Fußball - Mallorca ist kein Spielverderber

Vergeblich haben die Inselkicker versucht, Real Madrid die Meisterfeier zu verpatzen. Nur 68 Minuten lang sah es so aus, als würde Real Mallorca dem FC Barcelona zum Titel verhelfen. Trotz der 1:3-Niederlage jubelten nach dem Schlusspfiff auch in Palma die Fans

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Am Ende musste der Wirt doch noch um sein Mobiliar fürchten: Nachdem die meisten Fußball-Fans in der 24-Stunden-Kneipe an Palmas Stadtrand lange Zeit ungläubig und regungslos auf die Bildschirme gestarrt hatten, wäre die Siegesfeier dann beinahe eskaliert. Die Anhänger von Real Madrid stellten klar die Mehrheit in der bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Bar, mussten aber mehr als eine Stunde lang um den Erfolg zittern. Aber spätestens als es den „Königlichen” zehn Minuten vor Spielende gelungen war, den Rückstand in eine 2:1-Führung umzuwandeln, gab es kein Halten mehr: Nur weil der Barmann entschlossen eingriff, ging im Überschwang nicht mehr zu Bruch, als ein paar Gläser.

Wie in ganz Spanien hat das Meisterschaftsfinale auch auf Mallorca die Massen gebannt. Die Straßen wie leergefegt, Menschentrauben vor den Fernsehern – nach dem Schlusspfiff dann hupende Autos und freudentrunkene Fans in Palmas Innenstadt. Obendrein hatte das Schicksal ausgerechnet die Inselkicker direkt an der Entscheidungsfindung im spanischen Meisterschaftsrennen beteiligt.

Und Real Mallorca präsentierte sich dem Anlass entsprechend: Die Mannschaft schien tatsächlich ihre Drohung wahrmachen und den „Königlichen” den Meisterpokal in letzter Sekunde noch entreißen zu wollen. Schon nach wenigen Minuten jagte Stürmer Juan Arango den Anhängern von Real Madrid einen ersten Schrecken ein, als er den Ball an den Pfosten hämmerte. Wenig später machte es Fernando Varela besser und brachte mit seinem 1:0 nicht nur die Anhänger seiner Mannschaft, sondern auch die Fans des FC Barcelona zum Jubeln, die auf einen Ausrutscher des Tabellenführers hofften, um ihrerseits doch noch den Meistertitel aus dem vergangenen Jahr verteidigen zu können.

Die Katalanen hatten ihren Teil der Aufgabe früh erfüllt und beim Tabellenletzten Tarragona eine klare Führung herausgeschossen. Alles hing also an den Inselkickern: Mehr als eine Stunde lang verteidigte Mallorcas Abwehr den knappen Vorsprung und hielt den wütenden Angriffen der Hausherren stand. Die vom Italiener Fabio Capello trainierten Madrilenen wirkten nicht einfallsreich genug, um sich Torchancen zu erspielen – bis zur 68. Minute. Dann hatte der „königliche” Angriff seinen ersten lichten Moment und traf prompt durch José Antonio Reyes zum Ausgleich. Dem Führungstreffer durch Mahamadou Diarra ließ Reyes dann auch das entscheidende Tor zum 3:1 folgen. Der Rest war Jubel, die vereinzelten Barça-Fans schlichen geknickt von dannen.

Mit dem Sieg der „Königlichen” hatten sich dann auch augenblicklich alle Spekulationen um eine mögliche Prämienzahlung an die Inselkicker erledigt. Im Vorfeld des Saisonfinales soll der FC Barcelona zwei Millionen Euro für einen Punktgewinn der Mallorquiner in Madrid geboten haben. Ob Madrids Trainer Fabio Capello etwas vom Titelgewinn hat, ist dagegen noch offen: Die Gerüchte halten sich hartnäckig, er werde zur neuen Saison vom Deutschen Bernd Schuster abgelöst.

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