„Alltag empfinde ich als Luxus”

MM-Interview mit der Schauspielerin Sonja Kirchberger

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Mallorca Magazin: In der ARD wird am 25. Dezember um 14.45 Uhr eine Neuverfilmung des Märchens "Schneewittchen" ausgestrahlt - mit Ihnen in der Rolle der bösen Stiefmutter. Eine Rolle wie jede andere?
Sonja Kirchberger: Nein. Es handelte sich wirklich um eine Wunschrolle. "Schneewittchen" war für mich als Kind der erste Krimi. Ich konnte nicht atmen, so spannend fand ich diese Geschichte. Meine Mutter hat mir vorgelesen. Diese Königin, die gegen Windmühlen kämpft, gegen etwas, das so vergänglich ist, und wo sie nie gewinnen kann, das hat mich schon fasziniert. Die Bösen zu spielen ist oftmals für den Schauspieler wirklich die größere Herausforderung.

MM: Was halten Sie denn ganz generell von Märchen?
Kirchberger: Ich liebe Märchen, deswegen liebe ich auch die Weihnachtszeit. Um Weihnachten herum schaue ich viel fern, weil so viele Märchen gesendet werden. Und ich mag besonders Märchen-Verfilmungen mit echten Menschen. Mir gefallen zwar auch animierte Filme, aber durch Menschen bekommt das Märchen plötzlich eine Körpertemperatur. Das Schöne an Märchen ist: Es gibt garantiert ein Happy End.

MM: Eine Eigenschaft der bösen Stiefmutter in "Schneewittchen" ist ihre Eitelkeit. Wie eitel ist Sonja Kirchberger?
Kirchberger: Wenn ein Schauspieler von sich sagt, dass er gar nicht eitel ist, dann glaube ich ihm kein Wort. Bei uns liegt eine gewisse Eitelkeit in der Natur der Sache. Unser Äußeres wird ständig bewertet. Man darf aber nicht dem Irrtum verfallen, dass man heute so aussehen muss wie vor 20 Jahren. Diese Eitelkeit habe ich nicht. Aber dass ich in meiner Liga gerne eine gepflegte und attraktive Frau bin, diese Eitelkeit habe ich schon.

MM: Sie sagten, dass Ihre Mutter Ihnen früher vorgelesen hat. Ihr Sohn ist jetzt elf. Haben Sie ihm auch vorgelesen?
Kirchberger: Ich lese meinem Sohn auch heute noch vor. Wir lesen uns gegenseitig vor. Das hat bei uns Tradition. Zu Weihnachten werden wir uns lustige Weihnachtsmärchen vorlesen.

MM: Seit nunmehr zehn Jahren ist Palma Ihr Lebensmittelpunkt, Sie wohnen direkt in der Stadt. Wie sieht denn eigentlich Ihr Alltag aus, wenn Sie nicht irgendwo vor der Kamera stehen?
Kirchberger: Alltag empfinde ich als Luxus. Ich bin in diesem Jahr so viel unterwegs gewesen, habe so viel gedreht. Wenn ich dann zu Hause im eigenen Bett aufwache, den eigenen Eisschrank aufmache, mir selbst das Frühstück zubereite, zum Markt gehe oder überlege, was ich meiner Familie zum Essen koche - das ist für mich Luxus. Ich sitze so oft in Hotels und kenne wohl alle Club-Sandwiches in Deutschland ...

MM: Ihr Lebensgefährte Jochen Nickel ist auch Schauspieler, Ihr Sohn Lee-Oscar erst elf. Versuchen Sie und Jochen, dass immer einer gerade nicht arbeiten muss?
Kirchberger: Das ist das hohe Ziel. Einer soll immer da sein, am besten beide. Wir versuchen, die Drehtage so einzuteilen, dass immer einer von uns in Palma ist.

MM: Manche Wahl-Mallorquiner werden der Insel eines Tages überdrüssig und verlassen sie wieder. Gibt es bei Ihnen auch schon solche Überlegungen?
Kirchberger: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte nie mehr weg von dieser Insel. Ich liebe Mallorca nicht wie am ersten Tag, sondern jeden Tag mehr. Aber ich schaue mich nach einem Zweitwohnsitz um. Der soll in den Bergen sein. In meiner Heimat Österreich oder in Deutschland in der Nähe von München. Ich liebe die Berge.

MM: Wie kommt es eigentlich, dass man Sie praktisch nie bei irgendwelchen deutschen Society-Events auf der Insel sieht?
Kirchberger: Wir genügen uns. Wir sind so gerne in unserem Nest in der Stadt und verlassen das nicht gerne. Wir haben ein sehr warmes Familienleben und Freunde, die uns besuchen. Jochen und mir kann man mit der Einladung in ein Restaurant keine Freude bereiten. Ich freue mich, wenn ich mir selbst etwas Einfaches kochen kann. Restaurants habe ich ständig in Deutschland. Uns sieht man auf Mallorca am Wasser, beim Wandern, auf endlosen Spaziergängen.

