Jahren älteste Publikation Spaniens, und ,,Ultima Hora”, das Flaggschiff des Hauses, das er zur mit Abstand auflagenstärksten Zeitung des Archipels machte. Danach widmete er sich, zusammen mit Frau und Kindern, auch Rundfunk und Fernsehen.

Margarita, die Mutter seiner Kinder, lernte Serra übrigens 1950 in Hamburg kennen – auf St. Pauli. Schmunzelnd erzählt er gern, dass man sich dort in einem Hotel kennengelernt habe - er war als Reporter in der Hansestadt, sie als Mitglied einer mallorquinischen Folkloregruppe. Auf Mallorca waren sich die beiden, die kurz darauf heirateten, nie begegnet.

Seine Kraft zieht Pedro Serra aus der Familie, der Arbeit und aus seinen Wurzeln. Das wird auch deutlich, wenn er die drei emotionalsten Momente seines Lebens nennt: n die Geburt seiner ersten Tochter Carmen, n die Ernennung zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Sóller im Jahr 2000 sowie n den Tag, an dem seine ,,Ultima Hora” erstmals 65.000 verkaufte Exemplare und damit jeden vierten Bürger der Insel erreichte. Auch der Mallorca-Urlauber und erste Mann im Staate, König Juan Carlos, gehört zu den Lesern; er lässt sich die Zeitung in seinen Sommersitz Marivent in Palma, aber auch nach Madrid liefern. Der Verleger und der Monarch kennen sich seit 1954, als Serra zusammen mit anderen Würdenträgern aus Palma zum Essen mit dem damaligen Prinzen von Asturien nach Marivent eingeladen war.

Seither verbindet eine tiefe Sympathie die beiden Männer; Juan Carlos war mit seiner Familie häufig zu Gast bei Familie Serra in Sóller. Und dem König war es auch eine Freude, im März 2002 das neue Druckzentrum von Grupo Serra in Palmas Gewerbegebiet Son Valenti einzuweihen.

Auf Serras Finca Ses Tanques de Can Serra in Sóller wird am 18. August Geburtstag gefeiert. Wer eingeladen ist, weiß Serra nicht; das große Fest organisieren die Kinder. Dass Juan Carlos zu den Eingeladenen gehört, darf als sicher gelten.

Damals in Marivent äußerte der Prinz den Wunsch, Joan Miró kennenzulernen. Serra brachte die beiden zusammen. Der Journalist und der Künstler waren schon damals gute Freunde. Die Freundschaft währte mehr als 40 Jahre; Miró starb Weihnachten 1983.

Auch Picasso gehörte zu den Freunden Serras, der immer mehr zum Kunstsammler und -mäzen wurde (siehe auch nächste Seite). Er besitzt etliche Werke von Picasso; 24 Keramiken aus der Sammlung Serra sind während der Olympischen Spiele im spanischen Cervantes-Institut in Peking zu sehen.

Pedro Serra hat im Laufe seines langen Lebens zahlreiche Persönlichkeiten zu Freunden gehabt oder kennengelernt: Literaturnobelpreisträger Camilo José Cela, den Schriftsteller Robert Graves, Größen aus Politik, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Sport und alle Päpste seit Pius XII. außer Benedikt XVI.

Die Macht war ihm immer nahe, und er selbst übt(e) auch publizistische Macht aus, obwohl er das bestreitet: Er habe lediglich dazu beigetragen, dass auf Mallorca heute die besten Lebensbedingungen in Spanien herrschten und dass die kulturelle Szene beispielhaft sei. Eins sei ihm allerdings nicht gelungen, sagt Pedro Serra bedauernd: die Insel vor der Zerstörung durch die anhaltende Bebauung zu bewahren. Als besonders grässliches Beispiel nennt er die Küste von Andratx. ,,Hier wird deutlich”, sagt er, ,,dass Geld viel mehr zählt als die Macht der Presse.” Deren Aufgabe sieht er – neben der wahrheitsgetreuen Information – vor allem darin, Anwalt der Menschen zu sein, sie vor Missbrauch staatlicher Gewalt oder vor Günstlingswirtschaft zu bewahren und die Verschwendung von Steuergeldern zu verhindern.

Serra gibt ,,dbalears” in katalanischer Sprache heraus – um die Nachfrage zu befriedigen, sagt er, nicht um dem Katalanismus den Weg zu bereiten. Er ist strikt gegen Unabhängigkeitsbestrebungen, wie sie in Katalonien und auf den Balearen aufkeimen: Mallorca sei und bleibe Teil Spaniens. Unter einer Voraussetzung könne er sich allerdings Unabhängigkeit vorstellen, meint er grienend: wenn das 1349 untergangene Königreich Mallorca wieder auferstehe.

Pedro Serras Horizont ist ungleich weiter als der der meisten seiner Landsleute. Vor allem wegen der Kunst hat er die ganze Welt bereist und er kennt auch Deutschland gut. Das erste Mal war er im Jahr 1949 in der Bundesrepublik (,,in Köln stand eigentlich nur noch der Dom und Frankfurt lag auch noch in Trümmern”).

Was ihn damals in Deutschland am meisten beeindruckt habe? ,,Die Frauen”, sagt der damals 21-Jährige, ,,damals hatte Deutschland die schönsten Frauen der Welt.” Immer wieder reiste Serra nach Deutschland. An den Deutschen schätzt er die Klarheit der Gedanken, die Zielstrebigkeit, die Ernsthaftigkeit, den Fleiß. Und dass sie, nicht nur bei Besuchen in Spanien, die spanische Kultur hochhalten: ,,In keinem Land Europas mit Ausnahme Spaniens ist so viel spanische Kultur zu finden wie in Deutschland.” Seine Liebe zu Deutschland und den Deutschen spielte auch eine Rolle, als er 1971 das Mallorca Magazin aus der Taufe hob. Das Blatt sollte eine Brücke zum Lieblings-Urlaubsziel der Deutschen und später auch zur zweiten Heimat vieler Deutscher schlagen. Es wurde rasch zum Leitfaden all derer, die sich hier niederließen.

Dieses Engagement hat ihm Deutschland gedankt. 2002 verlieh der damalige Bundespräsident Johannes Rau Pedro Serra das Bundesverdienstkreuz.
In den 80 Jahren seines Lebens hat Pedro Serra, einer der letzten Patriarchen, viel geschaffen und viel erreicht. Was würde er anders machen, wenn er noch einmal auf die Welt käme: ,,Nichts. Es war gut so.”

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