Einladung zum Langsamlaufen

Die Deutsch-Spanierin Irene Peukes entwirft Schuhe mit eigenwilligem Design

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"Illetes" und "Bonanova" heißen die Modelle unter anderem - eine Liebeserklärung an Irene Peukes' Wahlheimat.

"Illetes" und "Bonanova" heißen die Modelle unter anderem - eine Liebeserklärung an Irene Peukes' Wahlheimat.

Foto: Foto: Miquel Àngel Cañellas
"Illetes" und "Bonanova" heißen die Modelle unter anderem - eine Liebeserklärung an Irene Peukes' Wahlheimat.Irene Peukes in ihrem Atelier in Sineu.Die Schuhe sind aus Jute, einer Pflanze, die vor allem in Indien und Bangladesch angebaut wird. Die Sohlen kommen in Sa Pobla hi

Eigentlich hat sie gar keine Zeit für ein Treffen. Dann schaufelt sich Irene Peukes doch 45 Minuten frei. In Sineu scheint die Sonne um 9 Uhr morgens schon kräftig, Orangen- und Feigenbäume stehen im Garten gegenüber. Drinnen im Erdgeschoss ist es dunkel, staubig, ruhig und kühl. Eine Treppe hoch wird es licht. Hier wirken Irene Peukes und Araceli Iranzo. So stellt man sich das kreative Chaos vor. Rote, türkis-, beigefarbene und schwarz-weiß-melierte Juteschuhe in Kartons übersäen den Boden. Die neue Kollektion muss raus.

Irene Peukes, Deutsch-Spanierin, lebt seit vielen Jahren auf Mallorca, hat Design studiert und bei der Schuhfirma Camper in Inca gearbeitet. Dort entwarf sie bequeme und gleichzeitig modische Schuhe und entwickelte neue Modelle mit. Vieles von dort hat sie geprägt; jetzt kann sie selbst entscheiden, wie und was sie macht. Mit der Spaniern Araceli Iranzo entwirft sie die Schuhreihe "Pla" - Juteschuhe mit einer weichen Gummisohle. "Pla" ist mallorquinisch und bedeutet "flach, eben". Die Namen sind eine Liebeserklärung an ihre Wahlheimat: Illetes und Bonanova heißen die Modelle.

Ihre Schuhe laufen gut. Übers Internet, per Direktverkauf und in verschiedenen Läden in Palma und auch Berlin verkauft Peukes sie. Fertigen lässt sie sie in Bangladesch. Hierfür wählt sie besondere Projekte aus: Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, flechten und färben die Juteschuhe mit der weichen Gummisohle. Aus einem einzigen Zopf wird das Oberteil des Schuhs geflochten. Innen sind die Schuhe mit Baumwolle ausgekleidet, damit es nicht reibt und sich angenehm auf der Haut trägt. Sie wählt Jute deshalb, "weil es ein Material von dort ist", sagt die Frau mit der kleinen runden Brille. Besohlt werden die Schuhe in Sa Pobla.

Der Schuh soll vor allem eins sein: bequem. "Der Fuß schafft sich beim Tragen sein eigenes Fußbett, so als würde man auf dem Rasen laufen", sagt Irene Peukes. Sie sollen dazu einladen, ohne Hektik durch die Stadt zu laufen. "Obwohl ich zurzeit viel durch die Stadt hetze und dabei diese Schuhe trage", sagt sie und lacht laut. Auch wenn der Schuh luftig aussieht, kann man ihn das ganze Jahr tragen. Besonders eignen sie sich natürlich für den Frühling oder Sommer. Nieselregen halten sie auch gut aus.

Der Stil ist eigen. Ihr Wunsch: Die Leute schauen die Sachen an und denken, "oh, da habe ich Lust drauf". Sie entwirft nicht nur Schuhe, sondern auch Kleider, die in Guatemala gewebt werden. Von den dortigen Mustern wie knallroten Vierecken oder Streifen lässt sie sich inspirieren. Heraus kommt eine Symbiose aus handgewebten Stoffen, südamerikanischen Mustern und westlichen Schnitten.

"Ich mache das, was gut zusammenpasst und was mir gefällt", so Peukes. Von Trends und angeblichen Moden versucht sie sich freizumachen. Jetzt muss sie weiterpacken. Der Mann vom Paketdienst wartet, die vielen Schuhkartons wollen zu ihren zukünftigen Besitzern. Und ihrem Motto wird sie dann doch wieder untreu: Mit den orangenen Juteschuhen flitzt sie weiter durch ihr Atelier. Auf weichen Gummisohlen.

(aus MM 16/2014, leicht gekürzt)

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