MM: Nochmal zurück zur Arbeit. Was darf man denn demnächst an neuen Filmen von Ihnen erwarten?
Kirchberger: Wir haben zum Beispiel eine Satire auf den "Paten" gemacht. Christian Tramitz als Pate, ich als seine Tochter Conny Corleone. Der Film heißt "Der Psycho Pate" und kommt wohl im nächsten Herbst. Auf diesen Film freue ich mich schon sehr. Denn wie auch "Schneewittchen" ist er fantastisch geworden.

MM: Und wie geht's jetzt beruflich weiter?
Kirchberger: Ich weiß, dass ich im März einen wahnsinnig schönen Krimi drehe. Ich bin ja in Krimis sowohl als Opfer wie auch als Täter zu sehen. Wenn ich auftrete, dann werde ich oft verdächtigt, obwohl ich eigentlich das Opfer bin ...

MM: Sie waren aber auch schon als Kommissarin zu sehen. Wäre die Rolle einer Kommissarin im "Tatort" etwas für Sie?
Kirchberger: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Ich bin ja immer fixiert auf die Episodenhauptrollen, das sind die schönsten Rollen in "Tatorten" oder "Polizeirufen". Aber ich habe sehr viel Respekt vor den Kommissaren. Man muss seine Figur immer wieder interessant gestalten, ohne dass man den Charakter verlässt. Bei der Frage nach Reihen oder Serien kommt bei mir allerdings auch immer dazu, dass ich mich zeitlich unheimlich verpflichten würde. Aber ich lebe hier auf Mallorca und habe einen elfjährigen Sohn. Ich müsste sehr viel umorganisieren und erstmal mit der Familie klären, ob die auch dafür ist.

MM: Früher waren Sie im Film der Vamp, viele verbanden vor allem Erotik mit ihrem Auftritt. Vor ein paar Wochen haben Sie Ihren 45. Geburtstag begangen. Anders als bei anderen Schauspielerinnen hat die Karriere mit dem etwas reiferen Alter keinen Knick bekommen, Sie spielen heute auch Mütter und andere Rollen.
Kirchberger: Schauspielern darf man fast obszön beim Altern zusehen. Wir verleihen ja praktisch unser Gesicht. Und Schauspieler, die sich nicht entwickeln, werden langweilig. Sich entwickeln, das ist die schönste Reise in diesem Leben. Ich freue mich auf jedes Jahr, das ich älter werde. Ich freue mich, dass ich facettenmäßig jedes Jahr mehr spielen darf. Früher war ich festgelegt. Heute ist das nicht mehr so. Ich habe mich sozusagen freigespielt.

MM: Das eine oder andere Mal haben Sie auch schon Filme auf Mallorca gedreht. Hätten Sie dazu nicht mal wieder Lust?
Kirchberger: Jederzeit! Vielleicht wird auch im kommenden Jahr ein Projekt auf der Insel umgesetzt. Das Drehbuch ist fantastisch, die bisher geplante Besetzung auch. Aber ob das wirklich klappt, ist leider noch unklar.

MM: Abgesehen von den bereits erwähnten Märchen im Fernsehen - was gefällt Ihnen an Weihnachten?
Kirchberger: Dass kollektiv nicht gearbeitet wird. Diese Ruhe spürt man. Und dass sich die Menschen doch ein bisschen mehr besinnen als sonst.

MM: Und wie feiert die Familie Kirchberger-Nickel?
Kirchberger: Der ideale 24. Dezember ist ein sehr, sehr sonniger Tag. Wir sitzen mittags irgendwo in der Sonne bei Kaffee und Kuchen oder bei Pasta. Dann gehen wir gemütlich nach Hause, ich bereite alles in der Küche vor, Jochen die anderen wichtigen Dinge. Wir bekommen viel Besuch.

MM: Gibt es einen Weihnachtsbaum?
Kirchberger: Ja, und der wird wie bei uns in Österreich üblich erst am 24. geschmückt. Er soll eine Überraschung für das Kind sein, das ihn erst bei der Bescherung sieht.

MM: Und der erste Weihnachtstag?
Kirchberger: Der 25. Dezember ist der schlampigste Tag des Jahres. Da wird nur gegessen, herumgelungert, jeder macht, was er will. Und wenn er den ganzen Tag pennt, dann ist das auch in Ordnung.

Mit Sonja Kirchberger sprach Nils Müller

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