Funkel: „Ich nehme mir eine Auszeit”

Fünf Jahre war Friedhelm Funkel Cheftrainer bei Eintracht Frankfurt. Dann trennten sich die Wege. Jetzt ist der Coach frei und genießt seine Wohnung in Cala d'Or. Im Gespräch mit MM erzählt der Ex-Kicker, wie's mit ihm weitergeht und warum ihn auch ein Job im Ausland reizen könnte

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Mallorca – Anders als in den vergangenen Jahren wird Fußballtrainer Friedhelm Funkel seine Wohnung in Cala d'Or in diesem Sommer ausgiebig nutzen. Denn nach fünf Jahren in Diensten von Eintracht Frankfurt trennten sich die Wege des Klubs und seines Coaches am Ende der vergangenen Bundesliga-Saison. Vorzeitig.

Schon lange wurde im Umfeld an der Arbeit des Fußballlehrers herumgemäkelt. Vor dem letzten Spieltag trat er zurück. „Ja, das war schon ein freiwilliger Rücktritt”, betont Funkel im MM-Gespräch. „Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und ich, wir haben schon öfter darüber diskutiert, ob es Sinn macht, noch in ein sechstes gemeinsames Jahr zu gehen.” Die Entscheidung ist bekannt und beruht auf den hohen Erwartungen, die am Main gehegt werden. Funkel: „Egal, wer Trainer ist in Frankfurt, unter den gegebenen Voraussetzungen ist mit der Mannschaft nicht mehr zu erreichen. Auch wenn das Fans und Umfeld in gewissen Maßen anders sehen.” Das werde man auch in der kommenden Saison feststellen, wenn das Team unter Trainer Michael Skibbe aufläuft. Friedhelm Funkel wünscht seinem Nachfolger viel Glück: „Michael Skibbe ist ein guter Trainer, und er passt auch zur Mannschaft.” Der 55-Jährige muss es wissen, denn er kennt das Team und den Charakter der einzelnen Spieler wie kaum ein anderer.

Zu Beginn der Saison 2004/05 übernahm Funkel, der zuvor Bayer Uerdingen, den MSV Duisburg, Hansa Rostock und den 1. FC Köln trainiert hatte, die Frankfurter Eintracht in der zweiten Liga und schaffte mit einem jungen Team den Aufstieg in die erste Bundesliga, wo sich die Kicker aus Mainhattan bis heute behaupten. „Das, was wir dort gemeinsam erreicht haben, wird von Fußball-Sachverständigen in ganz Deutschland anerkannt. Nur in Frankfurt selber leider nicht so recht. Aus der einstigen launischen Diva haben wir eine berechenbare Mannschaft geformt, die auch in den kommenden Jahren in der Bundesliga bestehen wird.” Allerdings ohne Funkel ...

Doch der Trainer soll in gewisser Weise immer noch mit der Eintracht verbunden sein, wie deutsche Medien in dieser Woche berichteten. Angeblich läuft sein bis 2010 datierter Vertrag einfach weiter – und damit auch die Bezüge. „Dazu sage ich nichts. Da geht es um Vertragsdetails, zu denen ich mich schon als Spieler und später auch als Trainer nicht geäußert habe. So werde ich es auch weiterhin halten”, wehrt der Trainer ab.

Und auf welcher Bank sitzt er künftig? So viele Trainerposten wie nach keiner anderen Bundesliga-Saison wurden in den vergangenen Wochen neu besetzt. Doch der einstige Profi von Bayer Uerdingen und dem 1. FC Kaiserslautern wurde nirgendwo präsentiert. Dass dies etwas mit der Mallorca-Leidenschaft des in Neuss geborenen und aufgewachsenen Sportsmannes zu tun hat, mag leicht übertrieben klingen. „Es gab schon das eine oder andere Gespräch. Bei zwei Vereinen habe ich abgesagt. Ich wollte nicht auf den erstbesten Zug aufspringen, das brauche ich nicht. Ich nehme mir eine Auszeit”, meint Funkel. Und das klingt absolut selbstbestimmt. „Ich möchte mir auch mal einen Urlaub gönnen, ohne wieder an eine Vorbereitung zu denken. Sonst hat man immer nur den ersten Trainingstag im Kopf, führt ständig Telefonate wegen neuer Spieler und anderer Dinge. Jetzt pendele ich erstmal zwischen Deutschland und Cala d'Or und kann mir durchaus vorstellen, im August und im September auch mal zwei Monate am Stück auf Mallorca zu verbringen.”

Im Herbst, spätestens Ende des Jahres, trennen sich die ersten Bundesligisten erfahrungsgemäß von ihren Übungsleitern. Dann will Friedhelm Funkel wieder mitmischen. Nach den eher durchschnittlichen Klubs in seiner bisherigen Trainerlaufbahn hätte er nichts gegen einen Verein, der ganz oben mitspielt. „Natürlich reizt das. Aber als Trainer hast du nicht die Möglichkeit, dich anzubieten. Die fünf Jahre in Frankfurt haben mir jedoch sehr gutgetan, man hat registriert, was wir dort erreichen konnten.” Und das Ausland? Weder als Spieler noch als Trainer hat Funkel Deutschland je verlassen. „Bis vor einigen Jahren habe ich das absolut abgelehnt. Ich dachte, meine Erfahrung reicht noch nicht, um im Ausland tätig zu werden. Doch jetzt, wo ich mittlerweile 18 Trainerjahre hinter mir habe, sehe ich das anders. Wenn ein interessantes Angebot aus dem Ausland käme, würde ich nicht nur darüber nachdenken, sondern, wenn alles passt, auch zusagen.” Angebote aus dem Ausland gab es angeblich schon, aber noch keines, bei dem alles passte ...

In den vergangenen Wochen entschieden sich mehrere Bundesliga-Trainer, ihre Klubs vorzeitig zu verlassen. Die Medien sprechen von der „neuen Macht der Trainer”. Was ist Funkels Meinung? „Da muss man differenzieren. Meines Wissens haben Christoph Daum und Felix Magath Ausstiegsklauseln wahrgenommen, also vertraglich zugesicherte Dinge. Das kann ihnen niemand verübeln. Ansonsten sind wir Trainer nach wie vor Vorbilder und sollten uns an Verträge halten. Ich würde nicht von einer neuen Macht der Trainer sprechen, aber die Trainer sind selbstbewusster geworden. Das ist auch ein Stück weit legitim. Wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, zieht ansonsten der Verein die Konsequenzen. Und dann fragt auch keiner, ob das moralisch in Ordnung ist.”

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